
AUDIO: Fotoprojekt Anderwelt: Fotos von Hinterbliebenen (3 Min)
Stand: 25.03.2026 10:15 Uhr
Was passiert, wenn ein Mensch gestorben ist? Gibt es etwas zwischen Himmel und Erde? Diese Fragen hat sich der Fotograf Bert Strebe in seinem Fotoprojekt „Anderwelt“ gestellt. Zu sehen ist die Ausstellung in Hannover.
Anderwelt, so nannten die Kelten die Welt der Toten, die durchlässig ist zu unserer Erde. Fotograf Bert Strebe hat Hinterbliebene mit ihren Verstorbenen fotografiert, aber ohne die Verstorbenen direkt zu zeigen. Zu sehen ist die Ausstellung in Hannover.
Tote sind im Gesichtsausdruck der Hinterbliebenen sichtbar

Doris Haas-Arndts Mann starb vor neun Jahren an Krebs.
Eine Frau ist auf einem Schwarz-Weiß-Foto zu sehen. Sie hat die Augen geschlossen, den Kopf an einen Baum gelehnt, die Lippen leicht geöffnet. Es sieht so aus, als ob sie tief einatmet, versucht, etwas zu spüren. Im Hintergrund ist ein Wald zu sehen, Laub liegt auf dem Boden. Es sind diese Momente, die Bert Strebe zeigen möchte: „Ich fotografiere Hinterbliebene mit ihren Toten und die Kamera kann die Toten zwar nicht sehen, aber sie sind trotzdem erkennbar, weil sie im Gesichtsausdruck der Hinterbliebenen oder in der Haltung erkennbar sind.“
Die Frau auf dem Foto ist Doris Haas-Arndt. Ihr Mann Peter starb vor neun Jahren an Krebs. Bert Strebe besuchte sie für sein Fotoprojekt zu Hause und hörte ihre Geschichte. Ihr Mann war Künstler gewesen: So lag es nahe, ein gestelltes Bild zu fotografieren, das zeigt, wie sie in seinen Mappen blätterte. Dies habe aber überhaupt nicht geklappt, es sei gar nichts auf den Aufnahmen ‚rübergekommen, so Haas-Arndt. Deshalb seien sie spontan zum Ruheforst gefahren. „Als wir dort ankamen, sind wir noch im Regen losgegangen – und als wir an der Stelle ankamen, brach plötzlich der Himmel auf. Da hatten wir beide das Gefühl, das ist eine magische Situation, das könnten wir als Fotomotiv nutzen.“

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Hinterbliebene tragen Tote in sich

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So entstanden insgesamt 23 Schwarz-Weiß-Porträts von Hinterbliebenen. Laut Strebe tragen sie die Toten in sich. Für ihn war der Auslöser fürs Projekt „Anderwelt“ die Beerdigung einer Freundin. Als deren schwer kranker Mann die Trauerrede hielt, überkam den Fotografen Strebe ein Gedanke: „Das nächste Mal siehst du ihn, wenn er da vorne im Sarg liegt. Ich habe gedacht, das akzeptiere ich jetzt so nicht. Ich habe ihn gefragt, ob ich ihn fotografieren darf. Fotografieren im Sinne von etwas festhalten für die Zukunft.“
Denn für Strebe leben die Verstorbene in ihren Hinterbliebenen und somit auf den Fotos weiter. Doris Haas-Arndt begreift es als Versuch, mit dem Tod ihres Mannes abzuschließen: „Der Volksmund sagt, die Zeit heilt alle Wunden, aber das stimmt nicht. Es bleibt immer eine Wunde. Es gibt vielleicht eine Narbe, aber die Wunde bleibt immer bestehen.“ Sie sagt, der Trauerprozess sei nie wirklich abgeschlossen, wenn er nicht bewusst abgeschlossen werde. „Ich habe das Projekt als Chance begriffen, den Prozess endlich abzuschließen“, sagt Doris Haas-Arndt.

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Gibt es ein Leben nach dem Tod?
Ob es ein Leben nach dem Tod oder eine Art Paradies gibt, will Fotograf Bert Strebe nicht ausschließen, er glaubt nicht, dass mit dem Sterben alles endet. Auch Haas-Arndt hat diese Hoffnung: „Ich finde den Gedanken tröstlich, alle, die in meinem Leben schon gestorben sind, noch mal wiederzusehen. Ich finde es einfach gut, daran zu glauben und ich halte mir das hoch.“
Die Ausstellung „Anderwelt“ wird am 4. April in der Galerie „metavier“ eröffnet und läuft bis zum 17. Mai. Die Schau ist immer am Sonntag von 13 bis 17 Uhr geöffnet.

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