MAILAND / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine randomisierte Studie liefert neue Remissionsdaten für jüngere Erwachsene mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes. Nach 24 Wochen erreichten 54 Prozent in der Interventionsgruppe eine Remission, während es in der Standardversorgung nur 4 Prozent waren. Die Maßnahme kombinierte eine energiereduzierte Kost mit 800 bis 900 Kilokalorien pro Tag und ein strukturiertes Trainingsprogramm. Gleichzeitig traten bei deutlich mehr Teilnehmenden diätbedingte Beschwerden als unerwünschte Ereignisse auf.

Typ-2-Diabetes: 54 % Remission nach 24 Wochen durch Diät und TrainingTyp-2-Diabetes: 54 % Remission nach 24 Wochen durch Diät und Training (Foto: IT BOLTWISE)

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Wer Typ-2-Diabetes früh genug angeht, bekommt in der Praxis oft eine sehr konkrete Frage gestellt: Reicht Lebensstil wirklich aus, um den Glukosestoffwechsel so weit zu normalisieren, dass von Remission gesprochen werden kann? Genau an dieser Schwelle setzt die randomisierte Studie „RESET for Remission“ an, deren Ergebnisse im Oktober 2026 in der Fachzeitschrift The Lancet Regional Health Americas veröffentlicht und auf dem EASD-Kongress in Mailand vorgestellt wurden. Im Fokus stehen dabei keine langjährigen Krankheitsverläufe, sondern jüngere Erwachsene im Alter von 18 bis 45 Jahren, bei denen Typ-2-Diabetes früh diagnostiziert und gleichzeitig Adipositas festgestellt wurde.

Die Studiendynamik ist methodisch vergleichsweise klar: 96 Teilnehmende wurden in eine Interventions- und eine Kontrollgruppe aufgeteilt. Die Interventionsgruppe erhielt über 24 Wochen eine energiereduzierte Kost von 800 bis 900 Kilokalorien pro Tag, kombiniert mit einem strukturierten Trainingsprogramm. Die Vergleichsgruppe bekam dagegen die übliche Standardversorgung. Nach Ablauf der 24 Wochen zeigte sich dann die zentrale Kennzahl: In der Interventionsgruppe erreichten 27 von 50 Teilnehmenden eine Remission, das entspricht 54 Prozent. In der Kontrollgruppe lag die Quote bei 2 von 46 Personen, also bei 4 Prozent. Das bedeutet nicht nur eine absolute Differenz von 50 Prozentpunkten, sondern auch eine deutlich höhere adjustierte Remissionswahrscheinlichkeit – laut Studie sogar um den Faktor 21 gegenüber der Standardversorgung.

Hinter den Zahlen steckt zudem eine wichtige Auswertungstechnik, die man für die Einordnung kennen muss. Bei der abschließenden Untersuchung fehlten zehn der 96 Teilnehmenden; diese wurden in der Auswertung methodisch als nicht remittiert gewertet. Solche Regeln sollen verhindern, dass eine mögliche Dropout-Verzerrung die Wirkung künstlich aufbläst. Auch beim Körpergewicht waren die Effekte sichtbar: Die Teilnehmenden der Interventionsgruppe verloren im Schnitt 8,4 Kilogramm, während die Kontrollgruppe lediglich 1,2 Kilogramm abnahm. Der adjustierte Mehrverlust betrug 7,5 Kilogramm, und davon entfielen 6,6 Kilogramm auf Fettmasse. Damit passt das Ergebnis gut zu dem biologischen Grundgedanken, dass in der Frühphase die metabolische Fehlsteuerung oft noch empfindlich auf Energiezufuhr und metabolische Belastung reagiert.

Allerdings hat der Ansatz auch Schattenseiten, die in solchen Lebensstilprogrammen häufig unterschätzt werden. Die intensive Energiebegrenzung war offenbar nicht „kostenlos“: Unerwünschte Ereignisse traten bei 43 von 50 Personen in der Interventionsgruppe auf, gegenüber 6 von 46 unter üblicher Versorgung. Das Studienteam ordnete diese Ereignisse überwiegend als vorübergehend und diätbedingt ein; schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden laut den Angaben nicht registriert. Dennoch ist die hohe Rate ein Signal dafür, dass die Umstellung organisatorisch und körperlich anspruchsvoll ist – vor allem, wenn Menschen nach der intensiven Phase in den Alltag zurückkehren. Als Limitation nennen Fachleute außerdem die begrenzte Stichprobengröße und den relativ kurzen Untersuchungszeitraum. Und weil Energierestriktion und Training in der Studie gleichzeitig umgesetzt wurden, lässt sich nicht sauber trennen, welcher Anteil der Remission eher auf die Ernährung und welcher auf die Bewegung zurückgeht.

Ein Blick auf den bisherigen Forschungsstand macht die Einordnung leichter. Die aktuellen Daten fügen sich in das wachsende Bild ernährungsbasierter Remissionsprogramme ein, wie es bereits in früheren Interventionen sichtbar wurde. In der britischen DiRECT-Studie lag die Remissionsrate nach einem Jahr bei 46 Prozent. In der DIADEM-I-Studie in Katar wurde nach zwölf Monaten eine Quote von über 60 Prozent berichtet. Und im Kontext eines staatlichen Programms des National Health Service (NHS) in England, in dem Daten von 710 Personen mit zwei Bluttests ausgewertet wurden, lag der Anteil mit erreichter Remission nach einem Jahr bei 27 Prozent. Dass diese Werte je nach Programm und Population variieren, unterstreicht: Remission ist nicht nur eine Frage „ob“, sondern auch „wie“ und „unter welchen Bedingungen“ Lebensstiländerungen umgesetzt und über Zeit stabilisiert werden.

Für Unternehmen, Kliniken und Versorgungsstrukturen ergibt sich daraus vor allem ein praktischer Punkt: Früh einsetzende, strukturierte Programme können im Labor- und Studienumfeld wirksam sein, der langfristige Erhalt der Effekte im Versorgungsalltag bleibt aber die zentrale Herausforderung. Genau dort werden digitale Unterstützung, Coaching und engmaschige Follow-ups zunehmend wichtig, selbst wenn die Intervention selbst aus Ernährung und Bewegung besteht. Gleichzeitig sollte man Erwartungen realistisch halten: Die Studie zeigt zwar eine hohe Remissionswahrscheinlichkeit in einem spezifischen Setting, aber sie liefert noch keine Garantie für jede Zielgruppe und auch keine endgültige Antwort darauf, wie robust die Effekte über Jahre sind. In Summe liefern „RESET for Remission“ und die genannten Vergleichsstudien eine klare Richtung: Bei geeigneten Patientinnen und Patienten kann Lebensstiltherapie im frühen Stadium ein wirksamer Hebel sein, sofern sie medizinisch begleitet, nachhaltig organisiert und in der Nutzen-Risiko-Abwägung verantwortungsvoll umgesetzt wird.

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