Auf rund 300.000 Smartphones läuft derzeit ein Countdown. Wenn dieser abläuft, muss man seine ID Austria gänzlich neu registrieren. Komplett. Dabei ist die Verlängerung in nur wenigen Schritten erledigt. Eine Anleitung.

Alljährlich das selbe Spiel: Man will seine Arbeitnehmerveranlagung online für 2025 erledigen und begibt sich wie gewohnt auf die Suche nach den Zugangsdaten. Doch mit der Umstellung bei Finanzonline kann man sich jetzt einfach mit der ID Austria anmelden. Und es ist bei weitem keine perfekte Anwendung. Aber, man darf ja auch hie und da einmal die kleinen Fortschritte feiern. Und so war der Einstieg in Finanzonline heuer erstmals binnen Sekunden erledigt. Doch die Freude währte nur kurz, denn in der App stand plötzlich: ID Austria Zertifikat läuft ab, bitte aktualisieren. Im Kleingedruckten dann auch noch der Hinweis: Wer die Frist verpasst, kann nicht verlängern. Was wiederum bedeutet, die ID Austria muss gänzlich neu registriert werden. Ein Schicksal, das gerade 300.000 Österreicher teilen. Schön, ganz nach dem Motto „Geteiltes Leid …“.

Mit der ersten Erinnerung beginnt ein 90-tägiger Countdown. Großzügig, aber für so manch einen ist das zu viel Zeit. Die Gefahr, dass im Alltag zu vergessen, oder aufgrund fehlender intrinsischer Motivation einfach zu verdrängen, ist groß. Also lieber gleich erledigen. Und es geht erstaunlich schnell und unkompliziert – vorausgesetzt man hat eine Vollversion, ist österreichischer Staatsbürger und besitzt neben dem Smartphone auf dem die App ID Austria installiert ist, noch ein weiteres internetfähiges Gerät. Aber dann kann wirklich nichts mehr schiefgehen.

1. Smartphone und Computer (oder Tablet oder zweites Handy – da ist man bei der ID Austria flexibel)
2. Optional: Ein Glas Wein und beruhigende Musik
3. Rufen Sie am zweiten Gerät die Webseite id-austria.gv.at auf
4. Wählen Sie den Punkt „ID Austria verwalten“ aus
5. Geben Sie jetzt ihre ID Austria Zugangsdaten (meist Handynummer und selbstgewähltes Passwort ein)
6. Öffnen Sie die ID Austria App auf Ihrem Handy und bestätigen Sie die Signatur (Zeichenfolge abgleichen)
7. Stimmen Sie den drei Punkten zu
8. Fertig – Sie haben jetzt wieder für fünf Jahre Ruhe

Kritik an der ID Austria ist berechtigt, aber vieles funktioniert schon wirklich gut, wie zum Beispiel die Anbindung an viele öffentliche Stellen wie das AMS oder Finanzonline oder das Zentrale Melderegister. Österreich darf sich aber nicht auf den erreichten Schritten ausruhen. Denn längst wird auf europäischer Ebene an einer weitaus sichereren Anwendung gearbeitet. Bis Jahresende sollte für jeden EU-Bürger zumindest ein auf europäischer Ebene interoperables Projekt des „European Digital Identity Wallet“ verfügbar sein, sei es ein in allen Mitgliedsländern verwendbarer digitaler Ausweis oder Führerschein. Dieses sollte dem seit 2024 geltenden EU-Standard eIDAS v2 entsprechen. Auch Österreich ist dazu verpflichtet. Die hiesige ID Austria basiert jedoch noch auf Version 1 aus dem Jahr 2017. Jedoch: Österreich ist an dem Projekt derzeit nicht beteiligt.

Der neue Standard bringt mehr Schutz für die Bürger. Angesichts dessen, dass die Bundesregierung plant, eine Altersgrenze für Soziale Medien einzuführen, wäre dieser Schritt dringend notwendig, appellieren Sicherheitsexperten. So könnten die Behörden in Österreich derzeit jede Nutzung der ID Austria überwachen, etwa beim digitalen Altersnachweis oder Führerschein, warnt der Verein epicenter.works. Bei der EU-Lösung soll das nicht möglich sein. Wenn man sich beim Mieten eines Autos mit dem digitalen Führerschein ausweise oder eine Adult-Only-Website für sich freischalte, solle das der Staat nicht automatisch erfahren. Beim europäischen Wallet könne jede Bürgerin und jeder Bürger kontrollieren, welche Daten geteilt werden, unterstrich die französische Telekom-Expertin Claire Levallois Barth bei einer Pressekonferenz von epicenter.works.

Die Verlängerung sollte man wirklich nicht vor sich hin schieben, vor allem, weil sie wirklich schnell und unkompliziert funktioniert. Lässt man die Frist verstreichen, dann wird es mühsam. Denn dann ist die ID Austria deaktiviert. Nichts geht mehr. Und wie bei DKT heißt es dann, zurück zum Anfang. Und damit ist der Weg zur Behörde inklusive einem Passfoto, das nicht älter als sechs Monate ist, verbunden.

Außerdem gibt es einen Unterschied zwischen Basis- und Vollversion. Auch hier gibt es ein Ablaufdatum. Denn die Basisversion gilt nur noch bis Ende 2028. Hier ist ein Weg zur Behörde nicht notwendig, das Upgrade kann online erfolgen. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie hier: id-austria.gv.at/de/registrieren.

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