Beim Remis am Freitagabend zum Auftakt der 24. Runde der Bundesliga-Saison 2025/26 bei Spitzenreiter SK Puntigamer Sturm Graz beendete der FC Red Bull Salzburg zwar nach viereinhalb Stunden seine Torsperre und holte, wie bereits im Grunddurchgang an gleicher Wirkungsstätte, ein 1:1, doch Freude wollte im „Bullen-Stall“ nicht aufkommen. Auch die Partie war bei aller Intensität und Spannung bis zum Schluss fußballerisch eher trist. Lediglich das spektakuläre Salzburger Führungstor von Yorbe Vertessen, der auch im November in Graz traf, riss einen von den Sitzen. Nachfolgend SALZBURGER STATEMENTS!

Welch bitterer Freitagabend beim Bundesliga-Startelf-Debüt für Anrie Chase. Der 21-jährige Japaner, der für den gesperrten Joane Gadou in die Abwehr-Viererkette des FC Red Bull Salzburg rückte und wegen einer Adduktorenverletzung in der Herbstsaison ausfiel, sah in der Nachspielzeit die Ampelkarte wegen Spielverzögerung. Obwohl nach einer Behandlungspause von Chase am Spielfeldrand der Wiener Polizist Julian Weinberger dem Youngster noch anzeigte, er möchte erst auf Zeichen des Schiedsrichters auf das Spielfeld zurückkehren, betrat der nach Foulspiel gelb-vorbelastete Innenverteidiger vorzeitig den Rasen.
„In allererster Linie haben die Jungs ein richtig gutes Spiel gemacht, waren brutal giftig“
Daniel Beichler (Cheftrainer FC Red Bull Salzburg) über…
…das Spiel:
„In allererster Linie haben die Jungs ein richtig gutes Spiel gemacht, waren brutal giftig. Es war jetzt kein mega-attraktives Spiel, aber es ist zur Sache gegangen. Natürlich ist es ein unfassbar unnötiger Zeitpunkt, so kurz vor der Pause das Gegentor zu bekommen. Da waren die Köpfe schon unten. Die Jungs haben es dann aber gut gemacht. Alles in allem hätten wir uns heute den Sieg verdient.“
„Es war nicht das Spiel für Kerim Alajbegovic heute“
…Kerim Alajbegović:
„Kerim ist ein unfassbar guter Spieler, hat Mega-Qualitäten. Er ist auch ein super Junge, in dem Alter schon so weit und so reif. Ich bin ganz ehrlich. Wir haben wirklich überlegt, den Kerim heute zu bringen, aber es war nicht das Spiel für Kerim Alajbegovic heute.
Der Junge ist super, wir forcieren ihn auch. Er wird gegen Hartberg wieder eine große Rolle spielen. Da ist das Spiel auch komplett ein anderes. Dieses Spiel heute ist ihm nicht auf den Leib geschneidert gewesen.“
„Trainer sind in den letzten Jahren genug getauscht worden und es ist komischerweise nicht besser geworden“
Marcus Mann (Geschäftsführer Sport FC Red Bull Salzburg) über…
…die Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität in Salzburg (vor dem Spiel):
„Die Gefahr hat man in Salzburg immer, dass man viel mit den erfolgreichen Jahren verbindet. Ich habe immer gesagt, dass wir realistisch sein müssen. In den letzten zwei Jahren gab es auch keinen Titel. Die Zeiten sind jetzt erstmal vorbei. Wir werden hart daran arbeiten, dahin wieder zurückzukommen, aber die Realität sieht im Moment anders aus.
Wenn man dann vier Spiele lang kein Tor schießt, ist der Hauptgrund einfach zu finden. Dass es dann noch andere Gründe gibt und irgendwann der Kopf dazukommt und wir eine sehr junge Mannschaft haben, das kommt definitiv auch dazu.“
…die Trainerdiskussion:
„Wir müssen in Salzburg aufpassen, dass wir immer nur über den Trainer reden. Trainer sind in den letzten Jahren genug getauscht worden und es ist komischerweise nicht besser geworden. Offensichtlich muss es auch andere Gründe haben, warum man nicht wieder in die Spur findet. Daniel [Beichler] hat sehr gute Arbeit bei Liefering gemacht, macht auch jetzt einen sehr aufgeräumten Eindruck, bereitet die Mannschaft gut vor.
Er ist nicht der Grund dafür, warum wir die letzten vier Spiele nicht gewonnen haben. Am Ende müssen die Spieler den Ball über die Linie schießen, da kann draußen stehen wer will. Wir müssen schauen, dass wir andere Probleme in den Griff bekommen und nicht immer über den Trainer diskutieren, weil das haben die letzten zweieinhalb Jahre gezeigt, dass es nicht immer nur der Trainer ist.“
Der 23-jährige Deutsche Frans Krätzig agierte im Spiel beim SK Sturm Graz diesmal nicht als Linksverteidiger, sondern weiter vorne im linken Mittelfeld.
„Es ist kein Leckerbissen gewesen“
Frans Krätzig (Außenspieler FC Red Bull Salzburg) über…
…das Spiel:
„Es ist kein Leckerbissen gewesen. Beide Mannschaften haben versucht, lang die Ketten zu überspielen, die schnellen Spieler vorne einzusetzen. In der ersten Halbzeit haben wir ein gutes Spiel gemacht, hätten das eine oder andere Tor machen können, waren klar überlegen. In Summe geht das 1:1 aber schon in Ordnung.“
…das Gegentor:
„Das darf uns nicht passieren so einfach. Standards sind dieses Jahr nicht so unser Ding. Da müssen wir besser werden. Es war aber schon gut, mal wieder en Tor zu machen. Das hat gut getan. Das hat man auch am Spiel gesehen.“
…die ungewohnte Position im zentralen Mittelfeld:
„Ich bin überall gut zuhause. Hauptsache ich stehe auf dem Fußballfeld.“
„Müssen nicht unbedingt wie der FC Barcelona spielen“
Alexander Schlager (Torhüter FC Red Bull Salzburg) über…
…das Spiel:
„Es war ein sehr intensives Spiel, wo nicht unbedingt das Fußballspielen im Vordergrund gestanden ist, auch für uns nicht. Da muss man ganz ehrlich sein. Wir haben gesagt, dass wir Paroli bieten wollen, schnell nach vorne spielen und von den zweiten Bällen weg Fußball spielen. Das ist uns in der einen oder anderen Situation ganz gut gelungen. So haben wir ihnen großteils das Leben schwer machen können. In der zweiten Halbzeit war es ein bisschen ausgeglichener, aber in der ersten Halbzeit haben wir einen super Job gemacht.“
…warum bei Salzburg das Fußballspielen nicht mehr so im Vordergrund stehe:
„Ich glaube, dass es eh interessant zum Zuschauen war. Wir kommen aus einer Phase, wo wir nicht unbedingt wie der FC Barcelona spielen müssen, sondern wo andere Tugenden zählen. In der Meistergruppe zählt jedes Spiel. Wenn du dann ergebnistechnisch nicht so gut drauf bist, musst du über andere Wege ins Spiel finden.“
…den anstehenden Lehrgang mit dem Nationalteam:
„Ich freue mich generell, weil es eine sehr lange Zeit ist, seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben. Deswegen kann ich es kaum erwarten, dort hinzureisen und eine schöne Woche mit den Jungs zu verbringen.“

Tor-Comeback! Nach vier Spielen ohne eigenen Torjubel platzte heute zumindest wieder der Knoten, traf Yorbe Vertessen zur 1:0-Führung der Salzburger. Und zwar mit einem Kunstschuss aus spitzem Winkel mit links ins linke Kreuzeck. Zumindest dieser Treffer war das Eintrittsgeld wert.
„…da steht meiner Meinung nach nicht nur das Sportliche im Vordergrund“
Andreas Herzog (Sky Experte) über…
…das Spiel:
„Es war umkämpft. Jeder Spieler hat sich zu hundert Prozent reingehaut. Wir reden aber von einem Spitzenspiel. Wenn ich dann aber von 54 und 56 Prozent Passgenauigkeit lese, das heißt wenn 500 Pässe gespielt werden, ist er 240 Mal beim Gegner. Wir reden von Fußballspielen, nicht von hin und her schießen. Die zwei jungen Trainer werden eine ganz andere Meinung haben, eine andere Idee.
Die müssen schauen, dass sie ihre Mannschaften wieder in die Spur bringen bzw. die Tabellenführung behaupten. Beide können mit dem Unentschieden gut leben. Salzburg hat endlich wieder ein Tor geschossen, war in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft. Wenn wir im Fußball aber international wieder ein bisschen eine Anerkennung haben wollen, dann müssen diese Spitzenspiele nicht nur emotional und intensiv sein, sondern auch ein bisschen mehr spielerische Qualität haben.
Wir reden in Österreich immer nur von Intensität. Die guten Mannschaften spielen alle mit Intensität, aber da hat jeder hinter jedem Pass eine Idee und schießt ihn nicht nur irgendwie hoch vor und rauft um den zweiten Ball. Das ist mir einfach zu wenig. Ich denke an ein gerechtes Unentschieden, aber ein bisschen mehr spielerische Qualität werden wir in Zukunft brauchen.“
…Red Bull Salzburg:
„Die Qualität ist da, darum bin ich auch so kritisch. Das sieht man in vielen Situationen, wie sie sich gut rauskombinieren und schnell nach vorne spielen können. Die eine Situation, wo der Baidoo einfach nur mit der Innenseite den Ball ins leere Tor schieben muss, dann steht es 2:0 und dann gewinnst du solche Spiele.
Das wäre genau das, was Red Bull Salzburg in dieser Situation gebraucht hätte. Im Endeffekt ist es aber typisch für ihre Situation. Sie machen hinten einen kleinen Fehler und schon kommt aus einem Einwurf der Ausgleich.“
…den Nichteinsatz von Salzburgs Kerim Alajbegovic:
„Das kann ich von außen schwer beurteilen. Er hat seine Qualitäten. In einer Phase, wo Salzburg einen Spieler braucht, der den Unterschied ausmachen kann, auch schon öfters ausgemacht hat, den dann gar nicht zu bringen, da steht meiner Meinung nach nicht nur das Sportliche im Vordergrund.
Da will der Daniel Beichler eine Mannschaft, die von der ersten bis zur letzten Minute fightet. Alajbegovic wäre halt der Spieler, der einmal ein, zwei Spieler aussteigen lässt und dir dann den Ball ins Kreuzeck haut. Das ist halt das, was ich gerne sehe. Es wird alles seine Gründe haben.“
Siehe auch:
Rückkehr fix: Bayer Leverkusen zieht Option bei FC Red Bull Salzburg-Talent
SK Sturm-Statements nach „Ping-Pong-Spiel“ gegen FC Red Bull Salzburg
Torsperre beendet! FC Red Bull Salzburg remisiert beim SK Sturm Graz
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Statement-Quelle: Sky Sport Austria
Fotocredit: FC Red Bull Salzburg by Getty