DruckenTeilen
Uns auf Google folgen
Im Licht-Käfig: KoRn spielen in der ausverkauften Olympiahalle ein Konzert voller Wucht. © Martin_hangen/hangenfoto
KoRn in der Olympiahalle: Mit Dudelsack, Wucht und spektakulärer Lichtshow feiern die Nu-Metal-Pioniere ihr Jubiläum in einer unvergesslichen Nacht.
Manche Dinge erwartet man unweigerlich auf einem Metal-Konzert. Kutten. Moshpits. Headbangen. Und dann stapft Jonathan Davis auf die Bühne in der ausverkauften Olympiahalle, seinen Dudelsack unter dem Arm und die langen Dreadlocks adrett zusammengebunden. Eben noch hat sie der Sänger von KoRn unkontrolliert zu „A.D.I.D.A.S“ geschwungen. Nun marschiert er zum Klang der Pfeifen, spielt das Intro zu „Shoots and Ladders“. Der Bruch mit dem Erwartbaren ist ebenso sehr Markenzeichen der Band aus Kalifornien wie besagter Dudelsack.
KoRn in München: Nu-Metal-Veteranen feiern 30. Jubiläum von „Life is Peachy“
„Es ist gut, endlich wieder in einer großen Arena zu spielen“, erklärt Davis, als er die Fans auf der „Euro Tour 2026“ begrüßt. Sie steht im Zeichen von „Life is Peachy“, das im Oktober 1996 erschienen ist. Einige Lieder wie „Twist“, „Chi“ und „Kill You“ finden sich auf der Setlist. KoRn, die Pioniere des Nu Metal, nehmen das 30. Jubiläum zum Anlass, akustisch, aber auch optisch alle Register zu ziehen. Eine multifunktionale Kombination aus halbtransparenten Leinwänden und einem kinetischen Lichtquadrat ist der opulente Gegenpart zu einer Show, die im besten Sinne keine ist. Ungestüm, rau und voller Wucht ist der Auftritt der Amerikaner.
Jonathan Davis spielt zu „Shoot and Ladder“ das Dudelsack-Intro. © Martin Hangen
Dazu wabert mal der Nebel des Grauens auf dem Bildschirm über Davis, den Gitarristen James „Munky“ Shaffe und Brian „Head“ Welch, Ray Luzier an den Drums und Bassist Ra Diaz. Mal wirken die Elemente, brechen Wellen von allen Seiten auf die Band herein. Mal zeichnet das Lichtsegel einen bedrohlich leuchtenden Käfig. Bühnenbild und Musiker bleiben immer in Bewegung. Und mit ihnen das Publikum.
KoRn-Köpfe und Headbanger: Die Fans in der Olympiahalle geben alles. © Martin_hangen/hangenfotoKoRn in der Olympiahalle: Architecs eröffnen mit Headliner-würdigem Auftritt
Man muss sich schon aktiv wehren, sich dem nicht hinzugeben. Tausende Köpfe und Körper bewegen sich im Takt. Die Fans sind aufgewärmt. Nicht nur von Youth Code, die den schwermetallernen Abend einläuten. Auf ihrer Europa-Tour haben KoRn mit den Architects Gäste an Bord, die selbst Headliner sind. Und einen entsprechenden Auftritt abliefern. Die Band aus Brighton bringt mit ihrem melodischen Metalcore die Halle auf Temperatur. Da öffnen sich die Moshpits, werden Crowdsurfer über die Arena vor zur Bühne gereicht. Frontmann Sam Carter zeigt seine stimmliche Bandbreite, wenn er wütende, tief grollende Schreie mit beinah zartfühlendem Gesang abwechselt.
Dabei ist er methodisch Jonathan Davis nicht unähnlich, der mit seiner Stimme auch die abseitigen Bereiche der menschlichen Gefühlswelt beleuchtet. Beinahe schizophren, wie er in Sekunden vom psychotischen Flüstern in den Klargesang und zum aggressiven Brüllen wechseln kann. Mal klammert er sich dabei an seinen ikonischen Mikrofonständer, stampft den Takt auf die Bühne. Mal animiert er den Arm schwingend das Publikum, es ihm gleichzutun. Das Finale mit „Twisted Transistor“ und „Freak on a Leash“ setzt ein Ausrufezeichen hinter einen Abend, der alle Erwartungen mehr als übertroffen hat.