
Eigentlich sollte das digitale Radio DAB+ in der Schweiz längst den Ton angeben, doch der analoge UKW-Funk lässt sich nicht so leicht abschalten. Nachdem der Ständerat bereits das Fortbestehen von UKW über 2026 hinaus beschlossen hat, drängen nun Tourismus-Kantone wie das Tessin und Wallis auf eine Rückkehr der SRG-Sender noch vor der diesjährigen Urlaubssaison.
Ende 2025 hatte der Ständerat in der Schweiz entschieden, dass der UKW-Hörfunk bei den Eidgenossen auch über 2026 hinauslaufen soll. Die SRG hat darauf hin eine schnellstmögliche Rückkehr ins analoge Radio verkündet, nachdem am 1. Januar 2025 zunächst alle analogen Sender abgeschaltet wurden. Bisher heißt es, die SRG könne nach rechtlicher Abklärung erst am 1. Januar 2027 wieder auf UKW zurückkehren.
Vorgezogener UKW-Start zur Urlaubssaison?
Den Schweizer Urlaubskantonen Tessin und Wallis dauert das aber zu lange. Sie drängen darauf, dass zumindest die ersten Programme der SRG bereits im Sommer auf UKW zurückkehren. Hintergrund: Die Kantone wollen, dass zur Tourismussaison das Netz wieder verfügbar ist und alle Touristen die Signale etwa auf dem Weg zum Lago Maggiore oder Genfer See klasssich auf UKW hören können. Dies sei wichtig für Verkehrsinformationen und eventuelle Störungen in Straßentunneln.
So fordert beispielsweise der Tessiner Nationalrat Lorenzo Quadri vom Bundesrat Aufklärung. Laut Quadri sei es „gerade nach der Volksabstimmung vom 8. März wichtig, dass die Hörer die Sendungen des SRG empfangen können, ohne zusätzliche Kosten für neue Geräte oder Umbauten an bestehenden Geräten tragen zu müssen.“ Die Volksabstimmung über die deutliche Reduzierung der Rundfunkgebühren war gescheitert. Die Ablehnung des Vorschlags aus rechtspopulistischen Kreisen lag bei rund 62 Prozent.
Knackpunkt: Viele Autos noch ohne DAB+-Empfang
Während in der Schweiz stationär UKW kaum noch eine Rolle spielt, verfügen viele Autos in der Schweiz – etwa 40 Prozent der zugelassenen Fahrzeuge – noch nicht über digitalen DAB+-Empfang. Die betroffenen Fahrer sind seit der UKW-Abschaltung der SRG somit auch weitgehend von Verkehrsmeldungen auf Autobahnen und Tunneln ausgeschlossen, vor allem dort, wo keine Privatradios als Alternative im UKW-Band empfangbar sind.
Sendeanlagen müssen erneuert werden
Der Netzbetreiber Swisscom Broadcast hat bestätigt, dass der Startknopf zumindest für die Grundnetzsender kurzfristig gedrückt werden kann. Anders sähe das bei Füllsendern aus. Hier wurde zum Teil die Infrastruktur im Zuge der UKW-Abschaltung bereits abgebaut oder gar verschrottet, andere Anlagen wurden lange nicht gewartet. Somit könnte die Rückkehr zu UKW monatelange Arbeiten erfordern.
Der nächste wichtige Termin ist voraussichtlich im Juni 2026 vorgesehen, wenn der Bundesrat die endgültige Verordnung mit den gesetzlichen Fristen für die Privatradios und den offiziellen Auftrag für die SRG veröffentlichen wird. Dann könnte auch feststehen, ab wann die SRG frühestens auf UKW zurückkehren darf.
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