Die Kanzlerschaft von Merz gleicht einer kontinuierlichen Talfahrt, betrachtet man das Beliebtheitsranking von YouGov. Doch der Deutsche bildet nicht das Schlusslicht des Rankings.
Friedrich Merz mag die große, internationale Bühne, doch jetzt muss er sich erst einmal um die eigene Partei kümmern. Seit bekannt wurde, dass EVP-Abgeordnete im Europaparlament eng mit Rechtsaußenpolitikern kooperieren, wird der Vorwurf laut, unter Merz´Führung falle die „Brandmauer“ gegen rechts. Der Kanzler rief umgehend EVP-Chef Manfred Weber (CSU) zur Ordnung, doch der Schaden war bereits angerichtet – und auch mit der sonstigen Performance des CDU-Mannes ist die deutsche Bevölkerung alles andere als zufrieden.
Als einziger europäischer Regierungschef verlor Merz seit Beginn seiner Kanzlerschaft vor knapp einem Jahr 14 Punkte im Beliebtheitsranking des Marktforschungsinstituts YouGov: Das ist der steilste Abstieg unter allen sechs untersuchten Spitzenpolitikern. Der Saldo aus positiven (23%) und negativen (71%) Bewertungen ergibt ein Minus von 48 Punkten – kein besonders rühmliches Zeugnis, das ihm die Deutschen ausstellen.
Dennoch findet Merz sich nicht am Ende des Beliebtheitsrankings, für das die Bürger der größten EU-Mitgliedstaaten (Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien) sowie Dänemarks und Großbritanniens zur Zufriedenheit mit ihren Regierungschefs befragt wurden. Ganz unten rangiert seit über zwölf Monaten Emmanuel Macron (minus 57 Punkte), der quasi ein Dauerabo auf diese Position gebucht hat: Der französische Staatschef kann bei seinen Landsleuten weder innenpolitisch noch mit seinem Management globaler Krisen – von der Ukraine bis zum Iran-Krieg – punkten. Immerhin: Seit Jänner legte Macron um sechs Punkte zu.
Auch Keir Starmers Werte erholten sich in den vergangenen Wochen langsam – allerdings auf niedrigem Niveau. Heute liegt der Vorsitzende der Labour Party bei minus 50 Punkten und damit zwischen Merz und Macron (siehe Grafik). Nicht nur die Briten sind mit seiner Performance unzufrieden und werden Starmer zu wenig Härte im Dialog mit US-Präsident Donald Trump vor: Auch Abgeordnete seiner eigenen Partei fordern von ihrem Chef mehr Selbstbewusstsein im Umgang mit Washington.
Spaniens Pedro Sánchez schneidet mit Minus 34 Punkten vergleichsweise passabel ab, die Top-Bewertungen in dem YouGov-Ranking aber belegen die Frauen: Platz zwei geht an Italiens Giorgia Meloni (minus 21 Punkte), weit voran auf dem ersten Platz liegt Mette Frederiksen von Dänemark (minus 10 Punkte). Die Sozialdemokratin punktete zuletzt vor allem mit ihrem äußerst entschlossenen Auftreten im Streit um die Übernahme Grönlands durch die USA.
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