Mikrobiom-Veränderungen noch acht Jahre später

Die Analysen ergaben: Hatten die Testpersonen innerhalb eines Jahres vor Entnahme der Kotproben ein Antibiotikum erhalten, war dies an ihrer Darmflora ablesbar. „Bei sechs von elf untersuchten Antibiotikaklassen war die Einnahme mit einer verringerten Artenvielfalt in mindestens einem Aspekt verknüpft“, berichten Baldanzi und sein Team. Ihren Daten zufolge regeneriert sich das Darm-Mikrobiom nach einer Antibiotikagabe zwar anfangs schnell, aber nicht vollständig.

Das bestätigte sich bei den Testpersonen, deren Antibiotika-Einnahme schon vier bis acht Jahre zurücklag: Zehn bis 15 Prozent der Bakterienarten in ihrem Darm zeigten noch immer veränderte Häufigkeiten und Vielfalt. „Wir sehen, dass sogar eine acht Jahre zurückliegende Behandlung die Zusammensetzung der Darmflora bis heute beeinträchtigt“, berichtet Baldanzi. „Schon eine einzige Therapie mit bestimmten Antibiotika kann anhaltende Spuren hinterlassen.“
Antibiotika-FolgenWirkung verschiedener Antibiotika auf die Darmflora in Bezug auf drei Parameter der mikrobiellen Vielfalt. Farbige und gefüllte Symbole zeigen Signifikanz. © Baldanzi et al./, Nature Medicine, CC-by 4.0

Nicht bei jedem Antibiotikum

Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den Antibiotika-Klassen. So hinterließen die relativ häufig verschriebenen Wirkstoffe Penicillin V, Amoxicillin, Sulfamethoxazol und Trimethoprim kaum längerfristige Spuren im Darm-Mikrobiom. Anders war dies für die Antibiotika Clindamycin, Flucloxacillin und die Fluoroquinolone. Bei diesen waren signifikante Veränderungen der Darmflora noch vier bis acht Jahre später nachweisbar. Auch das häufig eingesetzte Tetracyclin zeigte Nachwirkungen, wenn auch in geringerem Maße.

„Der starke Effekt des Schmalband-Antibiotikums Flucloxacillin auf die Darmflora war unerwartet“, sagt Seniorautor Tove Fall von der Universität Uppsala. Dieses Mittel wirkt spezifisch auf Staphylokokken wie Staphylococcus aureus, aber auch auf den Milzbranderreger Bacillus anthracis, auf Erreger der Gonorrhoe und bakteriellen Meningitis aus der Gattung Neisseria, sowie Listerien und Clostridien. Warum ausgerechnet dieses Antibiotikum die Darmflora so nachhaltig beeinträchtigt, ist noch ungeklärt.

Warum die Antibiotika-Folgen wichtig sein könnten

Die Analysen zeigten, dass die Veränderungen der Darmflora tatsächlich einige Bakteriengruppen begünstigten, die als mögliche Mitverursacher von Übergewicht, hohe Cholesterinspiegel, entzündliche Darmerkrankungen und Diabetes Typ 2 gelten. Der Anteil dieser Bakteriengruppen war nach der Antibiotikabehandlung erhöht, wie das Team berichtet. Dafür war die Artenvielfalt und Zahl einiger gesundheitsfördernder Bakteriengruppen verringert.

Die neuen Erkenntnisse können nun dazu beitragen, die langfristigen Nachwirkungen von Antibiotika auf die Darmflora besser einzuschätzen – und diese Wirkstoffe künftig gezielter einzusetzen. „Unsere Resultate können beispielsweise helfen, wenn zwei gleichermaßen effektive Antibiotika zur Wahl stehen“, sagt Fall. Dann könnten man aufgrund der neuen Informationen den Wirkstoff wählen, der die Darmflora weniger anhaltend schädigt.

Das Team um Baldanzi setzt ihre Untersuchungen fort, um die zuvor weitgehend unerkannten Spätfolgen von Antibiotika noch genauer zu erforschen. „Das wird es uns ermöglichen, noch besser zu verstehen, welche Darmbakterien besonders anfällig sind und wie lange sie brauchen, um sich zu erholen“, sagt Fall. (Nature Medicine, 2026; doi: 10.1038/s41591-026-04284-y)

Quelle: Nature Medicine, Uppsala University







16. März 2026

– Nadja Podbregar