Laut Sicherheitskreisen hätten die Revolutionsgarden weiter die Oberhand. Das Regime zeige keine Zerfallserscheinungen und werde bei Protesten mit aller Härte zurückschlagen.

Wie zuletzt jedes Jahr zum Nowruz-Fest, zum persischen Neujahrsfest am Freitag, wandte sich Benjamin Netanjahu in Farsi an das iranische Volk: „Frohes Nowruz! Lang lebe der Iran!“ Der israelische Premier wünschte dem „mutigen iranischen Volk“ ein „Jahr der Freiheit“ und einen hoffungsvollen Neubeginn. Er variierte seine Appelle seit Beginn des Iran-Kriegs, die Gelegenheit für den Sturz des Regimes zu ergreifen und das „Schicksal in die eigene Hand“ zu nehmen. Präsident Jitzhak Herzog schloss sich den Glückwünschen Netanjahus an, ebenfalls verbunden mit der Verheißung, das Regime abzuschütteln: „Ihr verdient Besseres.“

Die Botschaft aus Jerusalem kam kurz nach der Nachricht von der Tötung Ari Larijanis und vor der Meldung der Eliminierung des Geheimdienstministers Ismail Khatib. Sie sollte das Versprechen Israels, dem Regime einen „entscheidenden Schlag“ zu versetzen, unterstreichen. Zugleich gab Netanjahu jedoch zu bedenken: „Es wird nicht alles auf einmal passieren.“

Die Euphorie ist indessen einer gewissen Ernüchterung gewichen. In Israel warnen Außen- und Verteidigungsministerium und der Sicherheitsrat laut „Washington Post“, die aus einer diplomatischen Depesche an das US-Außenministerium zitiert, im Fall eines Aufstands vor einem Massaker. Das Regime in Teheran zeige keine Zerfallserscheinungen, es sei im Gegenteil „bereit für einen Kampf bis zum Ende“. Die Revolutionsgarden, so die Einschätzung in Jerusalem und Tel Aviv, hätten immer noch die Oberhand.

Auch US-Präsident Donald Trump stützte sich neulich in einem Interview mit Fox News auf eine ähnliche Expertise. Es gebe eine „große Hürde“ für den von ihm in Aussicht gestellten Aufstand: „Die Menschen haben keine Waffen.“ Im Iran seien Sicherheitskräfte mit Maschinenpistolen in den Straßen postiert, die die Demonstranten niederschießen würden.

Nach Geheimdienstberichten brausen bewaffnete Paramilitärs in Zivilkleidung zur Einschüchterung durch die Straßen, die Revolutionsgarden haben Checkpoints und schickten zudem via SMS die Warnung aus, dass sie einen Aufruhr noch härter niederschlagen würden als am 8. Jänner, dem blutigen Höhepunkt der Proteste. Es gebe einen strikten Schießbefehl, so die martialische Parole im Fernsehen. Der Polizeichef drohte, dass jeder, der auf Geheiß des Feindes agiere, wie ein Feind betrachtet und auch so behandelt werde.

Wenige Tage zuvor hat damals der Mossad die Iraner zum Widerstand aufgerufen. Auf der Plattform X schrieb der israelische Auslandsgeheimdienst auf Farsi: „Geht zusammen raus auf die Straße. Die Zeit ist gekommen. Wir sind mit euch. Nicht nur aus der Entfernung oder mit Worten. Wir sind auch mit euch vor Ort.“

Israelische Iran-Experten zeigen sich zwar skeptisch über die Perspektive eines baldigen Regimewechsels, halten ihn aber auch nicht für ausgeschlossen. Raz Zimmt vom Institute für National Security Studies, dem führenden Think Tank für Außen- und Sicherheitspolitik in Tel Aviv, betonte, mittelfristig könnten die Schläge gegen die führenden Köpfe des Regimes zu einer Absatzbewegung in den Kadern des Sicherheitsapparats führen. Sima Shine wies auf die massive Schwächung der Hisbollah nach der Tötung Hassan Nasrallahs hin.

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tasnim ist der iranische Geheimdienst im gesamten Land gegen Dutzende Oppositions-Netzwerke vorgegangen, er ortete 111 Zellen von Schah-Anhängern. Auch Schah-Sohn Reza Pahlavi sagte jüngst in seinem Aufruf zum Nowruz-Fest angesichts des Status quo des Unterdrückungsapparats, die Zeit des Aufstands sei noch nicht gekommen.

Via Video postete Netanjahu indessen einen Auftritt mit US-Botschafter Mike Huckabee, um die iranische Propaganda von seinem Tod zu widerlegen. „Ja, Mike, ich lebe“, sagte er mit einem Lächeln. Neulich scherzte der Premier in einem Café in Jerusalem: „Ich sterbe – aber nur für einen Kaffee.“

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