Kurzfassung des Artikels:
Die Gemeinde Sylt plant, die Kunst im öffentlichen Raum nach Jahren der Vernachlässigung wieder stärker zu fördern.

Dafür stehen 250.000 Euro zweckgebunden aus dem Henner-Krogh-Nachlass zur Verfügung, der jährlich 10.000 Euro anspart.

Die SPD-Fraktion schlägt vor, alle zwei Jahre einen Kunstpreis mit 100.000 Euro für Kunstobjekte auf der Insel auszuschreiben.

Die CDU unterstützt das Vorhaben grundsätzlich, kritisiert jedoch die konkrete Höhe der Preissumme von 100.000 Euro.

Mehr lesen

größer alsGrößer als Zeichen

Geld dafür ist seit Jahrzehnten vorhanden, doch es wurde nicht ausgegeben: Die SPD-Fraktion der Gemeinde Sylt will Kunst im öffentlichen Raum mit einem neuen Kunstpreis wieder stärker fördern. „Sylt hat seit vielen Jahren die Kunst im öffentlichen Raum vernachlässigt“, erklärt Gerd Nielsen von der SPD-Fraktion den Vorstoß. Und tatsächlich: Die letzten relevanten Umsetzungen von Kunst im öffentlichen Raum waren 2001 die „Reisenden Riesen“ von Martin Wolke auf dem Bahnhofsvorplatz in Westerland und 1980 die „Wilhelmine“ von Ursula Hensel-Krüger.

Die Wilhelmine von Ursula Hensel-Krüger wurde 1980 eingeweiht.
Foto: dpa

Die Wilhelmine von Ursula Hensel-Krüger wurde 1980 eingeweiht.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

SchliessenX ZeichenKleines Zeichen welches ein X symbolisiert

Und das, obwohl seit nunmehr 25 Jahren jährlich aus dem Henner-Krogh-Nachlass 10.000 Euro zweckgebunden für „Kunst im öffentlichen Raum“ angespart werden, sodass derzeit 250.000 Euro in dem „Topf“ liegen. „Eine Finanzierung dürfte, auch langfristig, über den Henner-Krogh-Nachlass gesichert sein, der über erhebliche Mittel und nachhaltige Einnahmen verfügt“, heißt es.

Lesen Sie auch: Wohnungsnot auf Sylt: Warum dieses Paar trotz guter Jobs um seine Existenz bangt

Die SPD-Fraktion schlägt vor, dass die Gemeinde alle zwei Jahre einen Kunstpreis ausschreibt. Dieser soll mit 100.000 Euro dotiert sein, die zweckgebunden für die Realisierung oder den Ankauf eines Kunstobjektes auf der Insel verwendet werden. Teilnahmeberechtigt sollen Künstler aus Schleswig-Holstein, Hamburg sowie dem dänischen Jütland sein.

Auch interessant: Vom Luxushotel zur Sylter Landküche: Stefan Gerners Rezept für den Neustart auf der Insel

Über die Vergabe soll nach dem Willen der SPD-Fraktion ein Fachgremium beraten. Diesem sollen jeweils eine Person aus dem Kulturausschuss, der Sölring Foriining, dem Sylter Kunstverein, dem Henner-Krogh-Kuratorium, der Verwaltung sowie zwei Kunsterzieher angehören. Die finale Entscheidung über Standort und Vergabe läge beim zuständigen Ausschuss und der Gemeindevertretung.

CDU ist skeptisch

Der Antrag, der im Mai im Schul-, Jugend-, Sport- und Kulturausschuss beraten werden soll, wird von allen anderen Fraktionen wie SSW, Grünen und „Die Insulaner“ mitgetragen, nur die CDU äußert eine gewisse Skepsis. Simon Kopp, der Fraktionsvorsitzende und Kulturausschuss-Vorsitzende ist, sagt: „Die CDU unterstützt das Vorhaben grundsätzlich, wird aber nicht mit Ja stimmen, weil wir es nicht richtig finden, den Kunstpreis mit der konkreten Summe von 100.000 Euro auszuschreiben.“ Nach Ansicht der CDU verführe das unnötigerweise dazu, den Kunstpreis teurer zu machen, als ein Kunstwerk möglicherweise ist.

„„Sylt war immer auch die Insel der Künstler und Literaten.“

Gerd Nielsen

SPD-Fraktion

Gerd Nielsen betont im Namen der beteiligten Fraktionen, dass man trotz noch zu klärender Detailfragen wie Transport- oder Fundamentkosten „mutig eine Grundsatzentscheidung“ treffen sollte: „Sylt war immer auch die Insel der Künstler und Literaten und die Gemeinde sollte sich nach schwierigen Zeiten durch die Pandemie, Haushaltssperre und die politischen Erschütterungen mal was Positives gönnen.“

„Reisende Riesen“ sorgten für Empörung

Dass Kunst provoziert, irritiert und Kontroversen hervorruft, belegt der Blick auf die Enthüllung der „Reisenden Riesen“ auf dem Bahnhofsvorplatz am 14. Oktober 2001. „Schon nach einem Tag graust es uns davor, auch nur am Bahnhof vorbeizufahren“, hieß es damals in einem der zahlreichen Leserbriefe, die die Sylter Rundschau im Herbst 2001 veröffentlichte. Beim Anblick der knallgrünen, bis zu 4,5 Metern hohen Truppe sah ein nicht unerheblicher Teil der Insulaner Rot und wünschte sich, die grüne Bande möge schnellstmöglich wieder abreisen – oder zumindest an einen etwas weniger prominenten Ort umziehen.

SSW wollte lieber eine Konventionalstrafe zahlen als die „Reisenden Riesen“

Emotional diskutiert wurde die Riesen-Familie aber nicht erst am Tag ihrer Enthüllung. Nachdem sich eine Jury nach jahrelangen Diskussionen für die Riesen des Künstlers Martin Wolke entschieden hatte, empörten sich auch einige Lokalpolitiker. Die damalige Wählergemeinschaft Unabhängige Bürger Westerland war, wie auch einige Mitglieder des SSW, bereit, lieber eine Konventionalstrafe an den Künstler zu zahlen, als die Figuren Realität werden zu lassen. „Eine Konventionalstrafe ist immer noch besser, als ein Leben lang auf solche riesigen Dinger zu gucken“, fasste Peter Erichsen (SSW) damals die kritische Haltung zusammen.

Riesen-Andrang: Zur Enthüllung der Kunstwerke im Oktober 2001 war der Westerländer Bahnhofsvorplatz proppenvoll.
Foto: Martin Wolke

Riesen-Andrang: Zur Enthüllung der Kunstwerke im Oktober 2001 war der Westerländer Bahnhofsvorplatz proppenvoll.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

SchliessenX ZeichenKleines Zeichen welches ein X symbolisiert

Petra Reiber war ein Riesen-Fan

Vielleicht lag’s daran, dass die damalige Bürgermeisterin Petra Reiber ein Riesen-Fan war – trotz aller Proteste durfte sich Wolke ans Werk machen. Die 180.000 Euro, die ihm dafür zur Verfügung standen, deckten allerdings nicht einmal alle Kosten, berichtete die Sylter Rundschau. Deshalb erhielt Wolke ein Darlehen der Stadt Westerland in Höhe von 30.000 Euro, als Sicherheit überließ er den Syltern seine Statue „Der Turmspringer“, die bis heute den Eingang der Sylter Welle ziert.