Chekov hat die Regler abgestaubt und Sulu den Monitor geputzt, Uhura hat eine Festkonferenz der Sternenflotte einberufen und McCoy einen Spezialcocktail mit verblüffender 42%-Alkohol-Simulation gebraut. Scotty lässt die Turbinen jaulen, Spock hebt fast liebevoll die Augenbraue: Einen Geburtstag von Captain James T. Kirk lässt sich die Crew nicht entgehen. Wo aber ist Kirk? Der rennt allein auf dem Planeten Pollux V herum, um das geheimnisvolle graue Loch der Alterslosigkeit zu inspizieren.

Alles Spaß, obwohl: So haben sie ihn am Set vielleicht immer am 22. März gefeiert, ihren Captain, ihren Kirk. Heute sind nur noch die leibhaftigen Navigatoren Chekov und Sulu unter den Lebenden – und er selbst, der große William Shatner. 95 Jahre alt wird er, doch glaubt man es kaum, wenn man ihn erlebt: geistig hellwach, mit jenem verschmitzten Humor, der schon in den 1960er-Jahren Millionen Fans eroberte. Shatner ist längst mehr als der Mann, der den Kirk in „Raumschiff Enterprise“ spielte. Und doch: Diese Rolle bleibt das Zentrum seines Lebens, der Fixstern, um den all seine anderen Karrieren – als Schauspieler, Sänger, Autor, Weltraumreisender – bis heute kreisen.

Im Jahr 1966, als Gene Roddenberry seine Vision einer humanistischen Zukunft auf die Bildschirme brachte, war Shatner ein 35-jähriger kanadischer Bühnenschauspieler mit Shakespeare-Erfahrung. Er verlieh der Figur des Kirk etwas, das über die damalige Science-Fiction hinauswies: Führungsstärke mit ironischem Charme, Pathos mit Wärme, Abenteuerlust mit moralischem Kompass, spontane erotische Entflammbarkeit und höhere Sittlichkeit. Kirk handelte aus dem Bauch, riskierte alles für seine Crew – und verkörperte ein Amerika, das noch an Fortschritt glaubte. Eines seiner Kommandos stand stets sinnbildlich für sein Leben: „Energie!“

Später, in den „Star Trek“-Filmen der Achtziger, gab Shatner sich zunehmend selbstironisch, machte aus Kirk einen gereiften Helden, der über die Kosten seiner Abenteuer nachdenkt. Kaum ein anderer Seriencharakter wurde so alt mit Würde – und mit Augenzwinkern. Als er zwei Gastspiele bei „Columbo“ gab, war selbstverständlich er der Mörder. Man erlebte ihn und Peter Falk als Giganten, die aneinander ihre Freude hatten.

Dass Shatner 2021 tatsächlich ins All flog, als 90-jähriger Tourist an Bord einer „Blue Origin“-Rakete von Jeff Bezos, war mehr als ein PR-Gag. Es war der schönste Moment kollektiver Fiktionen: Captain Kirk, der plötzlich wirklich zwischen den Sternen stand – nicht als Figur, sondern als Mensch. Nach der Landung sprach er bewegt von der „tiefen Traurigkeit“ angesichts der irdischen Zerbrechlichkeit. Heute ist er eine lebende Ikone. Er singt Country-Songs, schreibt Bücher, dreht Dokus – und bleibt vor allem ein Symbol unbeirrbarer Neugier auf das Unbekannte.

Wir gratulieren von Herzen und stellen uns vor, wie Shatner im satten Geburtstagsglück und im Rausch der Alterslosigkeit vor dem Zurückbeamen von Pollux V in sein Funkgerät ruft: „Kirk an Enterprise: Ich geb‘ einen aus!“ Was antwortet die Brücke: „O Captain! Unser Captain!“