Von
.
–
20.02.2026 19:02
(Akt. 20.02.2026 22:55)

Eine Demonstration der „Offensive gegen Rechts – auf die Strasse gegen Burschis & Faschos“ anlässlich des Wiener Akademikerballs.
©APA/GEORG HOCHMUTH
Der „Akademikerball“ in der Wiener Hofburg hat am Freitag erneut Proteste in der Innenstadt ausgelöst. Zwei Protestkundgebungen fanden seit dem Nachmittag statt.
Am Veranstaltungsort selbst traf am Abend die FPÖ-Prominenz ein, darunter Nationalratspräsident Walter Rosenkranz und Wiens Landesparteichef Dominik Nepp. Die Demonstrationen verliefen vorerst ohne Zwischenfälle, gab die Polizei bekannt.
Bereits seit 17 Uhr trat ein Platzverbot am Heldenplatz in Kraft – Ziel ist es wie jedes Jahr, Demonstranten und Ballbesucher voneinander fernzuhalten. Die Gegner des von Kritikern als internationales Vernetzungstreffen Rechtsextremer bezeichneten Events versammelten sich bereits am späteren Nachmittag am Startpunkt zweier Demonstrationszüge.
Zwei Protestmärsche gegen Akademikerball in Wien
Wie schon in den vergangenen Jahren lockte auch heuer wieder ein Demo-Aufruf der Plattform „Offensive gegen Rechts“ Gegner des Balles in die Innenstadt: „Auf die Straße gegen Burschis & Faschos“ lautet das Motto des Protestzuges, der sich seit 17 Uhr vor der Hauptuni Wien sammelte. Die geplante Marschroute geht vom Universitätsring über den Schottenring zur Wipplingerstraße, dann weiter auf den Hohen Markt, die Rotenturmstraße bis zum Stephansplatz. Kurz nach 18 Uhr hielt sich der Zustrom im Vergleich zu den Jahren davor noch in Grenzen, einigen hundert Demonstranten hatten sich vor der Hauptuni eingefunden.
Proteste gegen den Akademikerball
Start der zweiten – „Budenbummel“ genannten – Kundgebung war um etwa 17.45 Uhr, Ausgangspunkt war der Urban-Loritz-Platz. Der Protestmarsch dürfte mehrere „Buden“ von Burschenschaftern passieren; er geht über die Westbahnstraße zur Zieglergasse, Kandlgasse und Herrmanngasse zur Burggasse. Weiter geht es dann über die Neubaugasse, die Zeltgasse, die Piaristengasse und die Lerchenfelder Straße bis zum Grete-Rehor-Park am Schmerlingplatz.
Protestmärsche gegen Akademikerball: Zahlreiche Polizeibeamte im Einsatz
In der Innenstadt und Teilen der Innenstadt-Bezirke kam es zu Verkehrsbehinderungen und Umleitungen des Individualverkehrs. Die Wiener Polizei empfahl bereits im Vorfeld, den Bereich großräumig zu umfahren. Betroffen war auch der öffentliche Verkehr. Die Demonstrationen selbst verliefen bis zum Abend ruhig, gab die Polizei auf APA-Anfrage bekannt.
Insgesamt stehen am Freitag laut der Exekutive mehrere hundert Polizisten aus Wien im Einsatz, die auch Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen aus den Bundesländern erhalten.
FPÖ-Prominenz in der Hofburg
Gegen 20.30 Uhr traf die FPÖ-Prominenz in der Hofburg ein. Neben Nepp und Rosenkranz wurden u.a. Wiens FPÖ-Klubobmann Maximilian Krauss und der Wiener FPÖ-Landesparteisekretär Lukas Brucker gesichtet, ebenso der ehemalige blaue EU-Mandatar Andreas Mölzer und die frühere Europaabgeordnete und Ex-Stadträtin Ursula Stenzel (ÖVP/FPÖ). Der Wiener Landtagsabgeordnete und Ballorganisator Udo Guggenbichler zeigte sich bei seinem Eintreffen erfreut über den Zuspruch, der Ball sei ausverkauft, sagte er zur APA.
Gäste beim Akademikerball
Proteste gegen Akademikerball seit vielen Jahren
Der Wiener Akademikerball findet seit 2013 unter seinem aktuellen Namen statt. Er gilt als offizieller Nachfolger des WKR-Balls, der davor seit 1952 von Farben tragenden und mehrheitlich schlagenden Hochschulkorporationen ausgerichtet worden war. Mehrheitlich von linker Seite dagegen demonstriert wird schon seit vielen Jahren, wobei es vor allem vor dem Veranstalterwechsel teilweise zu heftigen Protesten gekommen war. In den letzten Jahren wurde es hingegen spürbar ruhiger rund um den Veranstaltungsort, im Vorjahr waren die Proteste laut Exekutive „ohne nennenswerte Zwischenfälle“ verlaufen.
In der Hofburg selbst gaben sich die Teilnehmenden zumeist betont gelassen und verurteilten die „gewalttätigen Ausschreitungen“ regelmäßig.
Wieder akademischer Festredner bei Akademikerball
Wie zu WKR-Zeiten noch Uni-Rektoren die Festreden hielten, brachen danach neue Zeiten an: So sprach etwa 2018 der einstige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache vor den versammelten Burschenschaftern und verurteilte dabei sogar Antisemitismus in den eigenen Reihen. Zweimal trat auch der damalige FPÖ-Volksanwalt und nunmehrige Nationalratspräsident Walter Rosenkranz auf, seit letztem Jahr wird die Rede wieder von einem Akademiker gehalten, auch heuer war eine solche Vorgangsweise geplant. Parteichef Herbert Kickl bleibt der Veranstaltung seit jeher fern – er sei kein Ballgeher, hieß es neuerlich aus seinem Büro.
Scharfe Kritik an Akademikerball-Teilnahme Rosenkranz
Kritik an der Teilnahme von Nationalratspräsident Rosenkranz kam bereits am Vortag von SPÖ und Grünen: „Der Akademikerball steht seit Jahren für ein Milieu, das deutschnationales und rechtsextremes Gedankengut verharmlost. Wer als Nationalratspräsident eine überparteiliche und verbindende Rolle innehat, darf solchen Veranstaltungen nicht durch seine Anwesenheit Legitimität verleihen“, sagte etwa SPÖ-Erinnerungskultur-Sprecherin Sabine Schatz. Die FPÖ wies die Kritik zurück.