Frederic Esters hält den Bewertungsabschlag für überzogen, sieht die Widerstandskraft des Geschäfts aber von der Infrastrukturaktivität abhängig.
Der Markt blickt bei Wienerberger vor allem auf den schwachen Wohnungsneubau; inzwischen stammen mehr als 60 Prozent des Umsatzes aus weniger zyklischen Bereichen wie Renovierung und Infrastruktur. Mit Frederic Esters spricht die Redaktion darüber, wie belastbar diese Verschiebung nach der gesenkten Ergebnisprognose ist.

Wienerberger (AT0000831706) — Schlusskurse 09.04.2026 bis 05.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 05.10.2026.
Börse Express Redaktion: Wie viel Substanz steckt im regionalen Werksnetz von Wienerberger, und welchen Wert halten Sie für angemessen?
Frederic Esters: Der Neubau belastet die Bewertung zu Recht. Weniger überzeugend finde ich, wie wenig dem Geschäft mit Renovierung und Infrastruktur zugetraut wird, während der Neubau schwach bleibt. Mein faires Niveau liegt bei rund 22 Euro. Darin steckt ein Wert für das Werksnetz, dessen lokale Reichweite bei schwerem Baumaterial schwer nachzubauen ist. Die Werksdichte schützt den lokalen Zugang, nicht die Nachfrage.
Börse Express Redaktion: Sie sagen: „Die Werksdichte schützt den lokalen Zugang, nicht die Nachfrage.“ Warum sollte Ihr Wert Bestand haben, wenn der Neubau schwach bleibt?
Frederic Esters: Ein leeres Werk wird durch seinen Standort nicht profitabel. Mein Wert hängt daran, dass Renovierung und Versorgungsnetze einen Teil der fehlenden Neubauaufträge auffangen. Die gesenkte Ergebnisprognose zeigt, dass dieser Ausgleich Grenzen hat. Für einen zusätzlichen Wert der Marken würde ich hier wenig bezahlen.
Börse Express Redaktion: Scheuchs gesundheitsbedingter Rücktritt trifft Wienerberger mitten in der schwachen Baukonjunktur. Verliert Ihre Rechnung mit dem Führungswechsel ihren wichtigsten Fürsprecher?
Frederic Esters: Der Wechsel macht Entscheidungen schwieriger, auch wenn Hanke den Konzern seit Langem kennt. Meine Rechnung braucht aber keinen bestimmten Fürsprecher an der Spitze. Sie hängt an einem Datenpunkt: Wenn die Infrastrukturaktivität im Zwischenbericht am 12. November nicht mehr robust ist, muss ich meine These revidieren. Dann hätte ich die Widerstandskraft des Geschäfts überschätzt.
Börse Express Redaktion: Mehr als 60 Prozent des Umsatzes entfallen auf weniger zyklische Bereiche, dennoch sank im zweiten Quartal 2026 das operative EBITDA. Ist die Verschiebung damit nicht längst widerlegt?
Frederic Esters: Für eine Widerlegung müssten Sie zeigen, dass der Rückgang gerade aus Renovierung und Infrastruktur stammt. Im zweiten Quartal 2026 drückte vor allem der schwache Neubau in Nordamerika und Großbritannien das operative EBITDA auf 230 Millionen Euro. Die robusteren Aktivitäten konnten das nicht verhindern. Ich halte die Verschiebung für wertvoll, nur eben nicht für eine Vollkaskoversicherung.
Börse Express Redaktion: Angenommen, der Zwischenbericht bestätigt die robuste Infrastrukturaktivität: Würden Sie die Unsicherheit an der Spitze dann ausblenden?
Frederic Esters: Nein. Gute Nachfrage ersetzt keine verlässliche Führung. Sie gäbe mir mehr Vertrauen in das Geschäft; beim Personal bliebe ich vorsichtig.
Börse Express Redaktion: Wenn die Infrastrukturaktivität im Zwischenbericht am 12. November nicht mehr robust ist, revidieren Sie Ihre These. Welches Urteil gilt bis dahin für Wienerberger?
Frederic Esters: Ich halte den Bewertungsabschlag für zu groß. Das Werksnetz hat Substanz, und das Geschäft jenseits des Neubaus verdient mehr Gewicht. Die Infrastruktur muss diese Einschätzung im Zwischenbericht tragen; dort könnte ich falschliegen.
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