Wie groß kann die Begeisterung für einen kleinen Vogel eigentlich sein? Die beiden Berufsfischer und Hobbyfotografen Sebastian Hölch und Lucas Sanktjohanser kennen darauf nur eine Antwort: Unendlich groß. Und das kauft man ihnen ohne zu zögern spätestens dann ab, wenn man nur wenige Minuten zugehört hat, wie die beiden von ihrem Eisvogelpark in Landsberg schwärmen.
Gegründet wurde dieses wahrlich außergewöhnliche Projekt vor drei Jahren. Hölch arbeitet am Ammersee als Fischer in Riederau, Sanktjohanser im Familienbetrieb, der Fischzucht Sandau. Beide leben also beruflich mit und vom Wasser und beide haben den Blick für das, was sich an seinen Rändern abspielt. Neben seinem Hauptjob ist Hölch seit Jahren leidenschaftlicher Naturfotograf, Sanktjohanser hat sich von dieser Begeisterung anstecken lassen – und so entstand die Idee.

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Nördlich der Fischzucht Sandau kann man Eisvögel fotografieren. In der neu gebauten Hütte haben Lucas Sanktjohanser (rechts) und Sebastian Hölch Fotoplätze geschaffen, die man mieten kann.
Foto: Thorsten Jordan
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Nördlich der Fischzucht Sandau kann man Eisvögel fotografieren. In der neu gebauten Hütte haben Lucas Sanktjohanser (rechts) und Sebastian Hölch Fotoplätze geschaffen, die man mieten kann.
Foto: Thorsten Jordan
Der Eisvogelpark liegt in Sandau, wo es in Lechnähe seit jeher Eisvögel gibt. Die erste Holzhütte, von der aus sich die „blau-orangefarbenen Pfeile“ beobachten ließen, war gar nicht für ein Publikum gedacht, sondern ganz privat als stiller Foto-Point. Doch weil dort unzählige atemberaubende Aufnahmen entstanden, wurden die beiden immer öfter von anderen Fotografen angesprochen, wie denn solche Aufnahmen in dieser Anzahl möglich seien.
Der Traum vieler Naturfotografen: Ein Foto vom Eisvogel beim Fischfang
Es gehört bei vielen zu den ganz großen Träumen, einmal den perfekten Moment festzuhalten, wenn ein Eisvogel ins Wasser schießt und mit einem silbrig glänzenden Fisch wieder auftaucht. Sebastian Hölch erklärt: „Ein Eisvogel ist unglaublich schnell. Hat er an seinem Ansitz einen Fisch ausgekundschaftet, dauert der Tauchgang weniger als eine Sekunde.“ Diesen Moment in freier Wildbahn mit dem bloßen Auge oder der Kamera einzufangen, ist nur wenigen vergönnt.

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Drei Eisvögel auf einem Ast: Eine Aufnahme, von der viele Naturfotografen ihr Leben lang träumen. Im Eisvogelpark in Landsberg stehen die Chancen, ein solches Motiv vor die Kamera zu bekommen, recht gut.
Foto: Sebastian Hölch
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Drei Eisvögel auf einem Ast: Eine Aufnahme, von der viele Naturfotografen ihr Leben lang träumen. Im Eisvogelpark in Landsberg stehen die Chancen, ein solches Motiv vor die Kamera zu bekommen, recht gut.
Foto: Sebastian Hölch
Im vergangenen Winter ist deshalb eine neue, etwas größere Holzhütte entstanden, in der gleichzeitig vier Personen Platz finden. Vor der Hütte wurde ein künstlicher Teich angelegt, dessen Wasseroberfläche sich auf Augenhöhe der Fotografen befindet. Wer dort sitzt, erlebt das Geschehen nicht aus Distanz, sondern beinahe mitten hineinversetzt.
Ein künstlich angelegter Fischteich im Eisvogelpark lässt einzigartige Perspektiven zu
Kein Wunder also, dass Menschen aus ganz Europa nach Landsberg kommen, um hier einen Tag zu verbringen – sogar aus Norwegen sind bereits Gäste angereist. Frei zugänglich ist die Hütte nicht – der Aufenthalt muss über die Internetseite www.eisvogelpark.de gebucht werden.

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Es dauert nur einen Augenblick, bis ein Eisvogel samt Beute wieder aus dem Wasser auftaucht. Diesen Moment mit der Kamera einzufangen, ist in der freien Wildbahn fast unmöglich.
Foto: Sebastian Hölch
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Es dauert nur einen Augenblick, bis ein Eisvogel samt Beute wieder aus dem Wasser auftaucht. Diesen Moment mit der Kamera einzufangen, ist in der freien Wildbahn fast unmöglich.
Foto: Sebastian Hölch
Möglich ist der Park – der eigentlich nichts mit einem Park zu tun hat, nur dank des Know-hows seiner Gründer. Durch die Fischzucht in Sandau haben Sanktjohanser und Hölch die Möglichkeit, den Teich gezielt mit kleinen Fischen zu besetzen. Äste und andere Ansitze können sie je nach Jahreszeit und den Wünschen der Fotografen in Szene setzen. Das alles ist mit einer ausgeklügelten Logistik verbunden.
Denn längst haben auch Reiher entdeckt, dass im Teich leichte Beute zu machen ist. Deshalb muss jeden Morgen kontrolliert werden, ob noch genügend Fische für die Eisvögel im Wasser sind. Insgesamt investieren die beiden dafür täglich rund zwei bis drei Stunden – zusätzlich zu ihrem Hauptberuf als Fischer.

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Pfeilschnell schießt der Eisvogel in den künstlich angelegten Teich im Eisvogelpark in Landsberg.
Foto: Sebastian Hölch
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Pfeilschnell schießt der Eisvogel in den künstlich angelegten Teich im Eisvogelpark in Landsberg.
Foto: Sebastian Hölch
Vergangenes Jahr 2025 gab es drei Bruten. Zuvor war zu sehen, wie die Männchen den Weibchen als Brautgeschenk einen Fisch überreichten – ein entscheidender Teil der Balz, bei dem Vertrauen und Paarbindung buchstäblich durch den Schnabel gehen. Hat sich ein Paar gefunden, gräbt es eine Brutröhre in den Steilwänden am Lech.
2025 gab es im Eisvogelpark in Landsberg gleich drei Bruten
In der Brutkammer werden etwa drei Wochen lang, meist sechs bis sieben Eier ausgebrütet. Die Jungen werden schnell zu gefräßigen Nestlingen. Beide Eltern bringen unentwegt kleine Fische, bis die Jungvögel nach gut dreieinhalb bis vier Wochen ausfliegen. Weil Eisvögel in einer Saison mehrere Bruten großziehen können, beginnt mitunter schon die nächste Familienrunde, während der Nachwuchs aus der vorherigen Brut noch versorgt wird.

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Lucas Sanktjohanser (links) und Sebastian Hölch haben mit dem Eisvogelpark in Landsberg aus ihrer Leidenschaft eine Geschäftsidee geformt.
Foto: Thorsten Jordan
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Lucas Sanktjohanser (links) und Sebastian Hölch haben mit dem Eisvogelpark in Landsberg aus ihrer Leidenschaft eine Geschäftsidee geformt.
Foto: Thorsten Jordan
Gerade diese Mischung aus Wildnis und ausgeklügelter Vorbereitung macht den Eisvogelpark in Sandau so besonders. Er ist kein Freizeitpark im üblichen Sinn, sondern ein Ort der Geduld, des genauen Hinsehens und des Staunens. „Wir wollen mit dem Park auch erreichen, dass die Menschen nicht überall am Lech nach den Brutstätten der Eisvögel Ausschau halten und damit die Tiere stören.“
Wer Sebastian Hölch und Lucas Sanktjohanser zuhört, merkt schnell: Hier geht es nicht bloß um schöne Bilder. Es geht um Respekt vor einem Vogel, der kaum größer als eine Hand ist und doch Menschen von weit her an den Lech lockt. Oder, um es mit den beiden Gründern zu halten, die Begeisterung für den Eisvogel kennt tatsächlich keine Grenzen.
Frauke Vangierdegom
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86899 Landsberg
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Eisvogel
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