Sean Penn hat am vergangenen Wochenende seinen dritten Oscar als Bester Hauptdarsteller gewonnen. Doch statt im Dolby Theatre in Los Angeles den Preis für One Battle After Another entgegenzunehmen, reiste Penn in die kriegsgebeutelte Ukraine. Das fasst sein hin- und hergerissenes Verhältnis zu Hollywood ganz gut zusammen. Denn viele wissen vermutlich nicht, dass der Schauspieler, Regisseur und Aktivist eigentlich ein Kind Hollywoods ist. Schon sein Vater arbeitete in der Filmindustrie, doch wurde Leo Penn zum Opfer der sogenannten Hollywood-Blacklist. Das beeinflusste auch seinen Sohn nachhaltig.
Sean Penn über seinen Vater: „Er war ein Patriot durch und durch“
Als Sean Penn 1960 in Santa Monica, Kalifornien, geboren wurde, kämpfte sein Vater Leo bereits mit einem jahrelangen inoffiziellen Berufsverbot als Schauspieler in Hollywood. In einem sehr persönlichen Artikel beim Hollywood Reporter schrieb sein Sohn 2012 über die Geschichte seines Vaters, der als hochdekorierter Veteran aus dem Zweiten Weltkrieg in seine Heimat zurückkehrte, „Er war ein Patriot durch und durch“, schrieb Penn damals und weiter:
Er spielte Hauptrollen am Broadway und in Hollywood. Dann stürzte der Himmel ein.
Leo Penn unterstützte Hollywoods Gewerkschaften und verweigerte die Aussage vor dem sogenannten Komitee für unamerikanische Umtriebe (HUAC), dessen Hexenjagd ein Klima der Angst und Paranoia heraufbeschwörte. Zahlreiche Filmemachende wurden wegen der Suche nach vermeintlichen Kommunist:innen auf eine schwarze Liste gesetzt und von Studios und Berufsverbänden fallengelassen. Für seine Haltung wurde Leo Penn mit einem Berufsverbot belegt. Sein Sohn dazu:
[Er] wurde er von Drückebergern (unter ihnen Ronald Reagan) auf die schwarze Liste gesetzt und von ebenjenem Land mit einem Arbeitsverbot für Spielfilme belegt, für das er nur wenige Jahre zuvor sein Leben riskiert hatte.
Wie bei so vielen anderen Opfern der antikommunistischen Hetze gibt es auch in der Vita von Leo Penn einen krassen Bruch. Bis 1949 spielte er in Kinofilmen mit, dann war Schluss.
„Es war das erste Mal, dass ich erlebte, wie mein Vater jemanden ignorierte“
Leo Penn baute sich eine zweite Karriere als TV-Regisseur auf. In dem Artikel beschreibt Sean Penn, wie er in den 70ern mit seinem Vater dem Regisseur Elia Kazan (Jenseits von Eden und Endstation Sehnsucht) über den Weg lief. Kazan hatte 1952 vor dem HUAC ausgesagt, Kolleg:innen denunziert und damit deren Karrieren zerstört:
Ich erinnere mich, wie ich als Kind mit meinem Vater einen Strandpfad entlangging und wir zufällig auf das Set von Elia Kazans Der letzte Tycoon (1976) stießen. Mein Vater und Kazan hatten vor der Zeit der Schwarzen Liste zusammengearbeitet und einander gekannt. Nach all den Jahren erkannte Kazan ihn und rief seinen Namen. Es war das erste Mal, dass ich erlebte, wie mein Vater jemanden ignorierte.
Die Academy of Motion Pictures Arts and Sciences (AMPAS) zeichnete Elia Kazan trotzdem 1999 mit einem Ehrenoscar für sein Lebenswerk aus.
Auch interessant:
Sean Penn sieht eine Mitschuld bei der Academy
Über die Verantwortung der Academy, die ihn damals, als er den Artikel verfasste, schon zweimal mit dem Oscar ausgezeichnet hatte, schrieb Sean Penn 2012:
Bis heute hat die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ihre Mitschuld an der beschämenden Hexenjagd der 1950er Jahre, der sogenannten Schwarzen Liste, nicht klar anerkannt.
Tatsächlich konzentriert sich die Aufarbeitung der Hollywood-Blacklist bei der Academy einerseits auf die Wiederherstellung von Credits von Filmemachenden, die beim Oscar-Sieg auf der Schwarzen Liste standen, und andererseits auf Ausstellungen, Filmreihen und Ähnliches. Die Academy hat sich für ihren Umgang mit der Blacklist und dem HUAC-Komitee nie entschuldigt; anders als Gewerkschaften wie die Screen Actors Guild oder die Directors Guild, die sich bereits 1997 bei betroffenen Filmemachenden entschuldigt hatten.
Ein thematisch ähnlicher Artikel ist zuvor bei unserer Schwesternseite Espinof erschienen.