Eine solch hohe Zahl wird das Regime wohl kaum ausgebracht haben.

Nein, außerdem haben die USA und Israel dieses Arsenal mit Sicherheit angegriffen. Aber selbst wenn nur zehn Prozent der Minen solche Angriffe überstanden hätten, könnte man die Straße von Hormus nicht nur faktisch, sondern ganz praktisch sperren – bis zu dem Moment, an dem es gelingt, die Minen zu räumen.

Wie schwierig wäre eine Räumung?

Unter Gefechtsbedingungen ist das extrem riskant. Jede einzelne Mine muss aufgespürt und durch menschliche Experten identifiziert werden, denn dafür gibt es bisher keine technologische Lösung – zumindest nicht voll im Einsatz in unseren Marinen. Innovative Technologien für ferngelenkte und auch autonome Minenräumung gibt es, aber wir sind über Jahre zu zurückhaltend mit Budgets und zu langsam bei der Beschaffung von Verteidigungstechnologie gewesen. Das ändert sich zwar, muss aber noch mehr Fahrt aufnehmen. Der Iran und die Straße von Hormus sind wieder eine Gelegenheit mehr, zu erkennen, was wir dringend brauchen – auch an anderer Stelle. Die Fähigkeit, Minen effektiv und effizient zu räumen, in Verbindung mit Drohnenabwehr, müssen jetzt die Golfstaaten noch dringender aufbauen, um sich dem Iran entgegenzustellen, aber wir müssen uns ebenfalls für ganz ähnliche Szenarien wappnen.

Trump behauptet, dass die Europäer bei der Minenräumung besser aufgestellt seien als die USA. Stimmt das?

Da hat er recht. Europa ist in dem Bereich sehr stark, weil wir seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs besonders die Ostsee von alter Munition und Minen befreien müssen. Diese Expertise kam auch in den 1990er-Jahren während des Golfkriegs und dann später während des Irak-Kriegs zum Einsatz. Da Trump das offenbar weiß, hätte er die Verbündeten eigentlich frühzeitig – also vor dem Krieg – um Unterstützung bitten müssen. Dennoch sind unsere Kapazitäten begrenzt.

Wenn es doch zu einem Marineeinsatz kommen würde, was wäre dann realistisch möglich: Abschreckung, die punktuelle Absicherung einzelner Konvois oder tatsächlich die Wiederherstellung freier Schifffahrt?

Absolute Sicherheit lässt sich militärisch nicht garantieren, solange der Krieg läuft – egal, wie viele Kriegsschiffe man entsendet. Völkerrechtlich wäre es möglich, dass die betroffenen Golfstaaten oder die USA Schiffe unter ihre Flagge nehmen und sie dann anweisen, unter Schutz durch die Straße von Hormus zu fahren. Das wäre die militärische Konvoi-Logik. Das wäre noch immer kein absoluter Schutz, aber die Staaten würden dann die Verantwortung und Haftung für Schäden übernehmen.