Mehr als neun Minuten nahm sich Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) Zeit, um seine Sicht auf die Dinge zu erläutern. Dass er am Montag vor der Zusammenkunft mit seinen EU-Amtskollegen in Brüssel ungewöhnlich lange in die Kameras sprach, zeigte, wie viele Krisen auf der Agenda des Treffens standen. Trotzdem, am Ende überschatteten und dominierten die jüngsten Drohungen von US-Präsident Donald Trump den Wochenstart.

Die Nato werde vor einer „sehr schlechten“ Zukunft stehen, sollten die Partner den Vereinigten Staaten nicht bei der Sicherung von Öltransporten in der wichtigen Straße von Hormus helfen, hatte Trump in einem Interview gewarnt. Was hieß das für die Europäer? Während sich Dänemark – „eine große Seefahrernation“ – zumindest ein bisschen offen für das Gedankenspiel zeigte, erteilten die Vertreter aus den meisten anderen EU-Mitgliedstaaten den Forderungen aus Washington eine klare Absage, vorneweg Deutschland. Er sehe nicht, so Wadephul, dass die Nato für die Straße von Hormus zuständig werden könnte. In Italien oder Griechenland gab es ebenfalls keine Bereitschaft, dem Wunsch aus dem Weißen Haus nachzukommen.

Hinzu kam, dass Nato-Alliierte wie Großbritannien ebenfalls abwiegelten, während sich Diplomaten im Brüsseler Hauptquartier mit Bewertungen zurückhielten. Nur so viel: Die Meerenge zwischen der Arabischen Halbinsel und dem Iran liege außerhalb des Bündnisgebiets, sagte ein Beamter. Die US-Regierung kann sich daher nicht auf die Beistandsverpflichtung nach Artikel 5 berufen.

Mit den wohl deutlichsten Worten sperrte sich Deutschland gegen eine Beteiligung. So schlug Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) einen ähnlichen Ton wie Wadephul an, als er am Montag nach einem Militäreinsatz in dem Engpass, der von den iranischen Revolutionsgarden kontrolliert wird, gefragt wurde. „Es ist nicht unser Krieg, wir haben ihn nicht begonnen“, sagte er. Man wolle diplomatische Lösungen und ein schnelles Ende, „aber weitere Kriegsschiffe in der Region tragen dazu im Zweifel nicht bei“, sagte Pistorius. Trotzdem wurden diese am Montag im Kreis der Gemeinschaft diskutiert. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas etwa brachte zwei Optionen ins Spiel, um zu helfen, die Passage, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft, wieder für den Schiffsverkehr zu öffnen. Nach Ansicht der Estin könne die Union ihre Operation „Aspides“ zum Schutz der Schifffahrt im Roten Meer auf den Persischen Golf ausweiten.

Mit der maritimen Mission reagierte die EU im Februar 2024 auf die Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Milizen. Die jemenitischen Rebellen hatten regelmäßig zivile Schiffe mit Drohnen und Raketen attackiert und die Handelsroute durch das Rote Meer behindert. Doch obwohl „Aspides“ theoretisch die strategisch wichtige Straße von Hormus einschließt, müsste das Mandat von der EU deutlich erweitert werden, um Konvois zu begleiten und im Zweifel Angriffe mit aller Härte abzuwehren.

Während die Deutschen und Italiener eine solche Ausweitung kritisch bewerten, wirbt vorneweg Frankreich seit Tagen dafür. Bereits Anfang März erklärte Paris, man habe „Aspides“ um zwei Schiffe verstärkt. Nur befinden sich diese nicht in der nun betroffenen Region, sie sind zudem begrenzten Einsatzregeln unterworfen. Einem EU-Diplomaten zufolge fehlten der Mission die Fähigkeiten, um in der Straße von Hormus „eine aktive Rolle spielen zu können“. Dennoch wollten einige Chefdiplomaten versuchen, „mehr Mitgliedstaaten dazu zu bewegen, zusätzliche Kapazitäten bereitzustellen“, hieß es hinter den Kulissen.

Könnte sich eine weitere „Koalition der Willigen“ bilden? Das Format ist mittlerweile das Instrument der Wahl, wenn sich die EU bei außen- und sicherheitspolitischen Themen nicht einigen kann. Und so liebäugelte Kallas mit der Idee, dass sich einige Mitgliedstaaten zusammentun und der Lage entsprechend militärische Mittel beisteuern. Dabei hatte Bundeskanzler Friedrich Merz schon in der Vorwoche betont, dass es im Augenblick „keine Veranlassung“ gebe, „über eine militärische Absicherung der Seewege nachzudenken“. Die Bundesregierung will verhindern, in den Krieg hineingezogen zu werden.

Trump sagte, es sei „nur angemessen, dass diejenigen, die von der Meerenge profitieren, dazu beitragen, dass dort nichts Schlimmes passiert“. Während Luxemburgs Vizepremierminister Xavier Bettel am Montag dazu erklärte, sein Land werde sich der „Erpressung“ der USA, sich am Krieg zu beteiligen, nicht beugen, verlangte Wadephul mit Blick auf den Krieg im Iran Antworten: „Wir wollen zunächst einmal von Israel und den Vereinigten Staaten von Amerika erfahren, wann sie ihre militärischen Ziele erzielt haben wollen“, sagte er. Zudem setzte er sich für Sanktionen gegen diejenigen ein, „die verantwortlich sind für die Blockade der Straße von Hormus“.