Wer soll schon im Herbst auf Markus Hinterhäuser folgen? Die Suche nach einer neuen künstlerischen Leitung trifft die Festspiele zur Unzeit.
Das Ende der Ära von Markus Hinterhäuser als Intendant der Salzburger Festspiele steht nun offenbar unmittelbar bevor. Also nicht erst 2031: Bis dahin hätte seine dritte Funktionsperiode gedauert, vereinbart vor zwei Jahren, als noch Wilfried Haslauer (ÖVP) Landeshauptmann und Vorsitzender des Festspielkuratoriums war.
Und auch nicht 2029: Das wäre der damals gleichsam als Sollbruchstelle festgeschriebene Zeitpunkt für eine vorzeitige Vertragsauflösung gewesen, sofern eine der beiden Seiten das angestrebt hätte.
Weil aber das Kuratorium, seit 2025 unter Vorsitz von Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP), mittlerweile „geschlossen“ der Ansicht ist, Hinterhäuser habe seither gegen eine damals vereinbarte Wohlverhaltensklausel verstoßen, soll der neue Vertrag nun am 1. Oktober gar nicht mehr in Kraft treten.
Stattdessen hat das Kuratorium Hinterhäuser ein nicht näher publik gemachtes „Angebot“ unterbreitet, das ihm, unter welchen zusätzlichen Bedingungen und Zusagen auch immer, den Verbleib noch bis zum Ende der Festspiele 2027 ermöglicht hätte. Eine für die Annahme festgesetzte Frist bis letzten Freitag sei nun verstrichen, hieß es zuletzt aus dem Büro der Landeshauptfrau, Hinterhäusers Amtszeit ende also mit September 2026.
Nun sind gerade in Salzburg vorzeitige und/oder unsanfte Abschiede von Intendanten (kein Gendern nötig) eher die Regel als die Ausnahme: Weder Gérard Mortier noch Jürgen Flimm oder Alexander Pereira sind ohne gehörigen Theaterdonner in der Versenkung verschwunden.
Dennoch muss man, gerade angesichts von Hinterhäusers Verdiensten, die er sich seit den „Zeitfluss“-Zeiten in diversen Funktionen erworben hat, mit der Sophie im „Rosenkavalier“ der Festspiel-Urväter Hofmannsthal und Strauss seufzen: „Wär′ all’s recht schön, wenn′s anders abgegangen wär’“.
Ob Hinterhäuser vor dem Arbeitsgericht Chancen hat, will er hoffentlich selber nicht unbedingt herausfinden; dass er eine Art „Gnadenjahr“ nicht angenommen hat, ist verständlich. Ob er aber „heut oder morgen oder den übernächsten Tag“ geht, ist im internationalen Opernbetrieb mit seinen notorisch langen Vorlaufzeiten alles andere als egal. Zumal in jener heiklen Phase baulicher Sanierung und Erweiterung, in der sich die Festspiele gerade befinden: Regieteams für Ersatzspielstätten wollen mit extra Fingerspitzengefühl ausgewählt sein. Sicher, Lukas Crepaz wird als fähiger kaufmännischer Direktor für Kontinuität sorgen. Künstlerisch aber starrt man nun in eine klaffende Baugrube.
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