Porsche-Austria-VW-Pkw-Markenleiterin Gudrun Zeilinger bedauert im TT-Interview das Aus des früheren GTI-Treffens und sieht den Branchenführer dank zahlreicher Neuheiten und Aktionen gut aufgestellt.
Sie feiern heuer das 50-Jahre-Jubiläum GTI – ist dieses Konzept, das Fahrspaß vermittelt, überhaupt noch zeitgemäß?
Gudrun Zeilinger: Natürlich ist es unsere Bürgerpflicht, auf Nachhaltigkeit und Effizienz zu achten, aber das sehe ich beim Golf GTI nicht als Widerspruch. Die Verbrennungsmotoren in unseren GTI-Modellen sind hocheffizient. Ein Golf GTI ist voll alltagstauglich und kombiniert Sportlichkeit mit praktischen Elementen sowie innovativer Technik. Der GTI lässt seit fünf Jahrzehnten die Herzen der Golf-Fans höherschlagen und kommt nie aus der Mode.
Noch getarnt: der ID.Polo.
© VW
Aus der Mode gekommen ist jedoch das GTI-Treffen …
Zeilinger: … Es tut mir persönlich sehr leid, dass es das GTI-Treffen nicht mehr gibt. Es war eines der größten Fantreffen weltweit. Ich habe selten ein Event gesehen, das derart gekonnt Auto-Emotionen mit dem Thema „Familie“ verknüpft hat. Das war ein Fest für Auto-Enthusiasten und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region. Der Mythos GTI lebt allerdings auch ohne GTI-Treffen weiter.
VW entschied sich, die zweite T-Roc-Generation auf den Markt zu bringen. Wie ist die Resonanz?
Zeilinger: Sehr gut! Unsere Kunden sind mehr als begeistert vom neuen T-Roc. Das liegt unter anderem am neuen Volkswagen-Design sowie an den vielen innovativen Features, die es sonst in dieser Klasse nicht gibt; wir verkaufen mehr, als wir erwartet haben, und sind bereits auf Platz 1 im Segment.
Der T-Roc wird Vollhybridtechnik erhalten – warum kein Plug-in-Hybrid-Derivat?
Zeilinger: Die Technik passt gut zum Auto und ein Vollhybrid der aktuellen Generation bringt viele Einsparungen mit sich. Wir werden diese Technik zukünftig auch in weiteren Volkswagen-Modellen sehen.
Kommt gegen Ende des Jahres auf den Markt: der vollelektrische ID.Cross.
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Welche Schritte unternimmt VW im Bereich der Elektromobilität?
Zeilinger: 2026 ist für uns ein echtes Elektro-Jahr. So wird es vom ID.3 eine Produktaufwertung geben – mit dem Namenszusatz Neo. Innen sehen wir auch wieder Schalter und Druckknöpfe, Werte, die unsere Kunden schätzen. Ab dem zweiten Halbjahr folgen die neuen elektrischen Kleinwagen ID.Polo inklusive GTI-Version und ID.Cross. Und im Herbst werden wir auch noch den Vorverkauf des ID.4-Nachfolgers starten.
Schmerzt es Sie, dass im Vorjahr der Škoda Octavia den ewigen Bestseller Golf bei den Pkw-Neuzulassungen überholt hat?
Zeilinger: Das war 2025 (lacht). Im Jänner und im Februar 2026 liegt wieder unser Golf vor dem Octavia. Wir pflegen eine freundschaftliche Rivalität und freuen uns, dass zwei Modelle aus der Volkswagen-Konzern-Familie vorne liegen. Im Grunde sprechen wir hier über ein erfreuliches Luxusproblem.
Gibt es für Sie ein VW-Produkt, das sich unter Wert schlägt?
Zeilinger: Persönlich würde ich gerne den Tagio öfters auf unseren Straßen sehen. Ein vielfältiger und flexibel einsetzbarer Kompakter, der aber mit dem T-Cross und T-Roc zwei starke VW-Modelle an seiner Seite hat. Schade finde ich es auch, dass die Mittelklasse sukzessive an Bedeutung eingebüßt hat. Der Passat ist nach wie vor ein perfektes Fahrzeug für Unternehmer wie auch Private.
Mancher Marktbeobachter bekrittelt Ihre Preisauszeichnung bei laufenden Werbeaktionen. Da wird mit Ab-Preisen geworben, die nur unter bestimmten Voraussetzungen zu erreichen sind. Wird die Kundschaft ausreichend informiert?
Zeilinger: Das versteht sich von selbst. Bei uns sind alle Werbeaktionen juristisch geprüft und der größtmögliche Kundenvorteil ist sauber abgebildet. Ich glaube nicht, dass sich unsere Kunden nicht auskennen, da wir auf die Boni und ihre Voraussetzungen im Zusammenhang mit unserem Partner Porsche Bank deutlich hinweisen.