Mitten im tiefgreifenden Umbau der Autoindustrie setzt BMW auf eines seiner wichtigsten Zugpferde, um den Wechsel in die Elektromobilität voranzutreiben. Die Neuauflage soll nicht nur technologisch überzeugen, sondern auch zeigen, ob sich traditionelle Markenstärke und neue Antriebstechnik erfolgreich verbinden lassen. Wird das neue Modell zum Testfall für die künftige Strategie der Münchner?

Mit dem neuen vollelektrischen i3 bringt BMW seine meistverkaufte Modellreihe ins Elektrozeitalter. Der in München präsentierte Wagen soll Reichweite, Ladeleistung und digitale Funktionen deutlich verbessern. Parallel dazu legt BMW auch den 3er mit Mildhybrid-Antrieb neu auf. Für den Konzern ist das Modell mehr als eine weitere Produktneuheit: Es soll zeigen, ob sich der Traditionsname 3er auch in einem zunehmend elektrischen Premium-Markt behaupten kann.

Seit seiner Einführung 1975 gilt der 3er als sportliche Limousine und als erfolgreichstes Modell von BMW. Über sieben Generationen hinweg hat sich die Baureihe einen Ruf als fahraktives Kernprodukt der Marke erarbeitet. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die nun präsentierte elektrische Neuauflage.

Am Mittwoch stellte BMW in München den vollelektrischen i3 vor. Es ist das zweite Modell der nächsten Fahrzeuggeneration nach dem Marktstart des iX3-Sportgeländewagens im September. Der neue i3 übernimmt laut BMW zentrale Merkmale dieser Plattform, darunter eine höhere Ladeleistung und eine modernisierte digitale Nutzererfahrung.

Für die Fertigung der elektrischen 3er-Variante hat BMW sein Werk in München in den vergangenen Monaten umgerüstet. Die Produktion soll im Herbst 2026 anlaufen und ab dann wird man den i3 auch bestellen können. Nach Unternehmensangaben kommt das Fahrzeug mit voller Batterieladung auf bis zu 900 Kilometer Reichweite. Per Schnellladung sollen in zehn Minuten bis zu 400 Kilometer zusätzliche Reichweite möglich sein.

Zeitgleich bringt BMW auch einen überarbeiteten Mildhybrid-3er auf den Markt, der überwiegend von einem Verbrennungsmotor angetrieben wird. Optisch soll sich diese Version nicht vom Elektro-Modell unterscheiden. Die Fahrzeuge mit fossilem Antrieb werden an anderen Standorten produziert. Zudem ist später eine Plug-in-Hybrid-Version geplant.

Mit diesem Ansatz geht BMW ein kalkuliertes Risiko ein. Der Konzern hat sich im Elektrosegment bislang robuster entwickelt als die Premium-Konkurrenten Mercedes-Benz und Audi. Bleibt die Nachfrage nach den neuen 3er-Varianten jedoch hinter den Erwartungen zurück, könnte die Auslastung des Münchner Werks unter Druck geraten.

Zugleich ist der neue i3 ein zentraler Versuch, die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Elektroauto-Anbietern wie Tesla und dem chinesischen Hersteller BYD zu stärken. BMW will damit nicht mehr nur frühe E-Auto-Käufer ansprechen, sondern auch langjährige Kunden der eigenen Marke sowie Fahrer konkurrierender Hersteller zum Umstieg bewegen.

BMW hatte 2022 bereits ein früheres Modell mit dem Namen i3 eingestellt. Dabei handelte es sich um einen eigenständigen elektrischen Kleinwagen, der 2013 als erstes in Großserie produziertes Elektroauto des Unternehmens auf den Markt gekommen war. Dieses Modell richtete sich vor allem an frühe Nutzer der neuen Technologie.

Der neue i3 verfolgt nun einen anderen Ansatz: Er trägt einen etablierten Modellnamen aus dem Kerngeschäft und soll Elektromobilität stärker in das Volumensegment der Marke integrieren.

Die Strategie, elektrische und konventionell angetriebene Fahrzeuge in ähnlichem Design anzubieten, ist auch bei anderen Herstellern zu beobachten. Mercedes bietet inzwischen elektrische Versionen bestehender Modelle wie des GLC an. Porsche verfolgt mit dem Cayenne Electric eine ähnliche Linie.

Nach Einschätzung von Michael Dean, Analyst bei Bloomberg Intelligence, erleichtert die Annäherung der Preise zwischen Elektroautos und Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor den Wechsel für Konsumenten. Preise für die neuen 3er-Modelle hat BMW noch nicht bekanntgegeben.

Bis zum kommenden Jahr will BMW mehr als 40 neue oder überarbeitete Modelle auf Basis der Plattform „Neue Klasse“ anbieten, darunter auch Varianten der 7er-Reihe und des SUV X5. Das Unternehmen verweist auf starkes Kundeninteresse am iX3; das Werk in Ungarn fahre bereits in zwei Schichten, um die Nachfrage zu bedienen.

In die „Neue Klasse“ hat BMW nach eigenen Angaben mehr als zehn Milliarden Euro investiert. Die Plattform soll mit neuer Software, sehr schnellen Ladezeiten und einer überarbeiteten Designsprache die technologische Grundlage für die nächste Modellgeneration bilden. (duc/Bloomberg)