Drei Klavierkonzerte Mozarts als Vorbereitung für den Triester „Frühling aus Wien“: Rudolf Buchbinder liebt es rasch und konzentriert.
Seit dem Vorjahr haben auch die Wiener Symphoniker ihr eigenes Festival: „Primavera da Vienna“ in Triest. Gleich die erste Ausgabe dieses Frühlingsfests des Orchesters hat eingeschlagen, beim Publikum wie bei der Kritik. In wenigen Tagen findet diese trefflich mit „Wiener Klang trifft dolce vita“ beworbene Perspektive ihre Fortsetzung mit drei Konzerten, die jeweils vom Chefdirigenten, Petr Popelka, geleitet werden.
Dabei wartet der erste Auftritt im Politeama Rosetti am kommenden Freitag, 27. März, gleich mit einer Pointe auf. Denn neben Mendelssohns „Italienischer“, also seiner Vierten Symphonie, spielen die Symphoniker mit Beethovens Siebter und dem g-Moll-Violinkonzert von Max Bruch exakt jene Werke, die auch auf dem Programm des jüngsten „Philharmonischen“ standen. Das lädt zu Vergleich ein. Auch, was den Solisten anlangt, denn diesmal wird Renaud Capuçon den Solopart übernehmen. Tags darauf wird die neue Kulturbrücke Wien-Triest mit einer delikaten Puccini–Lehár-Zusammenstellung gefeiert, gemeinsam mit Krassimira Stoyanova und Francesco Meli.
Einen Solisten haben die Symphoniker auch für das Finale am 29. März eingeladen: Rudolf Buchbinder. 1967 ist er zum ersten Mal mit den Wiener Symphoniker aufgetreten. Seitdem hat er mit ihnen an die vierhundert Mal musiziert, als Solist wie in der Doppelrolle Solist und Dirigent. In dieser wird er nun auch in Triest zu erleben sein, und zwar mit gleich drei Mozart-Klavierkonzerten: dem in A-Dur, KV 488, dem in C-Dur, KV 467, und dem in B-Dur, KV 595.
Gewissermaßen als Generalprobe waren Buchbinder und die Symphoniker damit bereits dieser Tage im Großen Saal des Wiener Konzerthauses zu hören. An jenem Ort, wo der Pianist, der am 1. Dezember seinen 80. Geburtstag feiert, übrigens in der Saison 1997/98 an sieben Abenden sämtliche Mozart-Konzerte geboten hat, ebenfalls mit den vom Klavier aus geleiteten Wiener Symphonikern.
Nicht „ein Krieg zwischen Feinden, sondern als Ballspiel, ein Streit zwischen zwei Partnern“ hat Buchbinder damals die Rollen von Solist und Orchester definiert. Ein Grundverständnis, das auch diesen Konzerthausabend prägte. Gewiss, Buchbinder gab nicht nur die Tempi vor, er zeigte auch mit knappen Gesten, wo Akzente einmal mehr, einmal weniger deutlich gesetzt werden sollten. Dennoch verließ er nie die Rolle des Primus inter pares. Schließlich haben in diesen drei, musikalisch wie technisch herausfordernden Konzerten auch die Streicher und Bläser einiges zu sagen. Sind sie doch alles andere als bloß Begleiter, sondern pointierte Mitgestalter.
Bei aller virtuosen Spielfreude, die schon das eingangs präsentierte B-Dur-Konzert KV 595 ausstrahlte, zeigten sich Solist wie Orchester beim A-Dur- und C-Dur-Konzert nach der Pause lockerer, nahmen sich mehr Zeit für die Ausformung von Details. Das kam auch der Präzision im Zusammenspiel zugute, die in den mit zügigen Tempi durchmessenen Ecksätzen zuweilen Wünsche offenließ. Dennoch war’s jeweils ein Mozart wie aus einem Guss. Und das heißt schon einiges.
Lesen Sie mehr zu diesen Themen: