Wie schnell wir sprechen, welche Wörter wir verwenden und wie unsere Stimme klingt, verändert sich im Laufe des Lebens. Diese Merkmale könnten künftig dabei helfen, Alterungsprozesse und möglicherweise auch einen beginnenden geistigen Abbau zu erkennen. Darauf deutet eine aktuelle Studie hin. 

Forschende haben dafür eine sogenannte Sprachuhr entwickelt. Sie kann anhand einer nur vierminütigen Sprachprobe abschätzen, welches Alter die Stimme einer Person widerspiegelt. Interessant ist dabei vor allem die Abweichung vom tatsächlichen Lebensalter: Je größer die sogenannte Sprach-Alterslücke war, desto häufiger zeigten sich kognitive Defizite.

Diese Merkmale der Stimme waren besonders auffällig

Nicht alle sprachlichen Merkmale waren gleichermaßen aussagekräftig. Eine bestimmte Sprechgeschwindigkeit, die Art der Pausen sowie die verwendeten Wörter zur Vermittlung von Informationen erwiesen sich als die stärksten Hinweise auf ein langsameres Altern.

Eine veränderte Tonhöhe und ein veränderter emotionaler Klang der Stimme standen dagegen mit einem beschleunigten Altern in Zusammenhang.

Auch zwischen gesunden Menschen und Personen mit kognitiven Erkrankungen konnte die Sprachuhr unterscheiden: Bei gesunden Teilnehmenden entsprach das ermittelte Sprachalter meist ungefähr ihrem tatsächlichen Lebensalter. Die Sprache von Menschen mit Demenz oder anderen kognitiven Störungen stufte das Modell dagegen deutlich älter ein.

Sprachprobe stimmt mit anderen Altersmarkern überein

Die Ergebnisse der Sprachuhr passten zudem zu anderen messbaren Veränderungen im Körper. Höhere Werte des Alzheimer-Markers p-Tau217 gingen ebenso mit größeren Sprach-Alterslücken einher wie Veränderungen bei epigenetischen Alterungsmarkern und bei bildgebenden Untersuchungen des Gehirns.

Für die Studie, die in der Fachzeitschrift „Science Advances“ erschienen ist, werteten die Forschenden Sprachaufnahmen von knapp 3.000 Menschen aus Argentinien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Peru aus. Darunter waren sowohl gesunde Personen als auch Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung, Alzheimer oder anderen Demenzformen.

Aus den jeweils vierminütigen Sprachproben analysierte das Forschungsteam mehr als 700 Merkmale, darunter Sprechgeschwindigkeit, Pausen, Wortschatz, Tonhöhe und emotionalen Ausdruck. Mithilfe von maschinellem Lernen berechnete das Modell daraus das jeweilige Sprachalter.

Ob sich mit einer kurzen Sprachprobe tatsächlich zuverlässig vorhersagen lässt, wer später an einer Demenz erkrankt, ist allerdings noch offen. Das müssen zunächst Langzeitstudien zeigen.

Quelle: DOI: 10.1126/sciadv.aef9864