Stand: 21.03.2026 06:00 Uhr

Uli Pforr liebt es knallig und skurril. Am liebsten malt der Künstler Typen, die bunt sind wie das Hamburger Nachtleben. Auch Pforr selbst ist ein echtes Unikat, wie man bei einem Besuch in seinem Hamburger Atelier feststellen kann.

von Kathrin Brinkmann

Wenn Uli Pforr zum Pinsel greift, wird’s knallig. Und punkig! Skurrile Typen, Freaks und Originale, gerne trinkfest – oder mit einem Joint unterwegs. „Obwohl ich selber fast nie gekifft habe, weil ich dann immer einer derjenigen war, die rausgetragen werden mussten, während die anderen noch fit und fröhlich waren“, sagt Pforr.

Man könnte fast meinen, der Uli war mal so ’ne Art Partykönig des Hamburger Nachtlebens. „Vielleicht, weil ich mich auch selber immer so ein bisschen anders gefühlt hab. Oder auch so ’ne Art schräge Person schon war im Inneren. Und da war dann diese knallige Mischung aus Leuten, die mich irgendwie fasziniert haben.“

Vom Landei zum Szenebeobachter

Uli Pforr beim Malen mit Acrylfarben auf einer schwarzen Leinwand

Uli Pforr schwingt den Pinsel auf Leinwand

Denn eigentlich ist er ein Landei, kommt aus der Nähe von Flensburg. Zum Kunststudium zieht er nach Hamburg. Doch das Nachtleben und alles ist irgendwann zu viel für Uli. Ängste und Panikattacken – er landet in der Psychiatrie. „Als ich da reinkam, war eigentlich klar, dass das meine Abschlussprüfung sein muss. Weil das ja auch genau das Ding, was mich daran gehindert hat, in die Uni zu gehen. Und wie es da so abging, das war schon wie in einem Comicfilm, wie man ihn nicht besser zeichnen könnte.“ Sein Comic wurde anschließend sogar als beste Abschlussarbeit seines Jahrgangs gekürt.

Schräge Typen, Punks und Underdogs, die malt Uli Pforr bis heute, auch wenn er mittlerweile etwas häuslicher geworden ist. Die Motive schöpft er gern aus den Erinnerungen: „Das wird jetzt eine resolute große Punkfrau, die dann einen kleeenen Punkmann trifft. First date! Und er gibt ihr Feuer und mal sehen, was passiert. Ob es noch ein fröhlicher Abend wird!“

Unerschöpfliche Fantasie und knallige Acrylfarben

Seine Fantasie, schier unerschöpflich. Dralle Körper, große Brüste in knalligen Acrylfarben. Unverkennbar, Uli Pforr. „Gibt ja nicht nur immer nur große Brüste. Manchmal sind das ja auch kleene Brüste mit großem Bauch – ich hab ja alles gemischt immer – aber irgendwas ist dann immer so ein bisschen verschroben. Auf keinen Fall hab ich diese gelackten aalglatten Frauen!“

Seine Bilder sind überzeichnet, entlarvend. Kritiker verglichen den Hamburger Szenemaler schon mit Otto Dix und Dadaist George Grosz. Uli Pforr, ein Maler mit politischer Haltung. Ein rebellischer Geist. „Dieses Punkartige symbolisiert ja immer so dieses Tolerante, Freiheitsdenkende und auch Anarchistische. Jeder macht so sein Ding halt, ohne dass irgendwelche Diktatoren dazwischenfunken.“

Großes Wandgemälde mit drei auf einer Bank sitzenden Menschen vor einem großen Gemälde mit einer Figur mit geöffnetem Mund

Duwes Bilder hielten der Bundesrepublik einen gnadenlos ehrlichen Spiegel vor – und wirken heute aktueller denn je.

Nicht nur Szeneporträts im Angebot

Nicht Feindbild, dafür aber ein großer Fan ist Kundin Jutta Linke. Sie wünscht sich ein Familienporträt von Uli. Noch ist es nicht fertig. Doch heute darf sie schon mal gucken. Mittelpunkt des Bildes: das alte Familienauto, das inzwischen verschrottet ist.

„Wir waren uns einig, der muss für die Ewigkeit erhalten bleiben und da haben wir natürlich an Uli gedacht, weil Uli kann so was. Und ich freue mich unglaublich, auch wenn es noch nicht fertig ist.“