Ein Innsbrucker Unternehmen sorgt mit einer internationalen KI-Drohnen-Challenge für Aufmerksamkeit. Spannend wird die Technologie aber nicht nur auf der großen Bühne, sondern vor allem dort, wo Tirol sie tatsächlich brauchen könnte: in der Bergwelt, bei Naturgefahren und überall dort, wo Einsätze für Helfer riskant werden.

Was in Innsbruck entwickelt wurde, fliegt längst auf internationaler Bühne. Die Drone Champions League (DCL) zählt zu den weltweit führenden Plattformen im Drohnenrennsport und verbindet reale Wettkämpfe mit einer virtuellen 1:1-Simulation für PlayStation, Xbox und PC. Über „DCL – The Game“ können Rennstrecken digital trainiert und nachgeflogen werden, die realen Bewerbe finden an spektakulären Orten statt – etwa auf den Champs-Élysées in Paris, am Yas Marina Circuit in Abu Dhabi oder im Eiskanal am Königssee. Nach Unternehmensangaben erreicht das Format mehr als 307 Millionen Online-Views pro Jahr.

2026 geht das Innsbrucker Unternehmen noch einen Schritt weiter: Gemeinsam mit einem US-Kunden organisiert es eine internationale AI Drone Challenge, eine Art Formel 1 der autonomen Drohnen. Mehr als 2700 Teams haben sich dafür bereits angemeldet, darunter auch Spitzenuniversitäten aus aller Welt – und auch aus Österreich. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur Tempo und Präzision, sondern vor allem die Frage, wie Künstliche Intelligenz Flugsysteme eigenständiger, treffsicherer und vielseitiger machen kann.

Der Innsbrucker Unternehmer Markus Stampfer will mit KI-Drohnen Einsätze dort sicherer machen, wo es für Menschen gefährlich wird.

Für den Tiroler Co-Gründer Markus Stampfer liegt unter der internationalen Unterhaltung das eigentliche Potenzial für die Menschen und Berge in seiner Heimat: „Wir möchten diese Technologie dort nutzen, wo Landschaft besonders sensibel ist und Beobachtung Natur und Ressourcen schützen kann – und vor allem Menschen, die helfen.“

Maßgeschneidert statt starrem System

Die Besonderheit der Innsbrucker Drohnen liegt nicht nur in der Technik selbst, sondern vor allem in der Software. Je nach Einsatz lässt sich die KI unterschiedlich trainieren – etwa für Bergretter, für Einsätze im Lawinenumfeld, für Wildtiermonitoring oder für andere sensible Aufgaben im alpinen Raum. Auch bei der Wartung von Infrastruktur, etwa bei Seilbahnen oder anderen schwer zugänglichen Anlagen, sieht das Unternehmen zahlreiche maßgeschneiderte Anwendungsmöglichkeiten.

Hinzu kommt ein weiterer Unterschied zu klassischen Pilotprojekten: Erprobt wird sie nicht im Labor, sondern unter Hochleistungsbedingungen im echten Rennbetrieb der DCL. Dort müssen die Systeme unter Zeitdruck, mit hoher Präzision und unter anspruchsvollen Bedingungen funktionieren. Für Stampfer und sein Team ist genau das der Vorteil: Die Technik wird nicht theoretisch gedacht, sondern gleich im Extremfall getestet – und soll später jenen zugutekommen, die im Gebirge auf verlässliche und robuste Systeme angewiesen sind.

Risikoschätzung aus der Luft

Gerade in Tirol könnte das praktische Folgen haben. Denn was Drohnen im Rennen beherrschen müssen – schnelle Reaktion, präzise Orientierung, Hinderniserkennung und autonome Navigation –, wird auch dort relevant, wo es nicht um Sekunden, sondern um Sicherheit geht.

