Technologische Errungenschaften werden oft überschätzt. Doch kann man überhaupt erkennen, ob sie langfristig wertvoll sind?

Vor fünf Jahren waren Anleger auf der Suche nach dem nächsten Tesla – einem Zukunftstechnologie-Unternehmen, dessen Aktie sich binnen weniger Jahre vervielfachen würde. Bei Wasserstoff-Firmen wie Plug Power oder Nel ASA hofften sie, fündig zu werden. Man erwartete, dass Wasserstoff fossile Brennstoffe ersetzen und auch die Batterie als Standard für Pkw verdrängen würde. Inzwischen herrscht Ernüchterung. Weder fahren private Pkw mit Wasserstoff, noch findet dieser beim Heizen nennenswerte Verwendung. Einschlägige Wasserstoff-ETFs notieren weit unter ihren einstigen Rekorden. Der Hype ist abgeflaut. Dabei wird Wasserstoff durchaus genutzt – in der Schwerindustrie und im Fernverkehr. Und so kommt es, dass der L&G Hydrogen Economy ETF mit Positionen wie Hyundai Motor, Siemens Energy und Weichai Power heuer um 20 Prozent zugelegt hat. Seit seiner Auflage im Jahr 2021 liegt er aber noch immer im Minus.

Mit diesem Schicksal steht das Thema Wasserstoff keineswegs allein auf weiter Flur.

Auch das Metaverse, mit dem Mark Zuckerberg die Welt revolutionieren wollte, ist völlig gefloppt: Menschen sollten mit Virtual-Reality-Brillen in virtuellen Räumen arbeiten, einkaufen und Freunde treffen. Die Idee setzte sich nicht durch. Facebook-Mutter Meta hatte Glück im Unglück, weil sich die enorme Rechenleistung, die man für die Metaverse-Simulation aufgebaut hatte, auch für das Anlernen von KI – dem gegenwärtigen Megatrend – eignete. Ob KI eine Blase ist, wird man im Nachhinein wissen. Das Internet war keine Blase, dennoch haben Anleger mit Internet-Aktien viel Geld verloren.

Um NFTs, Kunstwerke auf der Blockchain, reißt sich indes kaum noch jemand. Vor vier Jahren hatten Nutzer noch über 150 ETH (damals 400.000 Dollar) für Affenbilder („Bored Apes“) hingelegt. Nun kann man diese für einen Bruchteil haben. Doch was hatten sich die Anleger damals gedacht? Sie hatten gehofft, dass ein digitales Bild auf der Blockchain einen genauso hohen Sammlerwert erhalten könnte wie eine wertvolle Uhr. Es stellte sich aber heraus, dass die Blockchain zwar eine technologische Revolution im Finanzbereich, für Güter der realen Welt wie Immobilien oder Kunst aber nur ein teurer Umweg ist.

»Manchmal verpasst man auch den einen oder anderen Megatrend. Dann kann man getrost abwarten, wie sich dieser weiterentwickelt, und später einsteigen.«

Sollte man sich als Anleger von Megatrends generell fernhalten? Auf dem diesjährigen Fondskongress in Wien gingen die Meinungen auseinander. Kapitalmarktexperte Gunther Pahl rief auf einem Vortrag für ARTS das Ende der Megatrends aus. Dies hätten jahrzehntelang von einem Umfeld aus Zinssenkungen und Globalisierung profitiert. Diese Phase sei nun aber zu Ende. Bei höheren Zinsen seien Gewinne, die erst in der Zukunft erwartet werden, weniger wert. Megatrends funktionierten in diesem Umfeld nicht mehr. Stefan Ferstl von Privatconsult vertrat hingegen die Meinung, dass Themenfonds durchaus ihre Berechtigung hätten, wenn man den richtigen Zeitpunkt erwische: Meist würden Anleger zu früh investieren und sich die Finger verbrennen. Wenn der Hype jedoch abgeflaut sei, folge häufig eine flachere, nachhaltige Erholung.

Was bedeutet das nun für Anleger? Eine breite Streuung schützt davor, einem Hype aufzusitzen. Doch manchmal verpasst man auch den einen oder anderen Megatrend. Dann kann man getrost abwarten, wie sich dieser weiterentwickelt, und später einsteigen. Oder wie es André Kostolany formuliert hat: Einer Straßenbahn und einer Aktie soll man niemals nachlaufen. Die nächste kommt bestimmt.

E-Mail: beate.lammer@diepresse.obfuscationcom

Lesen Sie mehr zu diesen Themen: