TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen

Oslo – Die Windkapriolen waren ihm einfach zu gefährlich. Beim Skisprung-Weltcup am Holmenkollen in Oslo hat Olympiasieger Philipp Raimund (25) seinen Sprung verweigert. Zuvor hatte starker, böiger Wind für gefährliche Szenen und große Probleme bei einigen Springern gesorgt. Die Springer wurden teilweise in der Luft durchgeschüttelt und konnten einen Sturz nur mit Mühe verhindern. Raimund begründet jetzt seine Verweigerung am Holmenkollen mit Gedanken an seine Liebsten.

Raimund zum norwegischen Sender NRK: „Ich dachte an meine Freundin. Mein erster Gedanke war: Was würde sie dazu sagen? Mir kam sofort in den Sinn, dass sie immer sagt, das Wichtigste sei meine Sicherheit und eine sichere Landung, egal bei welchem Wetter.“ Auch der Rest seiner Familie habe seine Entscheidung beeinflusst, in Oslo vom Balken zu steigen. Raimund: „Es gibt viele Menschen, die mich gerne wieder zu Hause haben.“

Mehr zum Thema

Kurz bevor Raimund seinen Sprung verweigerte, hatte er gesehen, wie Teamkollege Felix Hoffmann (28) wild durch die Luft getrudelt und nur mit Mühe unversehrt gelandet war. Am Ende wurde der zweite Durchgang abgesagt. Gewertet wurde nur der erste Sprung. Damit gewann der Japaner Tomofumi Naito (33) seinen ersten Weltcup. Direkt nach seiner Verweigerung in der TV-Übertragung der ARD war zu hören, wie Raimund sagte: „Ich werde nicht springen. Ich mache diesen Sch*** hier nicht mit.“

Bei der Konkurrenz erntete der Deutsche Anerkennung für seinen Schritt. Der Norweger Kristoffer Eriksen Sundal (25): „Das zeigt, dass er ständig Risikobewertungen vornimmt. Niemand verzichtet gerne auf ein Weltcupspringen, das zeugt von Reife. Wenn du dich nicht ganz wohl fühlst, solltest du auch nicht springen.“ Renndirektor Sandro Pertile (57): „Wir drängen niemals einen Athleten zu springen, das ist einzig und allein ihre Entscheidung. Wenn er sich nicht wohl gefühlt hat, hat er die richtige Entscheidung getroffen.“