Unter dem Titel „Frauen.Führen.Kirche“ wollen die Initiatorinnen des neuen Netzwerks für mehr Gleichberechtigung und Teilhabe von Frauen in der Kirche sorgen – und auch für den Zugang von Frauen zu geweihten Ämtern lobbyieren.

Es ist erst wenige Tage her, da veröffentlichte der Vatikan den Bericht der sogenannten Studiengruppe 5 des synodalen Prozesses, die sich mit der „Frauenfrage“ in der Kirche beschäftigt hatte. Darin, sagt Gabriele Eder-Cakl, Direktorin des Österreichischen Pastoralinstituts, gebe es den klaren Auftrag, mehr Frauen in Führungspositionen innerhalb der Kirche zu holen. „Diesen Auftrag nehmen wir jetzt an und beginnen konkret mit der Förderung von Frauen als Führungskräfte in der Kirche in Österreich.“

Einen Beitrag dazu leisten soll das neu gegründete Netzwerk „Frauen.Führen.Kirche“, das am Freitag in Wien vorgestellt wurde. Ziel davon ist, über Austausch, Mentoring und gegenseitige Unterstützung für mehr Gleichberechtigung und Teilhabe von Frauen in der Kirche zu sorgen.

Wie auch im allgemeinen Berufsleben seien Frauen in kirchlichen oder kirchennahen Organisationen auf Leitungsebene nach wie vor unterrepräsentiert – vor allem im Vergleich mit ihrer Teilhabe am kirchlichen Leben, betonte Maria Habersack, Vorstandsvorsitzende der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs.

Die Kirche in Österreich sei nämlich in großem Ausmaß weiblich – von Bildung, Pflege, Ehrenamt bis zu den Gottesdienstbesucherinnen. Nur das angestrebte Ziel der Bischofskonferenz, bis 2028 zumindest ein Drittel der Leitungsfunktionen mit Frauen zu besetzen, scheint noch nicht greifbar.

Das Netzwerk will zunächst die schon bestehenden Möglichkeiten voll ausnutzen. Denn nicht alles, was aktuell gelte, habe das Kirchenrecht als Grundlage. Dass etwa das Generalsekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz männlich besetzt sein muss, basiere nicht auf kirchenrechtlichen Grundsätzen, sagt Mitinitiatorin und Generalsekretärin der katholischen Aktion Österreich, Regina Petrik. In Deutschland etwa würde das anders gehandhabt.

In einem weiteren Schritt wolle man dann auch Lobbyarbeit leisten, „damit es auch weitergeht“”. Gemeint ist der Zugang von Frauen zu geweihten Ämtern. „700 Millionen Katholikinnen können nichts dafür, dass sie als Frauen geboren wurden“, sagt Eder-Cakl. Sie seien genauso getauft und berufen, die Liebe Christi weiterzugeben und würden es bereits jetzt tun – nur eben ohne sakramentale Bestärkung. Insofern wünscht sich Eder-Cakl „sieben Sakramente für alle”. Dabei, also bei der Weihe zu Diakonin, Priesterin und Bischöfin, gehe es um Gleichwertigkeit, nicht um Privilegien. Ob es eine Geschlechtergleichstellung gebe oder nicht, sei letztlich auch eine Frage der Glaubwürdigkeit.

Schon jetzt gebe es positive Signale für die Frauen in der Kirche, sagen die Initiatorinnen des Netzwerks. So sind in der österreichischen Ordenskonferenz derzeit die Vorsitzende und die Generalsekretärinnen weiblich, alle Fachbereiche werden von Frauen geleitet. Auch im Vatikan seien zuletzt Frauen in zentrale Führungspositionen berufen worden, so ist etwa die italienische Ordensschwester Simona Brambilla seit Anfang 2025 die erste Frau an der Spitze eines Dikasteriums.

Frauen in Leitungsfunktionen würden auch neue Impulse setzen. „Das wird sich die Kirche wohl nicht entgehen lassen“, sagt Petrik.

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