Österreichs Fußball-Bundesliga ist doch nicht ganz so leicht zu durchschauen. Denn plötzlich scheint alles, was zuvor in der laufenden Saison passiert ist, überholt und fast belanglos. Auch muss man sich als Anhänger von zwölf Fußballklubs endgültig von alteingesessenen Mustern verabschieden. Denn „Meistergruppe“ und „Qualifikationsgruppe“ stehen letzten Endes für ein Playoff, für eine Entscheidungsfindung wie sie etwa im US-Sport seit jeher abläuft. Was im Grunddurchgang passiert ist, mag schön, gut oder miserabel schlecht gewesen sein. Doch jetzt zählt es, oder beginnt die Entscheidungsphase nach der Luft verschaffenden Länderspielpause. Bis zur Osterwoche heißt es: Durchatmen, Kraft sammeln – und darauf hoffen, dass sich kein Leistungsträger im Rahmen des ÖFB-Teamtrainingslagers in Marbella oder bei den beiden WM-Tests gegen Ghana (Freitag) oder Südkorea (nächste Woche Dienstag) in Wien verletzt. Trotzdem, wie ist der Stand der Dinge – wer hat die besten Karten im Titelkampf?

Der Titelverteidiger ist weiter auf Kurs, das 1:1 gegen Salzburg mag Experten als „Ping-Pong“ erinnerlich sein und ist doch eine Bestätigung der Steirer. Sie liegen damit weiter vier Punkte vor dem finanziellen Ligakrösus, der Gefahr läuft auch in der dritten Saison in Folge ohne Zählbares dazustehen. Trainer Fabio Ingolitsch hat der Abwehr weiterhin neue Stärke eingeimpft, vor allem die Innenverteidiger-Position (Vallci, Mitchell) mutet gesetzter an. Dreier- oder Viererkette bereiten keine Probleme mehr. Das Flügelspiel flattert jedoch, ist also ausbaufähig. Der wahre „Elchtest der Schwoazen“ steigt am Ostersonntag in Wien – dann steigt das direkte Duell mit dem nächsten Verfolger, ist man bei Rapid (vorerst letztes Spiel ohne „Block West“) zu Gast.

Der Sieger dieses Duells wird Meister? Dann sind erst drei von zehn Meistergruppen-Runden gespielt, also wäre die Teller-Prognose gar etwas voreilig.

Im Grunddurchgang erschreckend, mit mehr Mühe und noch größerer Not gerade noch in die Top 6 gerutscht, sorgt SCR jetzt für neue Bewegung. Dem 1:0 gegen Salzburg folgte eine 4:2-Vorstellung gegen Lask, das verlangt nach Anerkennung, aber sollte in Hütteldorf trotzdem nicht für Übermut sorgen ob der zuvor erwähnten, noch offenen Spieltage. Zufall ist die Formumkehr keine, der Däne Johannes Hoff Thorup hat dem – oft vollkommen zu Recht für schlechtes Spiel kritisierten, aber dennoch hochwertigen Kader – neuen „Mindset“ eingehaucht. Standard-Situationen (Eckbälle und Freistöße durch Matthias Seidl) oder neuer/alter, jedenfalls offensiverer Spielstil bereiten Grün-Weiß Freude. Bolla wirkt wie ausgewechselt, Weimann ist bislang der erhoffte Turbo im Strafraum (trotz geringer Trefferquote).

Wenn diese Länderspielpause einem Klub besonders wehtut, dann ist es Rapid. Der „Flow“ ist unterbrochen. Wie bei Sturm ist der Ostersonntag wohl ein richtungsweisendes Spiel. Selbst im Fall einer Niederlage wäre nichts verloren, bei einem Sieg nichts gewonnen. Nur viele würden sich mental dann dem nächsten Titel (dem ersten seit 2008) einen Schritt näher wähnen. Auch das sorgt der Däne für ehrliche, direkte Art für ein Novum: Er lehnt das Understatement ab, der Anspruch von Rapid dürfe kein Traum sein, sondern sei eine Selbstverständlichkeit.

Favoriten hat Höhenluft und wie viel Freude ein 1:0-Zittersieg in Hartberg bereiten kann, zeigt der Blick auf die Tabelle. FAK ist Dritter, zwei Punkte hinter Tabellenführer Sturm Graz und auch der Auftritt der Violetten steht für den Neuaufschwung des Wiener Fußballs. Manfred Fischer erzielte kurz vor der Pause (45.+1) nach sehenswerter Vorarbeit von U17-Vizeweltmeister Vasilije Markovic, der erstmals in Austrias Startelf stand, das Goldtor.

Als Violetter ist man Rückschläge gewohnt, das notorische Leiden ist auch in der Literatur (Torberg) vermerkt – und in der Gegenwart durch Scharmützel in der Chefetage zu verfolgen. Das Tauziehen zwischen AG und Investoren (WTF um Jürgen Werner) mutet augenblicklich ruhig an. Die Patt-Stellung soll trotzdem ehestmöglich enden, beide Seiten suchen, dem Vernehmen nach, Optionen, die auf eine Trennung spätestens mit Saisonende hinauslaufen sollen.

Das 1:1 gegen Sturm Graz bedeutete zwar das Ende der Torlosigkeit nach vier Partien, hilft Salzburg aber im Titelkampf keinen Millimeter weiter. Der ehemalige Serienmeister, nunmehr seit zwei Saisonen en suite ohne Titel und im laufenden Spieljahr schon im Cup gescheitert, sucht weiter nach dem direkten Weg zum Erfolg. Vier Punkte fehlen bereits auf Sturm Graz, sprich man muss bereits auf einen Umfaller der Steirer hoffen.

Das Schneckenrennen um den Meistertitel zieht sich, die sportliche Lage richtig zu bestimmen, das dürfte Sportchef Marcus Mann durchaus Sorgenfalten bereiten. Auch die Länderspielpause kommt ihm nicht gelegen: Zehn Spieler stießen zu ihren Nationalteams.

Der Zauber, den Dietmar Kühbauer mit dem Lask versprüht hat, erhielt zuletzt einige Dämpfer. Das Erreichen des Cupfinales ist freilich eine große Errungenschaft, am 1. Mai wartet Altach. Der Trainer, seit seinem Ausraster in Ried oft gescholten, rechnet vor, dass noch 24 Punkte zu vergeben sind. Tag und Nacht auf die Tabelle zu starren sei die Erfüllung für Statistiker, er gehe lieber auf den Platz und feile an Form, Taktik und Spielern. Eine Jahreszahl kann Kühbauer aber nicht außer Acht lassen, die werden sie ihm bis Saisonende vor Augen halten. 1965, da gelang das Double. Eine Wiederholung ist 61 Jahre später möglich. Vom Cupsieg jedenfalls trennt Linz nur noch ein Spiel.

Der Turn- und Sportverein ist Dreh- und Angelpunkt in der Oststeiermark. Seine Heimspiele sind Kult, die Auftritte von Präsidentin Brigitte Annerl wegweisend. Das Spiel jedoch ist mit dem Erreichen der Meistergruppe scheinbar erlegen, es fehlt jedenfalls der letzte Schritt oder treffsichere Schuss. Moral und Kampfgeist, das wird Trainer Manfred Schmid (Vertragsverlängerung soll in ein, zwei Wochen fixiert sein) nicht müde zu betonen, stimmen. Ein Qualitätsunterschied (wie zuletzt gegen Austria) ist nicht auszumachen, aber wie hoch hinauf kann Hartberg noch kommen beim dritten Meisterrunden-Aufgalopp?