Der letzte Ausflug in die Welt von BDSM war für viele Kinozuschauer:innen wahrscheinlich im kontrovers diskutierten Blockbuster Fifty Shades of Grey. Wer dieses enttäuschende Erlebnis endlich überschreiben möchte, sollte sich einen Film nicht entgehen lassen, der jetzt in den deutschen Kinos startet. Denn Pillion ist alles, was Fifty Shades of Grey gerne gewesen wäre und niemals sein konnte. Unter anderem richtig gut.

Pillion im Kino: Harry Potter-Star Harry Melling auf der Suche nach (sexueller) Identität

Colin (Harry Melling) weiß nicht so recht, wer er eigentlich ist. Der junge Mann arbeitet als Politesse, singt in einem Kneipenchor mit seinem Vater und wohnt noch bei seinen Eltern. Auch auf sein erstes Date mit einem Mann wird er von seinen Eltern geschickt. Dort fällt ihm jedoch jemand ganz anderes ins Auge, als der Mann an seiner Seite: Der große und gutaussehende Ray (Alexander Skarsgård), der mit einer Biker-Gang abhängt, unter denen äußerst ungewöhnliche Beziehungsdynamiken zu herrschen scheinen.

Als Ray ihm seine Nummer zusteckt, fühlt sich Colin wie magisch angezogen. Schnell beginnt er alles zu tun, was Ray von ihm verlangt: Kochen, Putzen, Einkaufen, auf dem Boden schlafen und weitere Befehle ausführen, und das ohne große Erklärung. Nach und nach hegt Colin jedoch Zweifel an der BDSM-Beziehung, in der er sich einfach nicht behaupten kann. Vor allem, als von seiner Seite immer mehr Gefühle ins Spiel kommen.

In Pillion werden die eigenen Grenzen auf komödiantische und berührende Weise ausgelotet

Pillion basiert auf dem Roman Box Hill von Adam Mars-Jones und wurde von Harry Lighton inszeniert, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete. Der Brite gab mit dem Film sein Regiedebüt, der seine Premiere bei den Filmfestspielen von Cannes feierte, wo Pillion einen siebenminütigen Applaus einheimste.

Und das zu Recht: Mit Pillion gelingt Lighton ein Kunststück, das nur wenige Filme schaffen. Colins Geschichte ist einerseits urkomisch, wenn er als Fish in Cold Water langsam in die sexuellen Praktiken von Ray eingeführt wird und dieser ihn immer wieder vor vollendete Tatsachen des nächsten von Außen sehr merkwürdig erscheinenden Befehls stellt. Gleichzeitig wird in dieser Beziehung die sensible und berührende Identitätssuche eines jungen Mannes gezeichnet, der sich nach Nähe sehnt und herausfindet, was das eigentlich für ihn bedeutet.

Durch Rays feste Verankerung in der BDSM-Biker-Szene, für die übrigens zahlreiche echte Mitglieder dieser Szene gecastet wurden, erhalten wir wie Colin dazu einen Einblick darin, was es bedeuten kann abseits der Norm zu lieben und zu leben – mit all den Licht- wie Schattenseiten, die von beflügelnden sexuellen Erfahrungen bis hin zu verletzten Gefühlen reichen. So wird auch das Publikum dazu eingeladen, eigene Vorurteile zu hinterfragen und sich gemeinsam mit Colin zu überlegen, wo die eigenen Grenzen liegen und wann sie überschritten werden.

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Harry Melling, den die meisten wahrscheinlich als Dudley Dursley aus der Harry Potter-Reihe kennen, spielt Colin mit einer Sensibilität und Offenheit, die absolut entwaffnend ist und ihn endgültig von seinem Image als Potter-Fiesling befreit. Alexander Skarsgård als Ray bleibt hingegen ein undurchschaubares Enigma, bei dem man in nur wenigen Szenen eine gewisse Verletzlichkeit durchblitzen sieht, was der Rolle aber völlig zuträglich ist. Diesem ungleichen und überraschenden Duo könnte man stundenlang zusehen, auch wenn es ihnen nicht vergönnt ist, viel Zeit miteinander zu teilen.

So ist Pillion letztendlich eine romantische Komödie der etwas anderen Art, die nicht nur Fans des Genres begeistern dürfte. Bei Rotten Tomatoes  kommt Pillion nicht umsonst auf einen fast perfekten Kritiken-Score von 99 Prozent. Ihr solltet euch diesen Geheimtipp im Kino also auf keinen Fall entgehen lassen. Pillion startet am 26. März 2026 in den deutschen Lichtspielhäusern.