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Jena (Thüringen) – Im Film war es ganz einfach, die Kiste zu finden: Das FBI klebte einfach heimlich einen GPS-Sender unter das Auto von „2 Fast 2 Furious“-Star Paul Walker (†40) und wusste immer, wo sein Wagen war. Im richtigen Leben war die Suche nach Walkers Filmauto deutlich komplizierter: Der Nissan Skyline R34 GT-R galt jahrelang als verschollen. Jetzt entdeckte ihn ein Sammler aus Thüringen: geparkt in einem norwegischen Wohnzimmer!

2003, im zweiten Teil der Raser-Saga, kurvte Superstar Paul Walker mit dem fast 300 PS starken Coupé durch Miami. Der Schauspieler, der 2013 (in seinem Porsche) tödlich verunglückte, löste damals einen Boom aus. Plötzlich waren japanische Sportwagen auch in der deutschen Tuning-Szene schwer angesagt. Doch Walkers Nissan verschwand vor 18 Jahren auf mysteriöse Weise.

Von der Dachterrasse musste der millionenschwere Wagen mittels eines mobilen Krans geborgen werden

Von der Dachterrasse musste der Sportwagen mittels eines mobilen Krans geborgen werden

Foto: Chrome Cars

Autosammler aus aller Welt suchten nach dem „Walker Skyline“. Gefunden hat ihn schließlich nach jahrelangen Recherchen ein Sammler und Klassikerhändler aus Deutschland: Kai Nieklauson (54), Gründer von „ChromeCars“ aus Jena (Thüringen). Mit seinem Team hat er sich auf berühmte Filmfahrzeuge spezialisiert, fand u.a. den einzig erhaltenen Dodge Charger aus dem Film „Bullitt“ mit Steve McQueen von 1968.

Der Nissan Skyline von Brian O’Conners (gespielt vom 2013 tragisch verstorbenen Schauspieler Paul Walker)  fährt aus dem Wohnzimmer im zweiten Stock, wo er über Jahre stand

Der Nissan Skyline von Brian O’Conner (gespielt vom 2013 tödlich verunglückten Paul Walker) rollt aus dem Wohnzimmer im zweiten Stock, wo er über Jahre stand

Foto: Chrome Cars

Filmauto zwischen Sofa und Couchtisch geparkt

„Uns ist es gelungen, den originalen Nissan Skyline R34 GT-R aufzuspüren“, sagt Nieklauson zu BILD. „Er wurde immer in den USA vermutet, stand aber bei einem über 70-jährigen Sammler in Norwegen.“ Geparkt im Wohnzimmer im 2. Stock habe der Wagen wie ein Designerstück zwischen Couchtisch und Sofa gestanden. Doch der Besitzer, der den Wagen 2008 auf einer Auktion ersteigert hatte, wollte sich lange nicht von dem Auto trennen: „Vom ersten Kontakt bis zum Kauf vergingen fünf Jahre“, sagt der „ChromeCars“-Autoarchäologe Chris Zöllner (46). Der Preis: siebenstellig, im Millionenbereich!

Für ein Shooting in Ostdeutschland, wo die ChromeCars-Crew ihre Zentrale hat, wurde der Nissan bereits ordentlich aufpoliert, sieht fast aus wie neu

Der Nissan wechselte für eine siebenstellige Summe den Besitzer. „Zum Vergleich“, sagt ChromeCars-Chef Kai Nieklauson, „Michael Keatons Batmobile wird mittlerweile für 5 Mio. Euro, ein echter K.I.T.T. aus Knight Rider für 1,3 Mio. Euro gehandelt.“

Foto: Chrome Cars

Auto per Kran geborgen

Schwieriger als die Verhandlungen war nur noch die Bergung des Nissan. Denn der Skyline musste fliegen lernen: „Der Wagen wurde aus dem Wohnzimmer auf die Dachterrasse geschoben, dort per Kran auf den Boden herabgelassen“, sagt Zöllner, der mehrfach in Norwegen war. Bei einem seiner Besuche begleitete ihn sogar Craig Liebermann, der bei den ersten „Fast & Furious“-Filmen für die Autos zuständig war. Der Amerikaner bestätigte: „Es ist ein originaler, im Film ‚2 Fast 2 Furious‘ verwendeter Wagen und wahrscheinlich das einzige vollständig erhaltene Exemplar in perfektem Zustand.“

Chris Zöllner (li.) von ChromeCars mit Oldtimer-Kumpel Craig Liebermann, dem technischen Berater der ersten beiden „Fast & Furious“-Filme: Der Experte wurde extra aus den USA nach Norwegen eingeflogen, um die Echtheit des Nissan-Skyline zu bestätigen

Chris Zöllner (li.) von ChromeCars mit Craig Liebermann, dem technischen Berater der ersten beiden „Fast & Furious“-Filme: Der Experte wurde extra aus den USA nach Norwegen eingeflogen, um die Echtheit des Nissan-Skyline zu bestätigen

Foto: Chrome Cars

Paul Walker saß in diesem Auto

Chris Zöllner erfuhr: „Beim Dreh wurden fünf GT-R verwendet. Laut einer Liste der Universal Studios, in der die Filmfahrzeuge aufgeführt sind, handelt es sich um das sogenannte ‚Nr. 1 Principle Hero Car‘.“ Bedeutet: Es ist das am besten aussehende und funktionalste Auto einer Produktion. Der Wagen für die Hochglanzaufnahmen und kein Stunt-Car, das womöglich zu Schrott gefahren wird. „Unser Nissan war im Film am meisten zu sehen, der wurde wirklich von Paul Walker gefahren“, erklärt Zöllner. Das sei wichtig, denn hochpreisige Filmfahrzeuge würden gern von Betrügern gefälscht.

Der echte Sportwagen von Paul Walker wird dagegen gerade sorgfältig aufgearbeitet. Im April soll er erstmals für Fans öffentlich zugänglich in der Sparkassen-Arena Jena ausgestellt werden.