Bei den Caps überlebten nur Zane Franklin und Jeremy Gregoire den letzten Transfersommer, konnten dem Team aber heuer nicht mehr helfen. Evan Cowley und die beiden Hults-Brüder agierten wechselhaft, Randy Gazzola bestätigte altbekannte eisläuferische und defensive Schwächen, Scott Kosmachuk war körperlich nicht belastbar.

Das ergibt automatisch keine hohe Trefferquote, nur Simon Bourque und Carter Souch (begabt, aber etwas soft) rechtfertigten ihr Engagement. Linden Vey und Nelson Nogier kamen mit Price-Tags nach Wien, die sie zu starken Leistungen verpflichteten, was auch meist gelang. Die gesundheitlichen Probleme von Kosmachuk und Nogier müssen den Caps aber über den Sommer hinaus Sorgen bereiten.

Überhaupt ein Thema: Die hohe Verletztenquote in Wien. Spätetens die spielfreie Olympia-Pause, als danach mehr Ausfälle registriert wurden als zuvor, machte dieses Phänomen nochmals deutlich.

Bei beiden Teams hätte eine höhere Trefferquote im Legionärsbereich ein frühes Saisonende vermeiden können.

PR-mäßig alles im grünen Bereich

Die schärfste Kritik dürfte jeweils klubintern erfolgen. In beiden Städten geben sich die Lokalmedien bis auf wenige Ausreißer handzahm, Erfolge von früher wirken heute noch nach. Phil Lukas hat nach der Aufbauarbeit der letzten Jahre verdientermaßen Kredit, aber auch er muss bereit sein, alte Zöpfe abzuschlagen.

Das Publikum? In beiden Städten positiv eingestellt. In Linz nahmen die Zuschauerzahlen seit Corona sukzessive zu, der heurige Rückschlag zeigte noch keine Auswirkungen.

Die Caps zogen durch „Theme Nights“ mit den dazugehörigen Frei- und verbilligten Tickets neue Publikumskreise heran, die sich Beach-Volleyball-mäßig (Animateure ersetzten Hallensprecher) bespaßen ließen, das Geschehen am Eis nur nebenher verfolgten. Das 0:1 gegen Fehervar wurde eher ungläubig als kritisch begleitet.

Die Zukunft

In Wien zeigte sich Sportdirektor Christian Dolezal nach dem Aus selbstkritisch, aber er hat in den beiden Saisonen unter seiner Allein-Führung schon fast alle möglichen Hebel gezogen.

Zwei Coaches mit Gerry Fleming und Kevin Constantine, 25 (!) Legionäre und eine Runderneuerung des Einheimischen-Stamms. Viel bleibt da nicht mehr übrig, mit Vey und Nick Bailen, der aus Graz kommt, werden die Großverdiener nächste Saison schon 35 bzw. 36 Jahre alt sein.

Constantines Vertrag hätte sich nur bei einem Halbfinaleinzug verlängert, davon war man weit entfernt. Er stabilisierte das bis dahin vogelwilde Team, endlose Videositzungen sind sein Markenzeichen, dem aber einige Spieler kritisch gegenüberstehen.

Ex-VSV-Coach Mike Stewart, der vor einigen Wochen in Wolfsburg freigestellt wurde, ist natürlich ein Thema bei den Caps. Könnte ihn ein mehrjähriger Vertrag locken oder setzt er wie Tom Pokel auf ein neuerliches DEL-Engagement spätestens während der Saison?

In Linz würden große Änderungen neben dem Eis überraschen. Die Mittel fallen etwas geringer als bei den Caps aus, aber mit dem einen oder anderen stärkeren Legionär könnte es wieder nach oben gehen. 

Noch mehr als in Wien muss der Teamspeed aber gehörig ansteigen, vor allem bei Spielen gegen Graz oder den KAC war das bei beiden Mannschaften augenscheinlich. Nur eine von vielen Baustellen in beiden Städten…