Seit dem 19. März können sich Sci-Fi-Fans in ein atemberaubendes Weltraum-Abenteuer stürzen, in dem Ryan Gosling nichts weniger als die Auslöschung der Menschheit verhindern muss. Der Astronaut – Project Hail Mary basiert auf einer gefeierten Romanvorlage von Der Marsianer-Autor Andy Weir, die über eine Laufzeit von 156 Minuten hinweg erstaunlich buchgetreu verfilmt wird.
Doch bei genauerer Betrachtung weicht ausgerechnet der Abschluss der Geschichte von Ryland Grace und Alienfreund Rocky in entscheidenden Punkten von der Vorlage ab. Fans von Andy Weirs Der Astronaut werden am Ende einiges vermissen – zum Beispiel Kannibalismus!
Achtung, es folgen Spoiler zu Der Astronaut:
Buch vs. Film: Das Ende von Der Astronaut wurde gekürzt
Auf den ersten Blick folgt die Verfilmung von Regie-Duo Phil Lord und Christopher Miller trotz kleinerer Änderungen den gleichen Story-Pfeilern der Vorlage und gelangt im Finale ans selbe Ziel. Aber auf den letzten Metern schaltet der Sci-Fi-Blockbuster in den Turbogang und ignoriert so manchen weiteren Twist des Romans.
Das Ende von Der Astronaut haben wir euch bereits in einem anderen Artikel ausführlich erklärt, aber hier nochmal die Kurzfassung:
Als Ryland Grace sich auf dem Heimweg befindet, um die Sonne und dadurch auch die Erde mithilfe der gezüchteten Taumöben vor den Astrophagen zu retten, realisiert er, dass sich der Mikroorganismus vom Planeten Adrian verändert hat und in der Lage ist, Materie aus Xenonit zu fressen. Da Rockys Schiff, die Blip-A, komplett aus Xenonit besteht, tritt Grace eine folgenschwere Entscheidung: Er entsendet die Taumöben mithilfe der Beatles-Kapseln zur Erde und kehrt um, um seinen besten Freund im Universum zu retten – ohne Hoffnung auf eine Rückkehr.
Nach einem Zeitsprung enthüllt sich Graces Schicksal: Er reiste mit Rocky auf dessen Heimat Erid und lebt dort in einem von den Eridianern für ihn erbauten Biodom. Obwohl die Erde gerettet ist, will er nicht zurückkehren, da er hier eine Bestimmung und Freunde gefunden hat: Er unterrichtet als Lehrer junge Eridianer.
In der Vorlage von Andy Weir durchläuft die Handlung am Ende dieselben Etappen. Die Verfilmung lässt allerdings viele Details aus und überspringt einige hochemotionale sowie witzige Szenen. Die größte Veränderung dabei: Da das Buch aus Graces Perspektive erzählt ist, wurde im Film eine Szene mit einer älteren Eva Stratt (Sandra Hüller) hinzugefügt, die dem Publikum verdeutlicht, dass die Taumöben angekommen sind und die Erde gerettet werden konnte. Ob Stratt überhaupt noch am Leben ist, bleibt im Buch hingegen offen.
Der Astronaut verzichtet auf Taumöben-Snacks und Weltraum-Kannibalismus
Sobald Grace zu Rockys Rettung eilt, arbeitet die Vorlage präziser heraus, welches Opfer der Astronaut gerade erbracht hat. Tatsächlich glaubt er, hiermit sein Todesurteil unterschrieben zu haben. Seine Nahrungsvorräte reichen nicht mehr für eine Rückkehr zur Erde und auch ein Überleben auf Erid scheint nicht möglich, da auf Rockys Planet keinerlei Nahrungsmittel existieren, die einen Menschen am Leben halten könnten. Denn alles dort enthält giftige Schwermetalle.
Während die Tränen der Lesenden gerade noch auf den Buchseiten trocknen, springt auch Andy Weir zu Graces neuem Leben auf Erid. Dabei erfahren wir allerdings noch mehr spannende Details, wie sein Überleben möglich wird. Zuerst kommt das Weltraum-Duo auf die zündende Idee, dass ausgerechnet Taumöben Grace mit den nötigen Kalorien versorgen können. Nährstoffreich sind sie jedoch nicht, was zu schweren Krankheiten wie Skorbut und Beriberi führt.
Auf Erid wird Grace als Held gefeiert. Nicht nur wurde dem Mensch-Alien ein Biodom errichtet, in dem er abseits der ansonsten tödlichen Atmosphäre überleben kann, auch die Wissenschaftler des Planeten forschen eifrig an seiner weiteren Lebenserhaltung durch synthetisch hergestellte Vitamin-Shakes. Den wildesten Twist der Geschichte enthält uns die Verfilmung von Der Astronaut vor: Den Eridianern gelingt es, einen Fleischersatz aus Graces eigenem Muskelgewebe zu klonen.
Am Ende der Geschichte ist Grace weit über ein Jahrzehnt älter, spricht
fließend Eridianisch und ist aufgrund der höheren Schwerkraft gebrechlich. Die sogenannten Ich-Burger halten ihn am Leben. Für ein Leben an der Seite seines besten Freundes nimmt man doch gern ein wenig Kannibalismus in Kauf, oder?
Mit einer Laufzeit von 156 Minuten ist Der Astronaut bereits ein gewaltiges Science-Fiction-Brett. Eine Verfilmung des kompletten Buchendes hätte die Adaption wohl locker über die 3-Stunden-Marke hinausgebracht und mit weiteren emotionalen Twists aufgeladen, die für einen einzigen Spielfilm vielleicht zu viel gewesen wären.
Der Astronaut – Project Hail Mary läuft seit dem 19. März 2026 in den deutschen Kinos.