Bad Oeynhausen. Wenn die Wände der Arterien krankhaft geschwächt sind, kann das lebensgefährlich werden. „Ein Aneurysma gleicht einer tickenden Zeitbombe“, warnt Gefäßchirurg Ernest Danch, Leitender Arzt der gefäßchirurgischen Abteilung am Herz- und Diabeteszentrum (HDZ). „Oft bleibt eine krankhafte Aussackung lange unbemerkt, bis sie reißt. Plötzliche, starke Schmerzen sind dann immer ein Fall für den Notarzt.“ Besonders häufig betroffen sei die Bauchschlagader (Aorta abdominalis).
Im HDZ behandeln Ernest Danch, Oberarzt Stefan Heisel und ihr Team regelmäßig Patienten mit sogenannten Bauchaortenaneurysmen. Männer ab 65 Jahren haben Anspruch auf eine kostenlose Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung – doch viele nehmen dieses Angebot nicht wahr.
Daher ist eine solche Gefäßerweiterung der Bauchschlagader nicht selten ein typischer Zufallsbefund, so wie bei einem 68-jährigen Patienten, der bei einer Prostatavorsorgeuntersuchung auffiel und einst bereits einen Stent im Brustkorb erhalten hatte. Medikamente gegen ein Aneurysma gibt es nicht. „Ab einem Durchmesser von etwa fünf Zentimetern sollte eine Stent-Prothese eingesetzt werden, um eine Ruptur und damit lebensbedrohliche innere Blutungen zu verhindern.“
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Die Bauchaorta das größte Blutgefäß im Bauchraum
Für ihren Patienten mussten die Gefäßspezialisten eine besonders passgenaue Behandlungsstrategie planen. Dazu muss man wissen, dass die Bauchaorta das größte Blutgefäß im Bauchraum ist. „Von ihr zweigen wichtige Arterien ab, die unter anderem Leber und Nieren versorgen“, erklärt Oberarzt Heisel. „Eine Standardprothese würde hier womöglich wichtige Zugänge blockieren, deshalb benötigen manche Patienten eine individuell angefertigte, sogenannte fenestrierte Stent-Prothese. Mit kleinen oder größeren Öffnungen an den richtigen Stellen versehen, berücksichtigt eine solche Maßanfertigung die abzweigenden Gefäße.“
Exakte Bildgebung und sorgfältige Planung sind notwendig, um das individuelle Unikat einer fenestrierten Stent-Prothese beim Hersteller anfertigen zu lassen: Die Chirurgen vermessen zunächst millimetergenau, wo sich die lebenswichtigen Gefäßabgänge bei ihrem Patienten befinden und wie groß diese sind. Herstellung und Lieferung der speziellen Gefäßstütze aus biokompatiblem Dacron-Material dauern etwa vier bis sechs Wochen.
Eingesetzt wird sie anschließend minimalinvasiv über ein kathetergestütztes Verfahren im Hybrid-Operationssaal. Unter Röntgenkontrolle wird die Prothese so präzise positioniert, dass anschließend alle wichtigen, abzweigenden Arterien weiter durchblutet bleiben. Kleine zusätzliche Stents sichern diese Verbindungen ab.
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Entscheidend sind immer Lage und Größe der Aussackung
Eine fenestrierte Stent-Prothese.
Eine fenestrierte Stent-Prothese.
| © Finn Lehrke
Der 68-Jährige hat den prophylaktischen Eingriff gut überstanden. Das kathetergestützte Verfahren ist seit Jahren etabliert und erfordert besonders erfahrene Gefäßchirurgen. Dank technischer und personeller Ausstattung im HDZ kann hier die komplette Aorta vom Ursprung am Herzen bis zum Bauchraum behandelt werden. „Solche Therapieangebote gehören unbedingt in ein spezialisiertes Zentrum“, betont Ernest Danch.
Aneurysmen können auch an anderen Gefäßen oder in der Herzwand auftreten. „Entscheidend für die Behandlung sind immer Lage und Größe der Aussackung“, so die Gefäßspezialisten. Zur Vorbeugung raten sie, Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Rauchen konsequent zu meiden und die Vorsorgeempfehlung der Krankenkassen wahrzunehmen.📱News direkt aufs Smartphone: Kostenloser WhatsApp-Kanal der NW Kreis Minden-Lübbecke
