Dänemark steht vor einer schwierigen Regierungsbildung. Die Sozialdemokraten von Regierungschefin Mette Frederiksen wurden zwar mit 21,9 Prozent der Stimmen erneut stärkste Partei, schnitten aber so schlecht ab wie seit Jahrzehnten nicht. Ihre Drei-Parteien-Koalition der politischen Mitte ist von einer Mehrheit im Parlament weit entfernt. Auch für ein Bündnis der Sozialdemokraten und mehreren links-grünen Parteien fehlt nach Auszählung aller Stimmen eine solche Mehrheit.

Das Parlament in Kopenhagen hat 179 Sitze. 175 Mandate werden in Dänemark vergeben, dazu kommen jeweils zwei in Grönland und auf den Färöer-Inseln – beide gehören zum dänischen Königreich. Die grönländischen Stimmen sollten erst in der Früh ausgezählt sein.

Ohne die vier nordatlantischen Abgeordneten – die färöischen Mandate gehen an einen Sozialdemokraten und eine bürgerlich-liberale Politikerin – kommt der sogenannte Rote Block aus linken Parteien nach der Wahl auf 84 Sitze – 14 mehr als die bisherige Koalition. Der bürgerlich-konservative „Blaue Block“ kommt auf 77 Sitze.

Zwischen den Lagern steht die relativ neue Partei Moderaterne von Außenminister Lars Løkke Rasmussen, die sich der politischen Mitte zuordnet. Mit ihren 14 Mandaten könnte der Partei wie schon nach der vorherigen Wahl 2022 wieder eine Schlüsselrolle bei den Verhandlungen über eine künftige Regierung zufallen.

Ministerpräsidentin Frederiksen regierte bisher mit den Rechtsliberalen und Moderaten. Sie hatte sich im Voraus nicht festgelegt, ob sie nach der Wahl erneut eine Regierung der Mitte oder ein Bündnis mit den linken Parteien anstreben will. Die in der Migrationspolitik für ihre harte Linie bekannte Regierungschefin hatte aber immer wieder betont, dass die unsichere Lage auf der Welt mit zahlreichen Krisen- und Konfliktherden nach Zusammenhalt verlange. Ihre Sozialdemokraten fuhren bei der Parlamentswahl laut der Nachrichtenagentur Ritzau ihr schlechtestes Ergebnis seit 1903 ein.

Frederiksens Herausforderer, der rechtsliberale Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen, warb noch in der Wahlnacht für eine bürgerlich-konservative Regierung mit Unterstützung der Partei von Lars Løkke Rasmussen.