MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Auszeichnung „Hotelimmobilie des Jahres 2026“ wird erstmals nicht an ein einzelnes Haus, sondern an drei Projekte vergeben. Die Sieger kommen aus Linz, Madonna di Campiglio und Wien und decken damit sowohl Leisure-Destinationen als auch urbane Stadthotels ab. In der Juryarbeit flossen Kriterien wie Gesamtkonzept aus Architektur und Gestaltung, Einbindung ins Projektumfeld sowie Nachhaltigkeit und technische Innovation zusammen. Entscheidend war zudem, dass die Hotels zwischen Januar 2025 und Juni 2026 eröffnet wurden.
Hotelimmobilie des Jahres 2026: Drei Projekte ausgezeichnet – Linz, Madonna, Wien (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit der Premiere, drei statt nur eines Projekts auszuzeichnen, setzt der „Hotelimmobilie des Jahres“-Preis 2026 ein deutliches Signal an den europäischen Hotelmarkt: Erfolg kommt aktuell immer weniger aus einem einheitlichen Bau- oder Designrezept, sondern aus passgenauen Antworten auf Ort, Zielgruppen und die wachsenden Ansprüche der Gäste. Die Anerkennung wurde im Rahmen der 196+ forum-Fachkonferenz in München erstmals an drei Hotels vergeben, darunter das ARCOTEL Tabakfabrik in Linz, das Casa Cook Madonna in Madonna di Campiglio sowie das Hotel Schani City in Wien. Gerade die gleichzeitige Nennung eines denkmalgeschützten Areals, eines modernisierten Bestandsbaus aus den 1960er-Jahren und einer städtischen Ruheoase zeigt, wie breit der Bewertungsmaßstab inzwischen gefasst ist.
Die Juryentscheidung basiert auf einem mehrstufigen Auswahlprozess: Aus 24 Bewerbungen aus elf europäischen Ländern wurden zehn Nominierte aus fünf Ländern gezogen, die zwölfköpfige Jury bewertete sie anschließend bis zur Kür der drei Gewinner. Für die Teilnahme galt eine zeitliche Eingrenzung, die die Wettbewerbsperspektive klar auf die jüngere Projektpipeline richtet: Teilnahmeberechtigt waren Hotels, die zwischen Januar 2025 und Juni 2026 eröffnet wurden. Bei der Bewertung spielten nicht nur „weiche“ Aspekte wie die Originalität des Konzepts eine Rolle, sondern auch harte Kriterien wie Wirtschaftlichkeit sowie die Integration in das Projektumfeld. Dazu kamen Nachhaltigkeit und technische Innovationen, womit der Preis auch dort hinweist, wo die eigentliche Wertschöpfung von Hotelimmobilien heute entsteht: in der Verknüpfung von Architektur, Betriebskonzept und umsetzbarer Technik.
Thiemo Willms, Jurymitglied und Vice President Development DACH & Nordics bei Accor, ordnete die eingereichten Projekte als Spiegel von Vielfalt und Innovationskraft der europäischen Hotellerie ein. Die Bandbreite reichte von Leisure-Destinationen in den Alpen bis zu Stadthotels in Metropolen. Gleichzeitig kommt in der Einordnung ein strukturelles Muster der Branche auf: Angesichts einer zurückhaltenden Haltung gegenüber Hotelneubauten gewinnen Umnutzungs- und Konversionskonzepte zunehmend an Gewicht. Genau darin liegt der praktische Hebel vieler neuer Hotelprojekte, denn Bestandsflächen bieten oft eine schnellere Vermarktungsfähigkeit, wenn sie mit einem überzeugenden Konzept und einer technisch sauberen Modernisierung kombiniert werden. Die Finalistenwahl, so die Darstellung, entstand aus intensiven fachlichen Diskussionen und einer Abwägung von Standortqualität, Wirtschaftlichkeit, Innovation und Nachhaltigkeit.
Beim ARCOTEL Tabakfabrik in Linz wird diese Logik besonders sichtbar, weil der Neubaucharakter mit dem Erhalt industrieller Identität verknüpft wird. Das Hotel entsteht als Teil des Quadrill Quartiers auf dem denkmalgeschützten Areal der Linzer Tabakfabrik. Der Hotelturm mit etwas über 100 Metern Höhe integriert das industrielle Erbe in eine moderne Hochhausarchitektur und schafft zugleich klare operative Kapazitäten: Das Projekt umfasst 189 Zimmer und Suiten sowie rund 1.000 Quadratmeter Konferenzfläche. Ein markantes Element ist das Q27 im 27. Obergeschoss auf 99 Metern Höhe mit Restaurant, Bar, Lounge und Terrasse sowie einem 360-Grad-Blick über Linz und die Donau. Die Innenarchitektur wurde mit Zechner & Zechner erarbeitet und arbeitet mit sichtbaren Materialwirkungen wie Sichtbeton und Metall, die von warmen Materialien und einer präzisen Lichtinszenierung ergänzt werden. Eigentümer ist die TF BOSTON GmbH, Betreiber sind ARCOTEL Hotels, die Projektentwicklung verantwortete Bodner Bau; die Bauzeit lag bei 59 Monaten.
Ganz anders setzt das Casa Cook Madonna di Campiglio auf die Weiterentwicklung eines bestehenden Gebäudes. Das Haus geht aus dem ehemaligen familiengeführten Hotel Milano hervor und ist nach der Darstellung der erste Auftritt der internationalen Hotelmarke Casa Cook in einem traditionellen Wintersportort. Statt einen kompletten Neubau anzugehen, wurde der vorhandene Bau aus den 1960er-Jahren umfassend revitalisiert und um zehn Zimmer erweitert, sodass nun 50 Einheiten insgesamt zur Verfügung stehen. Für die Gestaltung spielt der alpine Kontext eine zentrale Rolle: Das Konzept verbindet dunkles Holz, mineralische Oberflächen und warme Erdtöne, wobei restaurierte Möbel den Charakter des Bestands weiterführen. Besonders strategisch wirkt dabei die Lage am Dorfplatz, weil sie die Tür zu neuen, vor allem internationalen Gästegruppen öffnen soll. Betreiber sind Treasurests MdC S.r.l., Eigentümer JPI Hotel Milano S.r.l., Projektentwickler JPI Hospitality Advisory GmbH; die Bauzeit wurde mit 22 Monaten beziffert.
Im Hotel Schani City in Wien-Leopoldstadt schließlich trifft urbane Dichte auf ein bewusst kuratiertes Ruhe- und Erlebnisversprechen. Das Haus liegt in einer Seitenstraße nahe dem Karmelitermarkt und verbindet zeitgenössische Architektur mit natürlichen Materialien. Ergänzt wird das Konzept durch digitale Technologien und ein Kunst- sowie Designkonzept, wobei die digitale Guest Journey als Ergänzung persönlicher Kontakte beschrieben wird. Statt digitale Prozesse als reines Effizienzinstrument zu verstehen, geht es hier um die Schaffung von Freiräumen für individuelle Betreuung. Gleichzeitig greift das Hotel die kulturelle und jüdische Geschichte der „Mazzesinsel“ auf, integriert diese in sein Storytelling und bietet technische Ausstattung für sogenannte „koscher-freundliche“ Zimmer. Damit adressiert das Projekt sowohl eine inhaltlich fundierte Identität als auch den operativen Anspruch, unterschiedliche Gästebedürfnisse konsistent abzubilden. Eigentümer ist die KODESCH GmbH, Betreiber die Hotel Schani City GmbH, Projektentwickler HOPPE+PARTNER ZT-GmbH.
Für die Branche lässt sich aus den drei Auszeichnungen eine klare Richtung ableiten: Der Preis belohnt Konzepte, die Bestand oder Umfeld nicht nur „mitnehmen“, sondern aktiv in Architektur, Raumgefühl und Betriebskonzept übersetzen. Ob das wie in Linz über die Verbindung denkmalgeschützter Substanz mit einem hoch aufragenden Turm gelingt, wie in Madonna di Campiglio über eine markenfähige Revitalisierung eines 1960er-Baus, oder wie in Wien über eine digitale Journey, die persönliche Interaktion ergänzt – die technische und konzeptionelle Umsetzung zählt am Ende genauso wie die Wirtschaftlichkeit. Für Projektentwickler und Betreiber bedeutet das zugleich, dass die Bewertung zunehmend interdisziplinär wird: Bauplanung, Innenarchitektur, Nachhaltigkeitsstrategie und die konkrete Technik für Gästeerlebnis und Betrieb greifen enger ineinander. Genau dort dürfte sich auch künftig entscheiden, welche neuen Hotelimmobilien nicht nur eröffnet, sondern dauerhaft wahrgenommen werden.
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