Wien. Kryptowährungen sind unsichtbar und spielen sich im digitalen Raum ab. Doch mit zunehmender Bekannt- und Beliebtheit wandern sie sukzessive in die analoge Welt. So wird man Bitcoin künftig auch im Supermarkt kaufen können. Und zwar in Form von Gutscheinkarten.
Der Anbieter Cryptonow, der auf Bitcoin-Gutscheinkarten spezialisiert ist, ist seit Kurzem auch in Österreich aktiv, nachdem die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) dem Unternehmen die MiCA-Lizenz erteilte. Damit darf der Anbieter in der gesamten EU regulierte Kryptodienstleistungen anbieten. Diese Lizenz zog unlängst auch die Kryptobörsen Bybit und Kucoin nach Wien.
In wenigen Tagen werden also etwa bei Billa neben den Gutscheinkarten von Spotify und Amazon Bitcoin-Gutscheinkarten hängen. Das ist ein Novum auf dem österreichischen Markt. Solche Angebote, die einen Kryptozugang niederschwellig ermöglichen, gab es bisher nicht. Ein anderes niederschwelliges Angebot in Österreich bietet nur die Firma Kurant, die österreichweit Hunderte Bitcoin-Automaten aufgestellt hat, an denen man Bargeld in Bitcoin tauschen kann.
„In der Schweiz ist die Gutscheinkarte für Bitcoin die drittmeistverkaufte Gutscheinkarte“, sagt Clemens Pachta-Rayhofen, der Österreich-Chef von Cryptonow, im Gespräch mit der „Presse“. Die Supermärkte scheinen ein Potenzial in der Bitcoin-Karte zu erkennen, denn das Interesse von Supermärkten und anderen Händlern an den Gutscheinkarten sei groß, sagt Pachta-Rayhofen. „In den kommenden drei bis vier Monaten werden wir in über 100.000 Verkaufsstellen in Europa vertreten sein“, sagt der Cryptonow-Chef.

Cryptonow-Chef Pachta-Rayhofen will Bitcoin zugänglicher machen. Clemens Fabry
Das Ziel der Gutscheinkarten von Cryptonow ist es, Menschen einen „möglichst niederschwelligen und einfachen“ Einstieg in die Kryptowelt zu bieten. Und das offline – „nämlich dort, wo Menschen ohnehin jeden Tag einkaufen“. Damit erreicht der Anbieter eine völlig andere Zielgruppe. „Gerade bei einem neuen digitalen Produkt fühlen sich viele Konsumenten wohler, wenn sie etwas Physisches in der Hand halten und die Kundenreise offline beginnen“, sagt Pachta-Rayhofen.
Bedarf an einem Kryptoprodukt zum Angreifen gibt es aus seiner Sicht. Die meisten Kryptofirmen richten sich mit ihren Angeboten vorwiegend an Digital Natives. „In Europa besitzen knapp über 90 Prozent noch gar keine Kryptowährungen“, sagt Pachta-Rayhofen. Die Mission des Unternehmens sei es, „die Leute in ihrem Umfeld abzuholen“. Neben Österreich werden die Gutscheinkarten in weiteren Ländern in Europa ausgerollt, unter anderem in Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Frankreich.
Fürs Erste gibt es in Österreich zwei Karten. Das Starter-Kit ist eine reine Bitcoin-Karte, wobei diese Gutscheinkarte sozusagen der Einzahlungsort für Euro ist, die dann digital jederzeit in Bitcoin getauscht werden können. Gleichzeitig kann die Karte auch als Offline-Wallet für Bitcoin fungieren, was als die sicherste Art gilt, Kryptowährungen aufzubewahren. Das zweite Produkt ist eine Guthabenkarte zum Aufladen für rund 15 Assets wie Cardano, Ethereum oder Ripple. Cryptonow bietet also nicht nur Bitcoin an. Der Wert der Gutscheinkarte wird auf der Cryptonow-Plattform in Kryptowährungen umgewandelt. Die Plattform konzentriert sich dabei auf das Wesentliche: auf den Kauf und Verkauf, das Senden und Empfangen von digitalen Assets.
Dass Wien zum zentralen Standort in der EU auserkoren wurde, sei zu einem großen Teil der FMA zu verdanken, sagt Pachta-Rayhofen. Die Behörde kenne sich „sehr gut aus und hat eine hohe Expertise im Kryptosektor aufgebaut“. Das erhöhe die Attraktivität des Standortes für die Kryptoszene massiv.
Die Expansion in weitere Länder werde vom Büro in Wien aus gesteuert. „Unser Ziel ist es, im Einzelhandel in ganz Europa flächendeckend verfügbar zu sein und damit perspektivisch über 400 Millionen Menschen erreichen zu können.“ Geld verdient Cryptonow wie andere Handelsplattformen auch durch Servicegebühren, „die wir klar ausweisen“. Bei den Gutscheinkarten gibt es noch zusätzlich Handelsmargen.
Auf einen Blick
Die EU hat mit der MiCA-Lizenz eine einheitliche Regulierung für Kryptowerte und verwandte Dienstleistungen innerhalb der EU geschaffen. MiCA steht für „Markets in Crypto-Assets Regulation“. Das Ziel der Regulierung ist es, Anleger vor Betrug zu schützen und Innovation zu fördern.