
Eine Halbzeit lang dominierte der VfB Stuttgart einen schwachen FC Augsburg beinahe nach Belieben. In Hälfte zwei zeigte sich der FCA dann klar verbessert, doch für einen Punktgewinn kam der Aufschwung viel zu spät.
Acht Heimspiele hatten die Augsburger in der Bundesliga zuletzt nicht mehr verloren, doch beim 2:5 (0:3) gegen den VfB Stuttgart verschlief die Elf von Manuel Baum den kompletten ersten Durchgang und ging nach zuletzt zwei Auswärtsniederlagen gegen Dortmund und Leipzig zum dritten Mal hintereinander als Verlier vom Platz.
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Deniz Undav gelang in der 12. Minute das erste Tor des Abends, Tiago Tomas (29.) und Nikolas Nartey (31.) legten noch vor der Pause für den VfB nach, der das Europa-League-Aus gegen Porto offenbar gut weggesteckt hatte. Fabian Rieder (57.) und Anton Kade (71.) erzielten in Hälfte zwei die beiden Augsburger Tore, unterbrochen wurden sie dabei allerdings noch von Undavs zweitem Treffer (58.), Ermedin Demirović setzte den Schlusspunkt (83.). Der VfB festigt durch den Erfolg Rang drei und bleibt auf Champions-League-Kurs, Augsburg bleibt als Zehnter im gesicherten Mittelfeld. „Wir sind erst Freitag zurückgekommen und dann hier in Augsburg, die seit acht Spielen nicht mehr zuhause verloren haben, in so einer Art das Spiel zu spielen und auch zu gewinnen ist beachtlich. Deswegen großes Kompliment an die Jungs“, sagte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß.
Stuttgart zaubert, Augsburg guckt zu
Die erste Chance des Spiels ging natürlich direkt auch auf das Konto der Gäste, Finn Dahmen konnte einen frechen Lupfer von Deniz Undav aus spitzem Winkel mit den Fingerspitzen so gerade noch über sein Tor lenken (3. Minute). Und Dahmen durfte direkt weitermachen: Wieder war der Winkel für die Stuttgarter zwar spitz, aber wieder musste der FCA-Keeper in höchster Not parieren – diesmal gegen Nartey.
Doch es deutete sich schon jetzt an, dass es ein sehr beschäftigungsreicher Sonntagabend für den 27-Jährigen im Augsburger Tor werden würde – und bei seinem nächsten Test konnte er das 0:1 dann auch nicht mehr verhindern. Der sehr auffällige Führich setzte links gut nach, bediente Angelo Stiller, dessen Flanke Dahmen etwas unorthodox genau vor die Füße von Undavs klärte. Der ließ sich das in seiner aktuellen Form natürlich nicht nehmen und erzielte sein 17. Saisontor.
Danach wurde es kurz etwas ruhiger, Stuttgart nahm den Turbo der ersten Minuten etwas heraus und schaute sich mal an, was die Gastgeber ihrerseits offensiv so anzubieten hatten. Die Antwort: Nicht viel. In der 25. Minute prüfte Elvis Rexhbecaj Stuttgarts Keeper Nübel mal mit einem Distanzschuss, den dieser aber problemlos festhalten konnte. Und als die Schwaben sich das alles lang genug angesehen hatten, legten sie mit großer Spielfreude das 2:0 drauf. Über den Kopf von Chema Andres landete der Ball im Strafraum bei Nartey, der passte mit der Hacke quer und Tiago Tomas drosch die Kugel ins Netz – alle völlig unbedrängt von irgendwelchen Augsburger Abwehrspielern (29.).
3:0 zur Pause – und das hochverdient
Richtig Lust aufs Verteidigen hatten die Gastgeber auch direkt danach noch nicht. Maximilian Mittelstädt flankte flach von links, Nartey lief allen Gegenspielern davon und drückte die Kugel zum 3:0 über die Linie (31.). Mit dem 3:0 ging es dann auch in die Halbzeitpause und nichts deutete darauf hin, dass die Fuggerstädter gegen den so spielfreudigen VfB nochmal zurück in diese Partie kommen würden. Kurz hatte es sogar so ausgesehen, als könnten die Schwaben ein viertes Tor im ersten Durchgang erzielen, doch Schiedsrichter Felix Zwayer nahm korrekterweise einen Elfmeterpfiff nach Ansicht der Videobilder zurück, Han-Noah Massengo hatte Lorenz Assignon zwar im Strafraum berührt, ein Foul lag jedoch nicht vor.
Augsburg zeigt Moral – aber zu spät für einen Punktgewinn
Folgerichtig wechselte Baum zur Pause gleich drei Mal aus. Rexhbecaj, Noahkai Banks und Rodrigo Ribeiro mussten in der Kabine bleiben. Und der zweite Durchgang lief dann auch direkt besser an als der erste, Massengo prüfte Nübel mit einem beherzten Distanzschuss – dem bis dato besten Augsburger Abschluss der Partie (47.). Insgesamt lief der FCA die Schwaben nun deutlich früher an und ging griffiger in die Zweikämpfe. In der 55. Minute hatte Cedric Zesiger nach einer Kopfballvorlage des eingewechselten Michael Gregoritsch das 1:3 auf dem Fuß, schoss aber aus kurzer Distanz deutlich drüber (56.). Nübel erinnerte seine Teamkollegen danach erst einmal lautstark an ihre Defensivpflichten. Das verhinderte aber nicht, dass der Ex-Stuttgarter Rieder in der 57. Minute dann doch zuschlug und Nübel überwinden konnte: Finn Jeltsch blockte mit vollem Einsatz zwei Schüsse von Alexis Claude-Maurice, war beim dritten von Rieder dann aber machtlos (57.).
Sollte an diesem Sonntagabend doch nochmal die Wende kommen? Der Glaube daran hielt zunächst einmal nur handgestoppte 60 Sekunden. Denn im direkten Gegenzug zog der bärenstarke Führich von links nach innen, Dahmen parierte zunächst, aber Undav war zur Stelle und stellte mit einem staubtrockenen Abschluss den alten Abstand wieder her (58.).
Weil der VfB aber merklich einen Gang zurückgeschaltet hatte und die Augsburger ihre Haltung mit der sie aus der Pause gekommen waren beibehielten, war der Dreier für Stuttgart noch nicht ganz in trockenen Tüchern. In der 71. Minute scheiterte Kristijan Jakić nach einer Halbfeldflanke zunächst an Nübel, aber wieder setzte der FCA nach und kam in Person von Kade zum 2:4. Der gerade erst eingewechselte Demirović beerdigte gegen seinen Ex-Club in der 83. Minute schließlich nach Querpass von Undav aber alle Zweifel und erzielte das 5:2. „Wir waren oft zu weit weg in den Duellen, angefangen bei uns Stürmern vorne und dann hat es hinten aufgehört. Einfach immer einen Schritt zu spät“, fasste Augsburgs Torschütze Rieder die Leistung seines Teams vor allem aus den ersten 45 Minuten zusammen.
Augsburg beim HSV, Stuttgart gegen Dortmund
Nach der Länderspielpause ist Augsburg am Samstagnachmittag beim Hamburger SV zu Gast (15.30 Uhr). Stuttgart empfängt am Samstagabend Borussia Dortmund zum Topspiel (18.30 Uhr).
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