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Rom (Italien) – Über zwei Stunden Film über das eigene Staatsoberhaupt – in Deutschland ein Kassengift. Nicht so in Italien: Paolo Sorrentinos neuestes Werk „La Grazia“ wurde zum Überraschungserfolg. Mehr als 750.000 Kinokarten bislang verkauft, über sieben Millionen Euro eingespielt. Am 19. März kommt das 133-Minuten-Epos nun auch in die deutschen Kinos.

Die Parallelen sind verblüffend

Im Mittelpunkt von Sorrentinos elftem Werk steht ein italienischer Staatschef namens Mariano de Santis. Die Figur ist fiktiv – doch sie gleicht dem echten Präsidenten Sergio Mattarella aufs Haar. Vornehmer Senior, Jurist, Ex-Verfassungsrichter, frommer Katholik. Witwer, der seine Tochter oft dabei hat. Die Realität als Blaupause.

Oscar-Preisträger Sorrentino („La Grande Bellezza – Die große Schönheit“), der sich auch schon mehrmals mit Päpsten beschäftigte, redet nicht groß um die Sache herum. Natürlich war Mattarella das Vorbild. Der Regisseur verweist allerdings darauf, dass die Filmfigur auch Züge früherer Staatschefs wie Giorgio Napolitano in sich trage.

Napolitano (1925–2023), ehemals Kommunist, war ähnlich beliebt wie Mattarella heute. Der 84-Jährige ist seit 2015 im Amt und bekommt bei jedem öffentlichen Auftritt zuverlässig Applaus. Bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Mailand war das auch im Ausland zu sehen.

Eine wahre Geschichte als Inspiration

Das Drama basiert auf einem echten Fall: 2018 begnadigte Mattarella als Staatsoberhaupt einen Mann, der seine an Alzheimer erkrankte Frau getötet hatte. Er war dafür zu 14 Jahren Haft verurteilt worden.

De Santis muss im Streifen dieselbe Entscheidung treffen. Toni Servillo gibt den Staatschef – und war noch nie so würdevoll. Bei den Filmfestspielen 2025 in Venedig, die mit „La Grazia“ eröffnet wurden, bekam er dafür den Preis als bester Hauptdarsteller.

Künstlerische Freiheiten

Sorrentino (55) nimmt sich bei aller detailgenauen Schilderung des Daseins eines italienischen Präsidenten auch einige künstlerische Freiheiten. Nur so viel sei verraten: Der Papst in seinem Werk ist eine rein fiktive Figur.

Ein Film, der in Italien Massen bewegt. Ob er das auch in Deutschland schafft, wird sich ab dem 19. März zeigen.