Der langjährige FMA-Chef Helmut Ettl tritt überraschend und vorzeitig zurück, wie „Die Presse“ erfuhr. Seine Periode wäre noch zwei Jahre länger gelaufen.
Helmut Ettl ist in der österreichischen Finanzbranche ein Urgestein. Doch nun verlässt der 60-jährige Volkswirt seinen Posten als Vorstand der Finanzmarktaufsicht (FMA), wie „Die Presse“ erfuhr. Seine Funktionsperiode wäre erst am 13. Februar 2028 ausgelaufen.
Die FMA selbst befindet sich derzeit in einem Prozess der Umgestaltung. Die Aufsicht soll effizienter aufgestellt werden. Es kamen neue Aufgaben hinzu, die auch mit personellen Veränderungen einhergingen. Seit Mitte des vergangenen Jahres steht Mariana Kühnel an seiner Seite im Doppel-Vorstand. Zuvor war sie stellvertretende Generalsekretärin der WKO. Sie steht wohl für einen gewissen Generationenwechsel.
Zudem kamen immer mehr Aufgaben für die Behörde hinzu. So prüft die Aufsicht seit 1. Jänner 2026 auch, ob Banken die Finanzsanktionen einhalten. „Wir wollen synergetisch vorgehen und mit einem vertretbaren Personalaufwand die Systeme prüfen“, hatte Ettl im vergangenen Jahr dazu gesagt. Dass die Oesterreichische Nationalbank diese Agenden abgibt, war schon jahrelang geplant.
Als FMA-Vorstand erlebt er seinen elften Finanzminister. Clemens Fabry
Laut „Presse“-Information wird er für das Exekutivdirektorium des Internationalen Währungsfonds (IWF) vorgeschlagen. Dieses Gremium entscheidet über Kredite und überwacht die Wirtschaftspolitik der Mitgliedstaaten. Dennoch wirkt die Personalie überraschend, angesichts des großen Transformationsprozesses, in dem sich die FMA befindet.
Ettl hatte 1985 das unabhängige Punkmusik-Zentrum Kapu in Linz mitgegründet. Der gebürtige Oberösterreicher engagierte sich in der Sozialistischen Jugend und schaffte es bis zum Landesschulsprecher. 1995 trat er in die Nationalbank ein und prüfte ab 2001 dort Österreichs Banken. Doch sein Leben wurde auf einen Schlag sehr öffentlich. Medien hatten interne Nationalbank-Dokumente zur Bawag komplett abgedruckt. „Mein Name stand auf der ersten Seite.“ Die Sonderprüfung arbeitete den Millionen-Kredit an den US-Broker Refco auf und weitere Karibik-Geschäfte sowie andere Ungereimtheiten in der damaligen Gewerkschaftsbank. Im selben Jahr kam für ihn auch noch die Causa um Swapverluste der Hypo Alpe Adria dazu, ein Vorbote für die Finanzkrise, die die Kärntner Landesbank ein paar Jahre später kollabieren lassen sollte. Die Aufsicht agiere „wie mittelalterliche Henker”, tobte Landeshauptmann Jörg Haider seinerzeit.
2008 löste er Heinrich Traumüller im Vorstand der FMA ab. Ein halbes Jahr später ging Lehman Brothers pleite – ein Höhepunkt der Finanzkrise, nach der die Bankenwelt und ihre Regulierung die wohl größte Reformation der Geschichte gesehen haben.
Inzwischen setzte ihn die Koalition aus ÖVP, SPÖ und Neos ihm den elften Finanzminister als FMA-Chef vor. Doch diesen wird er wohl nicht mehr überdauern. Seit Juli 2023 fungiert Ettl auch als stellvertretender EBA-Vorsitzender, eine unabhängige EU-Behörde, deren Aufgabe es ist, ein wirksames und kohärentes Maß an Regulierung und Beaufsichtigung im europäischen Bankensektor zu gewährleisten. Hier gibt es bestimme Cooling-off-Perioden.
Die FMA wollte sich gegenüber der „Presse“ dazu nicht äußern.
Zur Person
Helmut Ettl, 1965 geboren, studierte Volkswirtschaftslehre in Linz. Später absolvierte er die London School of Economics. 1995 begann er bei der Oesterreichischen Nationalbank in der Abteilung für die Analyse wirtschaftlicher Entwicklungen im Ausland. 2001 holte ihn die damalige Vize-Gouverneurin Gertrude Tumpel-Gugerell als Assistenten ins Direktorat. 2003 wurde er Leiter der Bankenanalyse. In den FMA-Vorstand kam Ettl 2008. Seitdem hat er zehn Finanzminister überdauert.
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