Proxima Centauri bDer uns nächste Exoplanet Proxima Centauri b liegt in der habitablen Zone. Kann es auf ihm flüssiges Wasser und lebensfreundliche Bedingungen geben? © ESO/ M. Kornmesser, CC-by 4.0
45 Kandidaten auf der Shortlist

Die resultierende Liste umfasst 45 Exoplaneten, die in der habitablen Zone ihrer Sterne kreisen und erdähnlich sind. Von diesen bewegen sich 24 im zentralen Bereich der lebensfreundlichen Zone, zehn dieser Erdzwillinge könnten ein besonders erdähnliches Klima besitzen. Denn sie erhalten etwa genauso viel Strahlung und Wärme von ihrem Stern wie unser Planet, wie Kaltenegger und ihre Kollegen ermittelten.

Zu diesen zehn Kandidaten in der engeren Wahl gehören der innerste Planet unseres nächsten Nachbarsterns Proxima Centauri und auch TRAPPIST-1e, einer der sieben Gesteinsplaneten um einen nur 40 Lichtjahren entfernten Roten Zwerg. Jüngsten Beobachtungen zufolge könnte dieser Erdzwilling eine Atmosphäre besitzen – wenn auch keine erdähnliche. Ebenfalls auf die Shortlist schafften es der 31 Lichtjahre entfernte Erdzwilling Wolf 1069b und der nur zwölf Lichtjahre entfernte Planet GJ 1061d.

Günstige Position für nähere Untersuchungen

Einige weitere Exoplaneten von der 45er-Shortlist könnten besonders gute Bedingungen für nähere Beobachtungen bieten. „Ein Ziel unseres Projekts war es, sagen zu können: ‚Hier sind die besten Beobachtungsziele‘,“ erklärt Koautor Gillis Lowry von der San Francisco State University. Dafür ermittelten die Astronomen, welche Erdzwillinge direkt abbildbar sein könnten oder deren Atmosphären gut durch spektrale Analysen erforscht werden können.
TRAPPIST-1Von den sieben Gesteinsplaneten um den nahen Stern TRAPPIST-1 haben es vier auf die Shortlist geschafft.© NASA/JPL-Caltech

Zu diesen priorisierten Beobachtungszielen gehören vier der sieben Erdzwillinge um TRAPPIST-1 und der ebenfalls rund 40 Lichtjahre entfernte Planet LHS 1140b. Sie ziehen direkt vor ihrem Stern vorbei und hinterlassen spektrale Signaturen in dessen Licht. Das ermöglicht eine nähere Charakterisierung ihrer Atmosphäre und auch das Aufspüren möglicher Biosignaturen.

Wo liegen die Grenzen der Habitabilität?

Die Liste der 45 Erdzwillinge umfasst aber auch einige Planeten, die am inneren oder äußeren Rand der habitablen Zone kreisen. „Die Beobachtung dieser Planeten kann uns helfen zu verstehen, wann Bewohnbarkeit verloren geht, wie viel Energie zu viel ist und welche Planeten bewohnbar bleiben – oder vielleicht nie bewohnbar waren“, erklärt Erstautorin Abigail Bohl von der Cornell University. „Das gleiche gilt für exzentrische Planeten: Wie viel Bahnexzentrizität kann ein Planet haben und dennoch Oberflächenwasser und bewohnbare Bedingungen behalten?“

Unter den Kandidaten sind zudem einige, deren Lebensfreundlichkeit trotz potenziell habitablen Bedingungen strittig ist. Denn gerade auf Roten Zwergen kommt es häufiger zu starken Strahlungsausbrüchen – auch bei Proxima Centauri ist dies der Fall. Diese Ausbrüche setzen nahe Planeten hohen Dosen energiereicher Strahlung aus, die für Organismen tödlich sein könnten. Auch dieser Faktor sollte daher näher erforscht werden, so die Astronomen. (Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, 2026; doi: 10.1093/mnras/stag028)

Quelle: Royal Astronomical Society







23. März 2026

– Nadja Podbregar