Kritiker sehen in LNG keine geeignete Zukunftslösung. Aus mehreren Gründen:

So entstehen durch den Fokus auf LNG neue Abhängigkeiten. Denn zu den größten Exporteuren zählen die USA und Katar. Zwar exportiert auch Australien LNG, jedoch aufgrund seiner geografischen Lage eher in asiatische Länder. Europa bleibt also weiterhin von einzelnen Ländern abhängig. Zudem entsteht auf dem LNG-Weltmarkt ein harter Wettbewerb zwischen Europa und den asiatischen Ländern rund um das LNG von den USA und Katar.

Negativ fällt bei LNG auch die Klimabilanz aus. So bleibt LNG ein fossiler Energieträger – also ein Produkt, das beim Verbrennen Kohlendioxid (CO2) freisetzt. Hinzu kommt die aufwendige Produktion. Das Verflüssigen des Gases und sein Transport per Schiff sind sehr energieintensiv. Dafür wird viel Energie benötigt, die in vielen Förderländern noch aus fossilen Brennstoffen stammt. So entstehen zusätzliche Emissionen schon bevor das LNG überhaupt in Europa ankommt.

Ein weiteres, ebenfalls das Klima belastendes Problem sind die Methanverluste: Methan, der Hauptbestandteil von Erdgas, trägt auf lange Sicht deutlich stärker zum Treibhausgaseffekt als CO2 bei. Bei der Förderung, beim Verflüssigen, beim Transportieren oder beim Regasifizieren entweicht immer wieder ein Teil davon in die Atmosphäre. Das schwächt die Klimabilanz von LNG deutlich.

Kritiker merken auch an, dass der Bau und der Betrieb von LNG-Terminals sehr kostenintensiv sind. Damit sich die Investitionen jedoch amortisieren, müssen sie entsprechend lange in Betrieb sein. Und das wiederum verzögert den Übergang zu erneuerbaren Energien noch mehr („Lock‑in‑Effekt“).

Zwar schneidet im direkten Vergleich mit Kohle oder Schweröl LNG besser ab. Jedoch nur, wenn auf die CO2- und Schadstoff-Emissionen geachtet wird, die beim Verbrennen entstehen. Dadurch wirkt LNG auf den ersten Blick als Ersatz für den Schiffsverkehr interessant.

Doch dieser Vorteil wird durch den Blick auf die gesamte Lieferkette hinfällig. So zeigen Studien etwa, dass bei der Produktion und beim Transport von LNG höhere Emissionen entstehen können als bei Pipelinegas. Wird Methanverlust mitgerechnet, kann LNG manchen Berechnungen zufolge sogar klimaschädlicher als herkömmliches Erdgas sein.

Auch die Herkunft spielt eine Rolle: LNG aus den USA stammt häufig aus Fracking-Gas. Bei Fracking handelt es sich um eine Fördermethode, bei der Chemikalien in Gesteinsschichten gepresst werden. Dadurch wird Gas freigesetzt. Dieser Prozess ist ökologisch sehr umstritten. Zudem verursacht es zusätzliche Emissionen durch den hohen Energieaufwand bei der Förderung.

LNG ist deutlich abhängiger von den Weltmarktpreisen als Pipelinegas. Denn bei diesem Energieträger schwanken die Preise stark – je nachdem, wie hoch die Nachfrage in Asien, Europa oder Lateinamerika und das Angebot der Exporteure sind. Denn ein relevanter Teil des LNG wird kurzfristig am Spotmarkt (eine Art Börse für Energie) gehandelt, wodurch die Preise stark schwanken können – Preisspitzen sind daher möglich. Es gibt zwar auch langfristige LNG-Lieferverträge, ihr Anteil ist jedoch insgesamt gering.