Besonders deutlich wird das bei Such- und Rettungseinsätzen. Im unwegsamen Gelände kann ein rascher Blick von oben entscheidend sein, um die Lage abzuklären, Suchräume einzugrenzen und Gefahren besser einzuschätzen. Der Nutzen liegt also nicht nur darin, Vermisste schneller zu finden. Er liegt auch darin, jene besser zu schützen, die im Ernstfall ausrücken, um zu helfen.

Robin Lutnig ist Bergretter und Drohnenausbilder. Er sieht in den KI-Drohnen „ein großes Potenzial“. Solche Systeme könnten helfen, „Ressourcen schonender und effektiver zu verteilen und das Risiko für die Mannschaft besser einzuschätzen. Gerade die Kombination aus Wärmebildkameras, KI und verbesserter Navigation könne dazu beitragen, gesuchte Personen schneller zu lokalisieren“ – noch bevor Einsatzkräfte selbst in unübersichtliches oder potenziell gefährliches Gelände vordringen müssen.

Tirol von ganz oben

Ganz neu ist die Arbeit mit Drohnen in Tirol nicht. Auch in der Abteilung Geoinformation des Landes sieht man in solchen Systemen einen konkreten Mehrwert. „Aus Sicht des Landes Tirol besteht grundsätzlich dort Potenzial für den Einsatz autonomer beziehungsweise KI-gestützter Drohnensysteme, wo rasch aktuelle Lagebilder benötigt werden oder schwer zugängliches Gelände eine Rolle spielt“, heißt es dort.

Drohnen werden laut Land bereits in mehreren Bereichen eingesetzt – etwa zur Unterstützung der Behörden im Ereignisfall, bei Schadenerhebungen nach Naturereignissen oder zur Erkundung von Naturgefahrenprozessen. Im Jahr 2025 wurden demnach 73 Flüge absolviert, unter anderem beim Brand in Nußdorf-Debant, beim Murenabgang in Gschnitz oder beim Waldbrand auf der Nordkette bei Innsbruck.

Gerade für ein alpines Bundesland liegt der Nutzen auf der Hand: bei Felsstürzen, Muren, Hangrutschungen oder Waldbränden, aber auch beim Monitoring von Infrastrukturen und klimabedingten Veränderungen im Gebirge. Autonome oder KI-gestützte Systeme könnten helfen, solche großen Datenmengen schneller auszuwerten und anbahnende Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Fortschritt mit luftigen Grenzen

Das Land Tirol verweist auf luftfahrtrechtliche und datenschutzrechtliche Vorgaben, auf Sicherheitsabstände und auf die Rücksichtnahme in sensiblen Räumen. „Drohneneinsätze müssen so gestaltet werden, dass Natur, Wildtiere und Erholungsräume möglichst wenig beeinträchtigt werden“, heißt es.

Gerade beim Wildtiermonitoring spielt auch die Flughöhe eine Rolle. Die Technologie sei dann besonders interessant, wenn Drohnen hoch genug fliegen können, um Tiere weder durch Schatten noch durch Geräusche unnötig zu stören. Nach Angaben des Unternehmens sind entsprechende Höhen technisch möglich, Voraussetzung bleibt wie jetzt auch eine Genehmigung des Luftraums.

Hinzu kommen die praktischen Herausforderungen des alpinen Geländes: starke Winde, große Höhenunterschiede, eingeschränkte Kommunikationsinfrastruktur und die sichere Abstimmung mit bemannter Luftfahrt. Auch Lutnig betont, dass trotz Automatisierung „ein fachlich sehr kompetentes Team im Hintergrund“ nötig sei, um ein solches System verlässlich zu betreiben. Technik kann unterstützen – sie ersetzt weder Erfahrung noch Verantwortung.

Für Stampfer ist genau das der Punkt: „Präzise KI-Drohnen sollen Entscheidungsgrundlagen liefern – und dadurch mithelfen, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen, um im besten Fall Menschenleben zu retten: jene von Vermissten und jene von Rettern.“