Kevin Diks kürte am Freitagabend das „Tor der Woche“, Rouven Schröder sagte am 13. März: „So ein Tor des Monats gehört auch mal dazu.“ Nur ins Regal mit dem „Tor des Jahres“ wollte im Borussia-Park niemand greifen nach Gladbachs 2:0-Sieg gegen den FC St. Pauli, den Kevin Stöger mit einem traumhaften Freistoß aus 25 Metern auf den Weg gebracht hatte.

„Ich habe es links gesehen, ich bin Richtung Tor gelaufen. Da hatte ich eine gute Sicht“, sagte Diks. „Als er geschossen hat, dachte ich direkt: Der kommt gut.“ Für Stöger war es das erste Saisontor, dabei hatte der Österreicher in dieser Disziplin zuletzt mit sich gehadert, wie er berichtete: „Ich habe mit Guido Streichsbier (Gladbachs Co-Trainer, Anm. d. Red.) letzte Woche Freistöße geübt. Die waren wirklich bodenlos, eine Katastrophe.“

Nun ließ er sogar den gegnerischen Trainer schwärmen. „Wunderschön von Kevin, muss man ganz ehrlich sagen. Den trifft er überragend“, sagte St.-Pauli-Coach Alexander Blessin. „Aber wie der Freistoß zustande kommt, ist sehr ärgerlich. Da waren wir nicht klar in der Birne.“ Der Vorwurf richtete sich an Eric Smith, der Yannik Engelhardt nicht in seinem Rücken sah und ihn mit dem Fuß im Gesicht traf.

Polanski über Stöger: „Das hat er sich brutal verdient“

„Wir haben schon vor dem Spiel gesagt, dass eine Standardsituation der Dosenöffner sein kann“, sagte Gladbach-Trainer Eugen Polanski. Allerdings sei er eher von Ecken und Freistoßflanken ausgegangen. Kein Wunder: Stögers Geniestreich mit links war der erste direkt verwandelte Freistoß in der Bundesliga seit Dezember 2020 für Borussia. Damals traf Lars Stindl bei Eintracht Frankfurt. 0,04 Expected Goals wirken deshalb fast zu hoch angesetzt. „Dass Stögi das so interpretiert hat mit den Standards, war gut für uns und freut mich für ihn. Das hat er sich in den letzten Wochen brutal verdient“, sagte Polanski.

Sportchef Schröder hob eine gewisse Symbolik hervor: „Er steht dafür, dass es nie zu Ende ist“, sagte er über Stöger. Ausgerechnet der 32-Jährige, oft gescholten aufgrund seiner waghalsigen und in den vergangenen Monaten ineffektiven Spielweise, erzielt ein derart wichtiges Tor. Im Januar wurde diskutiert, ob Stöger den Klub verlassen könnte. Doch der bekannte sich früh zu Borussia, wollte sich durchbeißen – und hat es getan.

Kevin Stöger: „Es waren keine leichten Wochen“

Das verschaffte ihm Genugtuung. In der Mixed Zone wollte er am Freitag nicht sprechen, das erledigte Stöger bei Sky. „Wenn es mal nicht so läuft, springen viele Leute drauf. Deswegen ist es auch mal geil, dass wir die Leute, die nicht an uns glauben und manchmal zu negativ schreiben, eines Besseren belehrt haben“, sendete er ein paar Grüße.

„Ich bin extrem happy, nicht nur für mich, sondern für alle im Stadion. Es waren keine leichten Wochen“, gab Stöger zu.