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Berlin – Als den Südwesten Berlins Anfang Januar der schlimmste Stromausfall seit Jahrzehnten traf, schloss sich Kai Wegner (53, CDU) in seinem „Büro zu Hause“ ein und war „den ganzen Tag am Telefon“. Behauptete er zumindest. Später stellte sich heraus: Das war gelogen, Wegner spielte mittags mit seiner Lebensgefährtin Tennis! Noch später erklärte Wegner, er habe mit den Krisenstäben telefoniert, dem Kanzleramt, der Bundesregierung, Stromnetz Berlin und mit dem Innenministerium: „Und ja, dann habe ich von 13 bis 14 Uhr Tennis gespielt, weil ich einfach den Kopf frei kriegen wollte.“ Recherchen der Zeitung „Tagesspiegel“ zeigen jetzt: Auch diese Erzählung ist offenbar frei erfunden.

Zweieinhalb Monate ist es nun her, dass rund hunderttausend Berliner bei eisigen Temperaturen in ihren ungeheizten Wohnungen festsaßen. Linksextremer Stromterror hatte zuvor die Netze lahmgelegt. Mittlerweile sind die Temperaturen in der Hauptstadt frühlingshaft und die Energieversorgung längst wiederhergestellt. Doch für Berlins Regierenden Bürgermeister ist der Skandal nicht ausgestanden.

Der regierende Bürgermeister Kai Wegner am 4. Januar vor einer Berliner Notunterkunft

Der regierende Bürgermeister Kai Wegner (Mitte) am 4. Januar vor einer Berliner Notunterkunft

Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Auf Nachfrage des BILD-Reporters: Vor drei Tagen sagte er noch DAS

Quelle: WELT07.01.2026

Der „Tagesspiegel“ hat jetzt seinen Arbeitstag nach dem Anschlag nachvollzogen: Wegner schrieb demnach am Morgen des Krisentages kurze Textnachrichten mit Innensenatorin Iris Spranger (64, SPD), war in Kontakt mit der Berliner Senatskanzlei und telefonierte Stunden später mit Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (47, SPD) – die ihn zuvor mehrfach nicht erreicht hatte.

Doch kein Kontakt mit Kanzleramt?

Um die Mittagszeit war Wegner dann mit seiner Lebensgefährtin – Schulsenatorin Katharina Günther-Wünsch (42, CDU) – auf dem Tennisplatz. Der entscheidende Punkt: Das von Wegner behauptete Telefonat mit Stromnetz Berlin hat es vor dem Tennisspiel nach den Recherchen offenbar nicht gegeben, ebenso wenig wie Kontakt mit dem Kanzleramt und dem Innenministerium.

Laut Wegner habe es die Gespräche nicht am Vormittag des 03.02., sondern erst am Nachmittag dieses Tages gegeben.

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Auf die aktuellen Enthüllungen gibt es bislang keine Reaktion aus dem Rathaus. Gut möglich, dass sie Wegner politisch noch gefährlich werden. Der CDU-Politiker ist seit 2023 Regierender Bürgermeister von Berlin und steckte zuletzt in einem Umfragetief fest. Wegners Partei lag in der jüngsten INSA-Befragung zwar noch immer an der Spitze (22 Prozent), bekam aber deutlich weniger Zuspruch als bei der Wahl 2023 (28,2 Prozent).

Transparenz-Hinweis: Eine vorherige Version dieses Artikels erweckte den Eindruck, Wegner habe die fraglichen Telefonate überhaupt nicht geführt. Nach seiner Darstellung hatte er zuvor aber gar keine konkreten Tageszeiten der Telefonate genannt, sondern lediglich die Uhrzeit seines Tennisspiels um die Mittagszeit.