Dividenden gibt es viele. Die wohl bekannteste ist jene, die Aktiengesellschaften in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen an ihre Aktionäre ausschütten. Dividende bezeichnet dabei jenen Teil des Gewinns, der an die Aktionäre fließt. Ähnlich verhält es sich auch bei der digitalen Dividende. Diese beschreibt, wie sich Investitionen in digitale Technologien bezahlt machen.
„Die digitale Dividende wirkt nachhaltig auf Umsatz, Beschäftigung und Produktivität“, sagt Michael Zettel, Country Managing Director von Accenture Österreich, bei der Präsentation einer über fünf Jahre durchgeführten Studie unter Österreichs Unternehmen. Fest steht demnach, dass digitale Champions einen klaren Wettbewerbsvorteil haben. Und die gute Nachricht zuerst: Österreichs Firmen werden zunehmend digitaler.
700.000 Unternehmen wurden über mehr als fünf Jahre lang gemeinsam von der Beratungsfirma Accenture, der Industriellenvereinigung (IV) und dem Economica-Institut für Wirtschaftsforschung befragt und begleitet. Dabei haben die Studienautoren errechnet, um wie viel stärker digitalisierte Firmen wachsen und welche Potenziale sie haben, wenn sie künstliche Intelligenz (KI) schnell und effizient einsetzen. Knapp fünf Prozent der heimischen Unternehmen werden in dieser Studie als digitale Champions, also jene Firmen mit der höchsten Digitalisierungsstufe, bezeichnet.
Was macht sie aus? „Jeder kann digitaler Champion werden – egal ob groß, klein, Industrie, Handwerk oder Dienstleistung“, betont der IV-Chefökonom und Leiter des Economica-Instituts Christian Helmenstein. Auch wenn fünf Prozent von 700.000 Unternehmen nicht nach viel klingt, zeigen sich die Studienautoren durchaus positiv gestimmt von den erhobenen Daten. Denn: 2021, zu Beginn der Untersuchung, waren nur zwei bis drei Prozent der heimischen Wirtschaft technologisch sehr gut aufgestellt. Die große Gruppe der digitalen Nachzügler machte vor vier Jahren noch 73 Prozent aus. Heute sind es weniger als 65 Prozent.
Vor allem in KMU sehen die Studienautoren das größte Potenzial und die meiste Wertschöpfung: „Hier stecken die größten ungenutzten Potenziale“, sagt Helmenstein und rechnet vor: Digitale Champions verzeichneten durchschnittlich ein Umsatzwachstum von 6,2 Prozent. Das Plus bei der Produktivität lag bei 6,1 Prozent. Und selbst die Beschäftigung nimmt zu, wenn auch nur um 1,2 Prozent. Zettel sieht darin den Gegenbeweis erbracht, dass Digitalisierung nicht Arbeitsplätze vernichtet, sondern sehr wohl auch welche schaffen kann.
Deutlich beeindruckender sind die Zahlen in Bezug auf den Einsatz von KI. Seit Anfang 2023 ist ChatGPT in Österreich verfügbar und viele generative KI-Systeme folgten. Innerhalb von nur drei Jahren stieg der Einsatz der noch jungen Technologie auf 66 Prozent. Insgesamt verwenden 30 Prozent der 700.000 Unternehmen bereits KI und damit liegt Österreich über dem EU-Schnitt, der bei 20 Prozent liegt. Spitzenreiter sind einmal mehr die nordischen Länder wie Dänemark mit 42 Prozent und Finnland mit 38 Prozent.
Besonders digitale Champions zeigen sich als digital affin und wenig scheu, neue Technologien einzusetzen. Die Nutzung ist bei KI um 26 Prozent, bei Cloud um 24 Prozent und bei Digital Twins um 33 Prozent höher als bei den digitalen Nachzüglern. Letzteres dient dazu, physische Prozesse digital abzubilden.
Neben einer Effizienzsteigerung und einer höheren Geschwindigkeit und einer geringeren Fehlerquote, welche der Einsatz von künstlicher Intelligenz in Unternehmen nach sich zieht, sehen die Studienautoren vor allem in der Zeitersparnis einen großen Vorteil. Durch generative KI werde bereits jetzt durchschnittlich mehr als eine Stunde pro Arbeitstag eingespart. Hier sei noch eine Steigerung um knapp das Doppelte durchaus möglich. Das reiche den befragten Unternehmen zufolge von der Administration und Verwaltung in einem Unternehmen bis hin zu den Kernprozessen und der Geschäftsführung.
Die Studienautoren halten abschließend fest, dass digitale Vorreiter einen Technologievorsprung haben, den sie auch nur noch schwer verlieren könnten. Und zu guter Letzt wurde auch abgefragt, wie sich die Investitionen in die neuen Technologien bezahlt machen. Dabei wurde ein schneller ROI (Return on Investment) festgestellt: „39 Prozent geben heute schon einen positiven Return on Investment an. Das ist für eine vergleichsweise junge Technologie bemerkenswert“, so Philipp Krabb, Forschungsleiter bei Accenture.