Im Prinzip haben Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius natürlich recht: Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran ist nicht unser Krieg.
Weder Deutschland noch Europa waren in die Vorbereitung eingebunden. Sie wurden nicht konsultiert, und bis die ersten Bomben fielen, waren sie nicht einmal informiert.
Es ist daher nachvollziehbar, wenn europäische Regierungschefs betonen, dass sie für die Konsequenzen dieses Krieges nicht in Haftung genommen werden wollen – zumal immer deutlicher wird, wie katastrophal schlecht er vorbereitet war.

Peter R. Neumann ist Professor für Sicherheitsstudien am King’s College in London und gehört zu den führenden Islamismus-Experten.
Doch so verständlich diese Abgrenzung ist, sie greift zu kurz. Mittel- und langfristig werden Deutschland und Europa den Folgen dieses Krieges nicht entkommen – und damit auch nicht der Verantwortung, mit ihnen umzugehen. Denn was derzeit im Nahen Osten geschieht, betrifft uns unmittelbar.
Die Schließung der Straße von Hormus hat bereits jetzt eine massive Energiekrise ausgelöst. Preise steigen, es ist absehbar, dass sich dies sehr bald in höherer Inflation niederschlagen wird. Die ohnehin fragile wirtschaftliche Erholung in Europa könnte schlagartig enden.
Hinzu kommen die sicherheitspolitischen Folgen. Europa ist keine Insel. Die Erfahrungen der vergangenen zwei Jahrzehnte zeigen, wie schnell Konflikte in der Nachbarschaft auf unseren Kontinent ausstrahlen – etwa durch Fluchtbewegungen, Instabilität und Terrorismus.
Sollte am Ende ein geschwächtes, aber verbittertes Regime in Teheran stehen, könnten die Risiken sogar noch größer sein als zuvor.
Peter R. Neumann
Ein Flächenbrand im Nahen Osten wird nicht an Europas Grenzen haltmachen. Sollte am Ende ein geschwächtes, aber verbittertes Regime in Teheran stehen, könnten die Risiken, die von ihm ausgehen, sogar noch größer sein als zuvor.
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Gerade deshalb reicht es nicht, sich politisch zu distanzieren. Wir können jetzt schon einiges tun, um unsere Partner in der Region – etwa die Golfmonarchien – bei ihrer Verteidigung zu unterstützen. Luftabwehr, Aufklärung und maritime Sicherung sind Bereiche, in denen Europa unmittelbar helfen kann, ohne selbst Kriegspartei zu werden.
Selbstverständlich hat Europa auch eine Rolle, wenn es hoffentlich bald zu einem Waffenstillstand kommt. Dass dieser hält und nicht rasch wieder in Gewalt umschlägt, ist von überragendem globalem Interesse. Europa sollte dazu beitragen – politisch, diplomatisch und, wo nötig, auch militärisch.