20. März 2026

Kai Imhoff

DNA-Doppelhelix vor blauem Hintergrund

(Bild: Billion Photos / Shutterstock.com)

US-Forscher verwandeln DNA in eine wiederbeschreibbare Festplatte. Alle Daten der Welt könnten in einen Schuhkarton passen – sicher vor Hackern.

Ein Forscherteam der University of Missouri hat eine Methode entwickelt, mit der sich in DNA gespeicherte Daten löschen und überschreiben lassen.

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Damit verwandeln die Wissenschaftler das Erbgut-Molekül von einem reinen Archivmedium in eine Art digitale Festplatte – mit enormer Speicherdichte und einer Haltbarkeit von Jahrtausenden.

Die Studie erschien in der Fachzeitschrift PNAS Nexus.

Von der Einweg-Speicherung zur wiederbeschreibbaren DNA

Die Idee, digitale Informationen in synthetischer DNA abzulegen, existiert seit Jahrzehnten. Bereits 1959 schlug der Physiker Richard Feynman dieses Konzept vor.

Das Prinzip: Computer speichern Daten als Abfolge von Nullen und Einsen. Bei der DNA-Speicherung übersetzen Wissenschaftler diese Binärcodes in Kombinationen der vier chemischen Bausteine A, C, G und T – also genau jene Basen (Adenin, Cytosin, Guanin und Thymin), aus denen auch der genetische Code aller Lebewesen besteht.

Spezielle Maschinen bauen dann synthetische DNA-Stränge, die dieses Muster tragen.

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Das Problem: Einmal in DNA geschriebene Daten ließen sich bisher nicht mehr verändern. Fotos, Videos oder Dokumente waren nach der Kodierung dauerhaft fixiert. Für eine Langzeitarchivierung reicht das aus – für den alltäglichen Gebrauch, bei dem Nutzer Dateien regelmäßig aktualisieren oder ersetzen wollen, war die Technologie damit unbrauchbar.

Genau diese Hürde hat das Team um Professor Andrew Gu nun genommen. „DNA ist unglaublich – sie speichert den Bauplan des Lebens in einem winzigen, stabilen Paket“, erklärte Gu. „Wir wollten herausfinden, ob wir Informationen auf molekularer Ebene schneller, einfacher und effizienter als je zuvor speichern und überschreiben können.“

So funktioniert das Auslesen der Daten

Um gespeicherte Dateien wieder abrufen zu können, entwickelt das Team ein kompaktes elektronisches Gerät mit einem sogenannten Nanoporen-Sensor.

Vereinfacht gesagt handelt es sich um einen Detektor auf molekularer Ebene: Die DNA wandert durch eine winzige Pore und erzeugt dabei feine elektrische Signale. Eine Software wandelt diese Signale zurück in Nullen und Einsen – und schließlich in die ursprüngliche Datei, sei es ein Foto, ein Video oder ein Dokument.

Nach Angaben der Forscher arbeitet ihr System schneller, einfacher und umweltfreundlicher als bisherige Ansätze zur DNA-Speicherung. Langfristig will Gu das Gerät auf die Größe eines handelsüblichen USB-Sticks verkleinern.

Enorme Kapazität und Schutz vor Hackern

Die Vorteile der DNA-Speicherung klingen für den Alltag vielversprechend. DNA speichert Informationen dreidimensional statt auf flachen Chips. Die Speicherdichte ist so hoch, dass theoretisch sämtliche Daten der Welt in einen einzigen Schuhkarton passen würden.

Bei kühler und trockener Lagerung bleibt die DNA über Jahrtausende stabil und verbraucht dabei weit weniger Energie als herkömmliche Rechenzentren.

Ein weiterer Vorteil betrifft die Sicherheit: Da DNA als physisches Molekül existiert und nicht permanent mit dem Internet verbunden ist, bietet sie zusätzlichen Schutz vor Cyberangriffen.

„Stellen Sie sich das wie einen extrem sicheren Tresor für Ihr digitales Leben vor“, sagte Gu. „DNA-Speicher könnten alles schützen, von persönlichen Erinnerungen und wichtigen Dokumenten bis hin zu wissenschaftlichen Daten und Unternehmensarchiven – ohne die zusätzlichen Bedenken hinsichtlich der Cybersicherheit.“