Nachdem der Motor des Meisters zum Jahresauftakt noch gehörig gestottert hatte, kam Spitzenreiter SK Sturm Graz zumindest ergebnistechnisch zuletzt immer besser in Schwung. Trainer Fabio Ingolitsch war nach dem gestrigen 5:2-Kantersieg bei der Wiener Austria, der den Start in den Bundesliga-Finaldurchgang bildete, im Sky-Studio bei „Talk & Tore“ zu Gast.

Übernahm im Winter und kam aus dem Westen vom SCR Altach: der 33-jährige Fabio Ingolitsch.
„…der coolste Job“
Fabio Ingolitsch (Trainer SK Puntigamer Sturm Graz):
…über sein Alter: „Ich finde aber, dass das überhaupt kein Problem darstellt. Wichtig ist, dass man authentisch bleibt und nicht glaubt, irgendwie eine Rolle spielen zu müssen. Man ist gut beraten, auf persönlicher Ebene einen guten Draht zu finden und natürlich trotzdem mit seiner Fachkompetenz den Spieler zu überzeugen, dass man ihn auch mit einem erfahrenen Alter noch besser machen kann.“
…über die Beweggründe seines Wechsels: „In Altach ist es für unsere Verhältnisse sehr gut gelaufen. Man muss immer schauen, woher man kommt und wo man dann steht. Ich habe mich dort sehr wohlgefühlt und auch wertgeschätzt gefühlt. Ich habe sehr gerne mit meinen Spielern und meinem Staff gearbeitet. Es sind auch Freundschaften entstanden. Trotzdem war es für mich sowas wie ein No-Brainer, wenn Sturm Graz sich meldet. Insgeheim war es für mich immer ein Riesenwunsch oder auch Ziel, Trainer von Sturm Graz werden zu dürfen. Ich habe nicht viel überlegen müssen.
Es hängt immer davon ab, ob du in deinem Leben in der Komfortzone bleiben möchtest. Entweder du bleibst in Altach, wo es gut läuft oder du gehst zu Sturm Graz, die zweimal in Folge Meister geworden und gerade in einer Krise sind. Es hat von innen und außen gebröckelt. Ich sehe mehr die Chance darin als das Risiko. Es war die goldrichtige Entscheidung. Ich habe super Bedingungen und bin einfach begeistert von dieser Fanbase. Es gibt dir einfach so viel zurück. Ich habe das Gefühl, dass es einfach der coolste Job ist, den ich bisher machen durfte.“

„…direkt Ergebnisse liefern“
…über die ersten Monate bei Sturm: „Es war wirklich sehr spannend. Von dem Zeitpunkt, als ich hingegangen bin, hast du natürlich gewisse Vorstellungen und Pläne. Durch eine sehr turbulente Transferperiode ist es schon nochmal ein Stück weit durcheinandergewürfelt worden. Durch Abgänge und Zugänge verändert sich auch immer die Hierarchie deiner Mannschaft. Dass du dann ein Teamgefüge wieder zusammenbaust, geht halt nicht auf Knopfdruck. Das ist einfach ein laufender Prozess, in dem wir ehrlich gesagt immer noch drinnen sind.
Seitdem ich da bin, haben wir noch nie mit derselben Startelf spielen können, weil immer etwas los war. Wir haben unsere Startelf noch gar nicht so richtig gefunden. Das ist in dieser Phase der Saison unüblich, aber trotzdem ist es unser Alltag. Zwischen diesem Spagat stehe ich gerade, dass man zum einen direkt Ergebnisse liefern muss und möchte, weil jetzt die Crunchtime ist. Zum anderen müssen wir gute und nachhaltige Entscheidungen treffen, die uns dann hoffentlich auch in eine erfolgreiche Zukunft führen.“
„…trage den Weg einfach voll mit“
…über die Arbeit mit jungen Spielern: „Der Verein hat kein großes Geheimnis daraus gemacht. Sie haben gesagt, dass wir nicht mehr die finanziellen Mittel haben, um direkt Spieler zu bekommen, die auf Knopfdruck funktionieren können. Wir holen jemanden mit Potenzial, der irgendwann einen gewissen Status einnehmen kann. Dann kommt die Trainerarbeit ins Spiel. Du musst den Mut haben, jungen Spielern die Plattform zu geben und dich tagtäglich mit ihnen beschäftigen, weil sie einfach noch nicht fertig sind. Das war sicher ein Grund, der auch für mich gesprochen hat, weil ich schon so etwas wie ein Entwicklungstrainer bin und keine Angst habe, junge Spieler reinzuwerfen. Ich trage den Weg, den wir jetzt gehen, einfach voll mit.
Ich denke schon, dass es ein Thema ist, weil einfach die großen Klubs vermehrt auf junge Spieler setzen, weil es natürlich auch um Business geht, ihnen eine Plattform zu bieten in unserer Entwicklungsliga, um sie dann teurer zu verkaufen. Die vermeintlich kleineren Klubs bauen ihre Kader so, dass sie die bestmögliche Fußballmannschaft für den Status quo haben. Deshalb glaube ich schon, dass manchmal mehr Routine bei den kleineren Klubs einfach guttut. Deswegen kommen sie näher ran an die Potenziale der Großklubs.“
…über den Kampf um den Meistertitel: „Ich traue jedem zu, dass sie Meister werden und ich traue jedem zu, dass sie Sechster werden. Das ist aus tiefster Überzeugung.“
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Statement-Quelle: Sky Sport Austria
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