Feiertage in Wacken soll es auch in diesem Sommer wieder geben: Das Wacken Open Air (WOA) 2026 begeht mit seiner 35. Ausgabe ein inoffizielles Jubiläum. Von Mittwoch bis Samstag, 29. Juli bis 1. August, gibt es eine Woche lang wieder Musik auf neun Bühnen für 85.000 Besucher. Und es soll wieder für jeden Metalfan etwas dabei sein. Rund 200 Bands sind bei einem WOA nicht ungewöhnlich, aktuell sind es 151, die bekanntgegeben wurden.

Da den Durchblick zu behalten, ist nicht immer einfach, zumal zuletzt gleich 49 neue Bands auf einmal veröffentlicht wurden. Während die Headliner mit Def Leppard (UK), In Flames (Schweden) und Savatage (USA) schon feststehen, sind die jetzt nominierten Bands Formationen, die zu geringem Teil auf den Hauptbühnen, je nach Genre aber auf den zahllosen Nebenbühnen auftreten.

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Die Liste liest sich wie ein kleiner Roadtrip vom Zentrum bis an die vielen Ränder des Metal. Um für Klarheit zu sorgen, sortiert man die Bands nach ihren musikalischen Wurzeln – so entsteht ein lebendiges Bild davon, wer den Metal trägt, wer ihn bereichert und wer eher als bunter Farbtupfer im Wacken-Line-up daherkommt:

Reunion und Premiere: Sabina Classen (eigentlich Sängerin von Holy Moses) tritt erstmals mit ihrer Band Temple of the Absurd beim Wacken Open Air auf.
Foto: Ludger Hinz

Reunion und Premiere: Sabina Classen (eigentlich Sängerin von Holy Moses) tritt erstmals mit ihrer Band Temple of the Absurd beim Wacken Open Air auf.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Die düstere Seite: Extreme, Gothic und Dark Metal

Eine der bekanntesten deutschen Gothic-Metal-Bands mit deutlichen Dark- und Industrial-Einflüssen ist Crematory (Mannheim). Im härteren Spektrum wüten auch Bands wie Arroganz (Hannover), die seit 2008 kompromisslosen Black-/Death-Metal spielen – roh, unversöhnlich, nichts für schwache Nerven. 9mm Headshot (Deutschland), Heartless Human Harvest (D), Saviourself (D), Deafhaven (USA) und Cursed Abyss (D) sowie Expellow (D) bewegen sich ebenfalls in den extremen Zonen und halten die Underground-Ader des Metals am Schlagen. The Other (Köln), 2002 gegründet, bringen Horror-Punk mit viel Theatralik und Metal-Attitüde ein. Year of the Goat (Schweden) wiederum verbinden okkulten Hardrock mit düsterer Atmosphäre.

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Die Traditionellen: Folk-, Pagan- und Power-Metal

Hier stehen die Bands, die im angrenzenden Bereich des Metal-Kosmos Gewicht haben. Cruachan aus Dublin zum Beispiel, seit 1992 aktiv, gehören zu den Erfindern des Celtic Folk Metal. Sie erzählen irische Mythen mit verzerrten Gitarren und Tin Whistle. Finsterforst, 2004 im Schwarzwald gegründet, wirken dagegen wie Naturgewalten: lange, epische Pagan-Metal-Stücke, die nach Wald, Nebel und nassen Stiefeln klingen. Und Lovebites aus Tokio, seit 2016 unterwegs, zeigen mit blitzschnellen Gitarren und einer kraftvollen Frontfrau, dass Power Metal auch fernab Europas glänzen kann. Ebenso sind Visions of Atlantis (Österreich) und Wytch Hazel (UK) in dieser Kategorie unterwegs.

Gehört fest ins lieb gewonnene Rahmenprogramm des WOA: die Dauerbrenner-Band Skyline, die von WOA-Veranstalter Thomas Jensen mitgegründet wurde. Auch sie ist 2026 wieder dabei.
Foto: Ludger Hinz

Gehört fest ins lieb gewonnene Rahmenprogramm des WOA: die Dauerbrenner-Band Skyline, die von WOA-Veranstalter Thomas Jensen mitgegründet wurde. Auch sie ist 2026 wieder dabei.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Die Zwischenwelten: Crossover, Folkrock und Grenzgänger

Temple of the Absurd (Hamburg), das Projekt von Sabina Classen (Sängerin von Holy Moses), mischt Thrash, Punk und Alternative-Elemente und tritt in seiner Reunion erstmals in Wacken auf. Dirty Shirt (Rumänien) mixen Hardcore mit rumänischer Folklore: live ein wilder, tanzbarer Wirbelwind. Manntra (Kroatien) verbinden Industrial-Rock mit Balkan-Einflüssen und haben sich damit eine eigene Nische geschaffen. Minotaurus (Aschaffenburg), Sagenbringer (D) und Trold (DK) bewegen sich im Folk-/Mittelalter-Spektrum, das thematisch nah genug ist, um hier mitzuschwimmen. Evil Jared & Krogi (D/USA) mit dem Bassisten der Bloodhound Gang (USA) bringen Crossover-Chaos-Entertainment und Tuxedoo (Österreich) wiederum Alpen-Metal-Humor ins Spiel: nicht tiefgründig, aber unterhaltsam.

Die Angrenzenden: Rock, Alternative und metalferne Acts

Angrenzend oder ganz am Rand stehen Bands, die musikalisch wenig mit Metal zu tun haben, aber trotzdem interessant sind. Instrumentalen Progressive Metal bringen Animals As Leaders (USA) ins Spiel; während Stonem, Velvet Rush, Wüstenberg, Black Tish sowie 5th Avenue (alle D) solide Rock- oder Hard-Rock-Acts sind. The Limit (USA) bedienen Garagen-/Punk-Rock, während Alien Rockin’ Explosion (Spanien) eher ein Comic-Rock-Show-Konzept als eine Metal-Band ist. Deutschrocker wie Kärbholz passen vielleicht noch irgendwie zum Metal, Alternative-Acts wie Alien Ant Farm (USA) hingegen grenzen schon an Crossover.

Dieter „Maschine“ Birr, die Stimme der Puhdys, ist eine respektierte Legende des Deutschrock. Und die Zeltinger Band von Sänger Jürgen Zeltinger (71) ist bereits seit den 80er Jahren mit ihrem Punk-Rock in rauem Straßendeutsch unterwegs. Metaklapa, ein kroatisches A-cappella-Projekt, das Metal-Songs ohne Instrumente interpretiert, ist ein charmanter Farbtupfer. Und wer auf Battlestar Galactica und God of War steht, für den bietet Bear McCreary, Komponist für Soundtracks, genau das Richtige, wenn auch keinen Metal.

Die Skurrilen: Wacken-Dauergäste

Zwischen all den ernsthaften Genre-Schwergewichten wirken die vier Wacken-Dauergäste Skyline, Wacken Firefighters, Mambo Kurt (alle D) und Blaas of Glory (NL) wie Figuren aus einem Paralleluniversum, das zufällig im selben Festivalprogramm gelandet ist. Zusammen bilden sie das skurrile, aber lieb gewonnene Rahmenprogramm des WOA.

So zeigt diese Wacken-Band-Liste, wie bunt und weit verzweigt der Metal-Kosmos inzwischen ist, sodass jeder das Passende für sich finden kann.

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