Vom Morgenlauf direkt ins Büro. Immer mehr Menschen machen das mit demselben Schuh. Und zwar einem, der beiden Welten gerecht wird. Turnschuhe zum Anzug sind längst kein Novum mehr. Die Hersteller setzen auf eine neue Turnschuh-Kategorie für den immer hybrider werdenden Lifestyle: sogenannte Performance-Sneaker. Das sind sportliche Schuhe, die vor allem fürs Laufen und Joggen konzipiert sind, aber durch entsprechendes Design auch abseits der Laufstrecke funktionieren.

Der Schweizer Laufschuh-Hersteller On steht seit Jahren sinnbildlich für diesen Trend. Die Schuhe mit den löchrigen Sohlen sind gleichermaßen im Fitnessstudio wie im Alltag zu Hause. 2025 erzielte das Unternehmen erstmals über drei Mrd. Franken Umsatz. Andere große Hersteller wie Adidas, Nike oder New Balance erkennen die Nachfrage ebenfalls und haben eine Performance-Sneaker-Kategorie eingeführt.

Davon, dass die Nachfrage nach diesen Schuhen mehr als nur ein Trend ist, ist Armin Weger, der im Vorjahr das Ruder bei Humanic übernommen hat, überzeugt.

„Der Sneaker-Markt entwickelt sich sehr rasant und von einem Paar Schuhe wird immer mehr erwartet.“ Während sportliche Schuhe bisher nur eine Ergänzung des Sortiments beim Schuhhändler waren, setzt Weger nun stärker auf das gefragte Segment.

Und das in einer Zeit, in der viele Schuhgeschäfte ihre Tore für immer schließen und sich der Sporthandel konsolidiert. „Wir integrieren in unseren Filialen einen völlig neuen Performance- und Sportbereich. Erst mit Fokus auf Laufen, später könnten Outdoor oder Tennis folgen“, sagt Weger zur „Presse“. Aber einfach nur „neue Schuhe hinstellen“ wolle der Humanic-Chef nicht. „Wir bilden gerade 16 neue Mitarbeiter für diese Stores aus, die gezielt für dieses Segment arbeiten werden.“ Preislich bewegen sich die Modelle zwischen 140 und 200 Euro.

Bevor er das neue Segment skaliert, wolle er die Qualität sicherstellen. Kunden werden „Humanic Sports“ ab dieser Woche in vier Filialen – in Wien (Kärntner Straße und Mariahilfer Straße), in der SCS Vösendorf und in der Plus City in Pasching – bemerken. Im Herbst soll die Herrengasse in Graz folgen.

Von der Schuhindustrie werde die Strategie unterstützt, „weil man einen solchen Schritt von einem Schuhhändler nicht erwartet hätte“, sagt Weger. Wie viel er für die strategische Neuausrichtung ausgibt, verrät er nicht – nur, dass es mit Industriepartnern gemeinsam finanziert wird. Die eigene berufliche Laufbahn kommt dem Manager gelegen. Immerhin bringt er langjährige Erfahrung im internationalen Sport- und Modehandel mit und hat unter anderem bei Engelhorn Sports, Dodenhof und Hervis gearbeitet.

Was Weger bei Humanic als Neuland erschließt, haben etablierte Sporthändler schon länger als Potenzial erkannt. Athleisure, also athletische Mode, sei kein kurzfristiger Trend, sondern ein profitables Segment für den Sporthändler, sagt Intersport-Chef Franz Koll. „Wanderschuhe werden für den Spaziergang getragen und Sportleggings werden sowohl im Fitnessstudio als auch beim Stadtbummel getragen. Bei Intersport sehen wir vor allem in den Outdoor- und Fitnesssegmenten seit Jahren Umsatzzuwächse im hohen ein- bzw. zweistelligen Bereich“, sagt er.

Auch er beobachtet, dass Konsumenten beides wollen: „Einmal stand Funktionalität im Vordergrund, dann war Style wieder wichtiger, und jetzt wünschen sich Kunden die Kombination“, sagt Koll. Das fordern vor allem die jüngeren Zielgruppen „und ist ein Weg, den wir konsequent weiterverfolgen und ausbauen wollen“.

Dass etablierte Sporthändler wie Intersport mit dem Sortiment vorerst stärker dastehen, ist dem Humanic-Chef klar – „aber wir wollen auch eine andere Zielgruppe erreichen. Es geht dabei nicht um eine bestimmte Alterskategorie, sondern um Menschen mit einer bestimmten Haltung: Diese legen Wert auf Gesundheit und Lifestyle, sind leistungsorientiert und bewegen sich modern.“ Werben wird Weger für „Humanic Sports“ mit Influencern und den Sujets der Schuhhersteller. Eine eigene Kampagne gibt es nicht.

Der Sneaker-Umsatz macht beim Schuhhändler etwa 25 Prozent aus. Bezüglich der konkreten Umsatzziele für den neuen Bereich bleibt Weger noch vage: „Wenn wir im ersten Schritt im Performance-Sneaker-Bereich auf vier bis fünf Prozent von den 25 Prozent kommen, bin ich sehr zufrieden. Dann geht es in die richtige Richtung.“ Konkreter wolle er vorerst noch nicht werden.

Noch eine andere Sache dürfte beim Schuhhändler Humanic demnächst über die Bühne gehen, nämlich das Closing der Übernahme der Humanic-Mutter Leder & Schuh durch die slowenische Mass-Gruppe. Der Deal wurde im Oktober 2025 bekannt. Noch warten die Beteiligten auf die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden. Die Transaktion soll noch in der ersten Jahreshälfte 2026 geschehen.