Süditalien kämpft mit einem ungewöhnlichen Hepatitis-A-Ausbruch – und die Spur führt direkt auf den Teller.

Binnen eines einzigen Tages wurden in der süditalienischen Region Kampanien 24 neue Hepatitis-A-Erkrankungen registriert. Seit dem Jahresbeginn hatten bereits mehr als 150 Personen wegen der Leberentzündung stationäre Behandlung benötigt. Nach Angaben der zuständigen Gesundheitsbehörde liegen die aktuellen Infektionszahlen deutlich über dem langjährigen Mittel. Normalerweise treten in diesem Zeitraum in der Region rund zehn Hepatitis-A-Fälle auf – die aktuellen Zahlen liegen damit zehnmal höher als der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

Die Bevölkerung wurde aufgefordert, besondere Sorgfalt bei der persönlichen Hygiene walten zu lassen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Parallel dazu ordneten die Behörden eine umfassende Kontrollkampagne an, die Restaurants der gehobenen Gastronomie, Fischhandlungen sowie kleinere Märkte in der gesamten Region einschließt.

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Verseuchte Muscheln

Im Zuge dieser Kontrollen zeichnete sich eine mögliche Ursache ab: Verdächtigt wird der Konsum verseuchter Muscheln aus dem Bereich der Phlegräischen Felder. Mehrere Proben fielen dabei positiv aus, die betroffenen Chargen wurden umgehend aus dem Verkehr gezogen. Die städtischen Wasserwerke stellten klar, dass das Leitungswasser von der Kontamination nicht betroffen und weiterhin unbedenklich sei.

Experten gehen davon aus, dass die ersten Ansteckungen bereits in der Zeit nach den Weihnachtsfeiertagen stattgefunden haben dürften. Da das Virus eine vergleichsweise lange Inkubationszeit aufweist, halten Fachleute auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch für möglich. Gewöhnlich gelangt das Hepatitis-A-Virus über kontaminierte Lebensmittel oder verunreinigtes Wasser in den menschlichen Körper, wobei rohe oder unzureichend erhitzte Muscheln als häufigste Infektionsquelle gelten.

„Wir sehen eine lange Serie schwerer Fälle, die unsere Station ausgelastet haben, sodass wir Betten in der Notaufnahme nutzen mussten“, sagte Infektiologin Novella Carannante aus Neapel. Üblicherweise erreiche die Zahl der Infektionen ihren Höhepunkt im Jänner, oft in Verbindung mit dem Verzehr roher Meeresfrüchte während der Weihnachtsfeiertage. Im März seien die Zahlen normalerweise stark rückläufig.

Krankheitsverlauf

Hepatitis A verläuft in zahlreichen Fällen ohne spezifische Behandlung und heilt von selbst aus. Zu den typischen Beschwerden zählen Fieber, eine Gelbfärbung der Haut sowie Schmerzen im Bauchbereich. Ein erhöhtes Risiko für einen schwerwiegenden Krankheitsverlauf besteht bei älteren Menschen sowie bei Personen mit vorbestehenden Lebererkrankungen.

Gegen Hepatitis A steht eine Schutzimpfung zur Verfügung.